Der fiedelnd singende Anwalt

Sebastiano Paù-Lessi alias Sebalter: Der Tessiner will beim Eurovision Song Contest nach den Sternen greifen.

Der Schweizer Musiker Sebastiano Pau-Lessi tritt für die Schweiz am Eurovision Song Contest (ESC) in Kopenhagen an.

Der Schweizer Musiker Sebastiano Pau-Lessi tritt für die Schweiz am Eurovision Song Contest (ESC) in Kopenhagen an. Bild: Karl Mathis/Keystone

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Nun wird es Ernst. Am Donnerstagabend läuft das zweite Halbfinale des Eurovision Song Contest (ESC) in Kopenhagen. Für die Schweiz steigt der Tessiner Sebalter mit dem Song «Hunter of Stars» auf die Bühne.

Sebalter? Mit bürgerlichem Namen heisst der 28-Jährige aus Bellinzonas Vorortsgemeinde Giubiasco Sebastiano Paù-Lessi, doch weil Musik sein Alter Ego ist, bastelte er sich diesen Künstlernamen. So hat er es in diesen Wochen immer wieder erklärt.

Seit er Anfang Februar beim Schweizer Ausscheidungsfinale in Kreuzlingen gewann, ist Sebalter ein gefragter Mann, insbesondere der Boulevard-Medien. An der smarten Erscheinung und den kess funkelnden Augen haben nicht nur Fotografen ihre Freude.

Sicher ist: Mit seinem Song pfiff, fiedelte und sang Sebalter sich ins Herz der helvetischen TV-Nation. Vor allem das charakteristische Pfeifen blieb im Ohr hängen.

Wirtschaftsanwalt statt Berufsmusiker

Dabei ist Sebastiano eigentlich von Haus aus ein Instrumentalist. Bereits im zarten Alter von sechs Jahren begann er, Geige zu spielen. Als Jugendlicher zupfte er die elektrische Bassgitarre, war Teil einer Rockband, während er als Multitalent gleichzeitig noch im Veloclub Bellinzona Furore machte und beinahe Rennrad-Profi geworden wäre. Über Jahre geigte er erfolgreich in der Irish-Ska-Band The Vad Vuc. 2003 gewann diese Folkgruppe sogar den kleinen Prix Walo. 2012 verliess er als Violinist die Formation, um ein eigenes Ensemble zu gründen und als Frontman eigene Songs zu singen.

Er hatte sogar daran gedacht, Berufsmusiker zu werden. Doch mit einem Studium der Rechtswissenschaften in Zürich setzte er letztlich auf ein sichereres Pferd und ist mittlerweile zum Wirtschaftsanwalt in seinem Heimatkanton avanciert. Nach dem Erfolg von Kreuzlingen stürzten allerdings so viele Dinge auf ihn ein, dass er sich vorübergehend vom Job suspendierte, um sich ganz auf das Eurovisionsfinale konzentrieren zu können. Angesichts seines Berufs sprechen einige bereits vom Tessiner Paolo Conte, als Pendant zum singenden Anwalt aus Italien.

Das ist wohl übertrieben. Doch Jus und Musik: Für Sebalter sind es die beiden Seiten seiner Persönlichkeit, die rationale und die emotionale. «Und mir ist es wichtig, jede Sekunde im Leben zu nutzen und zu geniessen», sagt der Sänger.

Das Problem mit der englischen Sprache

Experten und Buchmacher sehen den helvetischen Barden nicht unbedingt in den vordersten Rängen – das ist für Schweizer ESC-Wettbewerbsbeiträge ein bekanntes Leitmotiv. Die holprige englische Aussprache führte dabei in den Social Media zu einigen ironischen Kommentaren. Tatsächlich fragt man sich, warum Sebalter nicht im Italienischen, seiner melodischen Muttersprache, singt. Der Zwang zum Englischen hat schon den Tessiner Brüdern der Gruppe Sinplus vor zwei Jahren geschadet, als sie mit «Unbreakable» für die Schweiz am ESC Schiffbruch erlitten. Nicht besser erging es im Vorjahr der verkleideten Heilsarmee mit «You and Me.»

Doch es gibt auch gegenteilige Meinungen. «Das ist der beste Song, den ich bisher für die Eurovision 2014 gehört habe», schreibt eine gewisse Angela Camara über «Hunter of Stars» auf Youtube, «mit besten Grüssen aus Spanien». Wie auch immer: Selbst wenn die Jagd nach den Sternen in Dänemark ohne Trophäe ausgehen sollte, einen Preis für Sympathie hätte Sebalter auf alle Fälle verdient.

Erstellt: 08.05.2014, 07:15 Uhr

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