Thierry Amsallem – Der Stille

Claude Nobs’ Partner Thierry Amsallem kümmert sich um das Erbe des Montreux Jazz Festival.

Gerngesehene Zurückhaltung: Thierry Amsallem hat sich über die Jahre das Vertrauen der Musiker verdient.

Gerngesehene Zurückhaltung: Thierry Amsallem hat sich über die Jahre das Vertrauen der Musiker verdient. Bild: PD

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Diese Tage tun Thierry Amsallem gut. In seinem Chalet Le Picotin in Caux ob Montreux kommen und gehen die Gäste wie früher. Das war, als sein Lebenspartner Claude Nobs Tag für Tag Partys abhielt, für die sich Musiker auf den Bühnen des Montreux Jazz Festival mit ihrer Musik bedankten. Während Nobs jeden Spass mitmachte und das Scheinwerferlicht liebte, blieb Amsallem still und hinter den Kulissen. Und das während 30 Jahren, in denen die beiden ihre Liebe teilten.

Bis an Weihnachten 2012, als Nobs beim Langlaufen schwer stürzte und wenige Tage später an den Folgen des Unfalls starb. Thierry Amselm erinnert sich: «Claude sprach oft vom Tod. Für die Zeit danach hatte er alles vorbereitet. Bis in letzte Details. Wir waren bereit.» Dennoch litt er lange. «Nach dem Tod von Claude ertrug ich die Stille zunächst kaum», sagt er. Dennoch zeigte er seine Trauer nicht. Selbst am Konzert zu Nobs Ehren blieb er als dessen Weggefährte unsichtbar. Dabei hätte er mit dem Publikum so viele Erinnerungen teilen können. Aber Thierry Amsallem wollte das nicht. Er sagt: «Ich bin keine Berühmtheit. Mit meiner zurückhaltenden Art habe ich zu den Musikern während Jahren ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Am meisten zufrieden bin ich, wenn sie sich wohlfühlen und auf der Bühne, ein tolles Konzert geben.»

Im Dienst der Marke Montreux Jazz

Erst nach und nach fand der 51-Jährige zurück ins Leben. Dazu gehört, dass er Nobs’ Erbe antrat: nicht als Chef des Jazzfestivals, sondern als Präsident der Claude-Nobs-Stiftung. Das ist ein Vollzeitjob. Denn der gebürtige Franzose hat den Auftrag, das Montreux-Jazz-Archiv zugänglich zu machen, es aber auch kommerziell zu nutzen im weltweiten Dienst der Marke Montreux Jazz. Er tut dies über verschiedene Kanäle: mit Wirtschafts-, Wissenschafts-, Kultur- und Bildungsprojekten. Das Archiv ist von einem enormem Reichtum. Über 5000 Stunden Konzertaufnahmen sind seit der Festivalgründung im Jahr 1967 zusammengekommen. Darunter ein Mitschnitt von Miles Davis’ allerletztem Auftritt in Montreux im Jahr 1991. Vor allem Amerikaner seien am Archiv und seiner Nutzung sehr interessiert, sagt Amsallem, weil Jazz, Blues und Rock gewissermassen zur klassischen Musik der USA gehörten. Ihm hilft dabei, dass das Archiv seit 2013 zum Welt­dokumenterbe der Unesco zählt.

Nächstes Jahr folgt eine weitere Station auf dem Weg der Zugänglichkeit. Die ETH Lausanne (EPFL) eröffnet auf ihrem Campus ein Montreux-Jazz-Café samt Aufführungssaal, in dem die Konzerte der letzten Jahrzehnte neu erlebbar sein werden. EPFL-Forscher haben dafür neue Widergabetechnologien entwickelt, die Claude Nobs vor dessen Tod präsentiert wurden, aber noch geheim gehalten werden. Thierry Amsallem sagt: «Claude hat seinen Traum verwirklicht. Jetzt ist es an mir, ihn fortzuführen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.07.2015, 04:38 Uhr

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