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Das unrühmliche Ende der Rockmusik

2010 schaffte es gerade mal ein Rocksong in die Top-50-Jahrescharts, die erfolgreichsten Rocker weltweit sind alle schon etwas angejahrt. Hat Rock'n'Roll noch eine Zukunft?

Die Rockband «Krokus» mit Frontmann Marc Storace schaffte es als eine von zwei in die «Top 50» Albumcharts.
Die Rockband «Krokus» mit Frontmann Marc Storace schaffte es als eine von zwei in die «Top 50» Albumcharts.

Rock’n’Roll ist tot, diese Weisheit verkündet dieser Tage die britische Zeitung «The Guardian» und liefert eindrückliche Zahlen, die diesen traurigen Befund belegen. Die Zahl der Rocksongs, die es in die britischen Charts schafften, ist 2010 nämlich auf ihren niedrigsten Stand seit 50 Jahren gefallen – gerade mal drei Rock-Tracks haben es in die Top 100 der am besten verkauften Singles geschafft und das in einem der Mutterländer des Rock’n’Roll.

Angejahrte Rocker

Im Jahr 2009 sah die Lage noch leicht rosiger aus. Die Zahl der Rocksongs in den britischen Top 100 machten laut der Statistik des Magazins «Music Week» noch 13% aus, ein Jahr später war dieser Anteil auf gerade noch 3 % geschrumpft - im Vergleich: R&B und Hip-Hop kamen auf 47%, Pop auf 40%, Dance 10%. In der Schweiz sieht es ganz ähnlich aus. Grosszügig gerechnet hat es mit Gossips «Heavy Cross» gerade mal eine Single in die Top-50-Single-Jahrescharts geschafft. Etwas besser haben die Rock-Acts bei den Albumcharts abgeschnitten. Dort sind mit Gotthard und Krokus, Züri West und Muse immerhin vier Bands vertreten, die man unter Rock subsumieren kann. In England waren 27% der am besten verkauften Alben Rock-Alben. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Rock-Fans eher noch ganze Alben anstatt Singles kaufen.

Nachwuchsproblem

Doch Rock’n’ Roll hat nicht nur ein numerisches, sondern auch ein Nachwuchsproblem. Jene Bands, die es noch in die Jahrescharts schaffen, mit denen die Veranstalter auch grosse Konzertstadien füllen können, sind alle bereits etwas angejahrt. Bon Jovi war der am besten verkaufende Konzert-Musiker im Jahr 2010 und machte im Ticketverkauf einen Umsatz von 201 Millionen Dollar. Bon Jovi ist aber bereits 48 Jahre alt. Er passt ins Bild, das eine Studie von Deloitte zeichnet. 40 % der Frontmänner der am besten verkaufenden Rockbands in den USA werden im nächsten Jahr 60 Jahre alt sein. Sie gehören einer vergangenen Generation an. So sieht es denn auch der als Professor Pop bekannte britische DJ Paul Gambaccini. «Das ist das Ende der Rock-Ära, sie ist genau so vorbei, wie das Zeitalter des Jazz. Das heisst nicht, dass es in Zukunft keine guten Rock’n’Roller mehr geben wird, aber Rock als beherrschender Stil ist Musikgeschichte.»

Das sind natürlich nicht bahnbrechende Neuigkeiten, das Ende der Rock-Ära wurde schon verschiedentlich verkündet. Die sinkenden Verkaufszahlen werden allerdings den Druck auf die Musikindustrie erhöhen. Man wird wohl in Zukunft noch weniger bereit sein, in echte, nicht in der Retorte gezüchtete Bands zu investieren, die keinen kommerziellen Erfolg garantieren.

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