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Comeback der frühpensionierten Agit-Rocker

Mitten im US-Wahlkampf bleibt der musikalische Nachwuchs stumm. Nun springen die angegrauten Polit-Rocker von Rage Against the Machine in die Bresche.

Im Januar 2007 schloss sich die Band Rage Against the Machine wieder zusammen – weitgehend unbeachtet von Fans und Medien. Das mag an fehlenden neuen Songs gelegen haben (das letzte Album der Gruppe datiert aus dem Jahr 2000). Vielleicht störten sich die Fans auch an der ruhigeren Gangart der einstigen Angry Young Men, die in den frühen 90ern mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch gegen das Establishment anbrüllten.

Ein neues Album gibt es nach wie vor nicht zu vermelden, doch immerhin scheint man zur alten Bissigkeit zurückgefunden zu haben: In Minneapolis wurde der Band der Auftritt an einem Festival verwehrt, weil die Musiker zu spät auf der Bühne erschienen sind. Also schnappte sich Sänger Zack de la Rocha von einem Sicherheitsbeamten auf der Strasse ein Megaphon und geisselte quasi a capella die verfehlte Kriegspolitik der Republikaner. Die Aktion endete mit Tausenden Fans, die sich auf einen Protestmarsch zum nahegelegenen Xcel Energy Center begaben, wo Sarah Palin an einem Republikaner-Kongress eine Rede hielt.

Angry Middle-aged Men

Bereits macht das Megaphon-Konzert als YouTube-Clip im Web die Runde. «Legendär» und «einmalig» sei der spontane Auftritt, jubeln Fans. Für US-Kulturjournalisten gab es gar noch mehr zu kommentieren. Es sei interessant, dass Musiker wie Rage oder Michael Franti, die gegen 40 gehen, den Protest gegen die Republikaner anführten. «Zeitenwechsel spülen gewöhnlich neue Protestbands ins Rampenlicht», so Ann Powers vom Soundboardblog der L.A. Times: «Doch bis jetzt wurden keine frischen Stimmen generiert.»

Ann Powers Kommentar führte prompt zu einer hitzigen Web-Diskussion, ob das Genre des Protestsongs am Aussterben sei. Mit Blick auf den US-Wahlkampf muss man dies wohl mit Ja beantworten. Zwar gibt es unzählige Musiker, die sich in der Öffentlichkeit für einen Präsidentschaftskandidaten aussprechen (Joss Stone und Madonna beispielweise unterstützen Obama. Countrystar John Rich singt für McCain). Bloss: Über ein paar freche Sprüche an einem Konzert gehen diese Bemühungen jeweils kaum hinaus.

Wehmütig erinnert sich der engagierte Musikfan an Bruce Springsteen, Bob Marley oder den jungen Bob Dylan: Musiker, die ihre politischen Ansichten in Songs verpackten. Zum Glück, ist man versucht zu sagen, gibt es noch Bono – allerdings ist der auch schon 47. Doch um der apolitischen Phase im Musikbusiness etwas Positives abzugewinnen: Sie hat uns ein fulminantes Comeback von Rage Against the Machine beschert, was wiederum der Anfang einer neuen Bewegung sein könnte – die Angry Middle-aged Men.

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