Der Hitformel auf der Spur

Was macht einen Hit aus? Eine neue Studie hat über 500'000 Songs ausgewertet.

Auch seinetwegen ist die Popmusik trauriger geworden: Superstar Ed Sheeran. Foto: AFP

Auch seinetwegen ist die Popmusik trauriger geworden: Superstar Ed Sheeran. Foto: AFP

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Wann wird ein Song zum Hit? Wer aktuelle Pop-Komponistinnen wie Julia Michaels fragt, die Songs für Ed Sheeran, Gwen Stefani und Justin Bieber mitgeschrieben hat, erhält keine eindeutigen Antworten. Die junge Amerikanerin spricht dann nicht von einem Erfolgsrezept, sondern eher von einem Gefühl, das ihr sagt: Dieser Song könnte funktionieren.

Ein Stück weiter scheint da die Wissenschaft zu sein, die die Hitformel immer wieder zu knacken versucht. So auch ein Team um die Mathematikerin Natalia Komarova, die an der University of California forscht. In einer neuen Studie untersuchte Komarova über 500'000 Songs, die zwischen 1985 und 2015 in Grossbritannien veröffentlicht wurden. Das Resultat ihrer aufwendigen Computeranalyse ist vordergründig unspektakulär. Denn Songs, die es in die Hitparaden schaffen, seien meist fröhlich, tanzbar und partytauglich.

Doch die Studie, die die Songs mit einer Vielzahl von Variablen und Metadaten untersuchte wie Timbre, Tonalität, Tempo, Stimmung und dem Geschlecht der Interpreten, fand auch heraus, dass Stücke von Sängerinnen über die Jahre immer populärer geworden sind. Dass Rockmusik die erfolgreichsten Zeiten hinter sich hat und immer seltener in den Charts landet. Und dass gerade die eigentlich erfolgversprechende Fröhlichkeit von den Popinterpreten gemäss ihrer Datenauswertung immer weniger bemüht wird: Popmusik, so der Befund der Forscher, sei in den letzten drei Jahrzehnten trauriger geworden, da mehr und mehr Songs in Moll komponiert wurden.

Keine Hitgarantie

Es gibt also eine Diskrepanz zwischen den musikalischen Trends und den Songs, die dann auch wirklich in den Charts landen: Hier eine Vielzahl an traurigen Songs, die aber nicht unbedingt gehört werden. Und eine kleinere Anzahl an heiteren Stücken, die Hitparaden dominieren.

Was genau aber einen Hit ausmacht, bleibt nicht gänzlich entschlüsselbar. Das wissen auch Komarova und ihr Team, die schreiben, dass «Erfolg schwer zu definieren und zu verallgemeinern sei». Ein tanzbarer Party-Song, gesungen von einer Frau, ist also noch nicht automatisch ein Hit. Es sei denn, der Song wird von einem Superstar gesungen: Die Erfolgsprognose wird dann gemäss der Studie wesentlich einfacher. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2018, 13:15 Uhr

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