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Die besten Songs 2018 - Teil 1

Wir haben auf der ganzen Welt nach Liedern gefahndet, die das Jahr überdauern könnten. Das Spektrum reicht in diesem Jahr von schwerblütigen Chanson-Duetten über ägyptischen New Wave oder Funk aus Mozambique, bis zum Blues aus La Réunion und Soul aus dänischen Schlafzimmern.

Im Unglück hat sie einen der schönsten Songs des Jahres geschrieben: Kelsey Lu.
Im Unglück hat sie einen der schönsten Songs des Jahres geschrieben: Kelsey Lu.

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Zeal & Ardor: «Gravedigger’s Chant» Es ist ein Jammer: Im Zeitalter der Streaming-Dienste hat die Rockmusik dramatisch an Relevanz eingebüsst. Hip-Hop war auch 2018 der meistgehörte Musikstil. Es brauchte also gute Ideen, um die Stromgitarren in diesem Jahr ruchbar zu machen. Eine der besten stammte aus Basel. In seinem Bestreben, Gospel mit tief gestimmten Gitarren zu kreuzen, hat Manuel Gagneux mit dem «Gravedigger’s Chant» den Gipfel der Herrlichkeit erreicht. Blues im lodernden Höllenfeuer.

Ambar Lucid: «A Letter to My Younger Self» Es gab auch kleine Wunder zu feiern, im Jahr 2018: Eines davon ist gerade einmal 17-jährig, hat erst einige wenige Songs auf dem Kerbholz, den ausgewählten hat sie im heimischen Schlafzimmer einzig mit einer Ukulele aufgenommen. Der amerikanische Teenager mit mexikanischem und dominikanischem Stammbaum lässt die Ahnung aufleben, dass es irgendwo auf dieser Welt auch Hysterie-skeptische Heranwachsende gibt.

Busiswa: «Nyan Nyan» Südafrika zählt gegenwärtig zu den produktivsten Wiegen ungeläufiger Musik. Es gibt nicht viele Frauen im machoiden Musikzweig des südafrikanischen Kwaito. Busiswa ist die grossartigste unter ihnen. Die Poetin und Musikerin, die sich auch fleissig sozial engagiert, hat mit «Nyan Nyan» einen Track aufgenommen, der den Kwaito rhythmisch in eine neue Sphäre hebt. Tanzmusik, wie man sie noch nie zuvor gehört hat.

U.S. Girls: «Pearly Gates» Und die Amerikaner? Sie scheinen noch immer ganz stiefelsinnig ob der Wahl ihres verhaltensauffälligen Präsidenten zu sein. Ein relevantes Anti-Trump-Album ist allerdings auch 2018 nicht gelungen – weder Barbara Streisand, noch Eminem, der sich kürzlich sogar gefragt hat, ob seine politische Positionierung nicht ein Fehler gewesen sei. Seine Fan-Base ist nämlich auf ein Drittel zusammengeschrumpft. Die U.S. Girls befassen sich da lieber mit Betrachtungen vor dem Himmelstor. Genau genommen sind die U.S. Girls bloss ein einziges U.S. Girl, das in Kanada lebt und in seinem Wohnzimmer glücklichmachende Popmusik zusammenbosselt.

Tamino: «Habibi» Es gibt nicht viele, die den Chronisten in diesem Jahr von der Bühne herab zu Tränen gerührt haben. Der belgisch-ägyptische Finstermann mit der Vieroktavenstimme hat es geschafft. Sein pathosreiches «Habibi» hat es in Frankreich zur allgemeinen Verwunderung auf Rang 1 der Hitparaden geschafft.

Marie Davidson: «Work It» Frauenfragen wurden viele gestellt, im Jahr 2018. Braucht es eine Frauenquote an Festivals oder nicht? Ist Pop per se eine eher burschikose Sache? Ist das Geschlecht des Interpreten überhaupt ein Kriterium, ob man sich ein Stück anhört? Marie Davidson aus Montreal schert das alles nicht. Sie bastelt in Eigenregie auf ihrem leicht bejahrten Instrumentenpark Tanzboden-Tracks zusammen, die in ihrer knackigen Reduktion an die Underground-Elektro-Essays der Achtzigerjahre erinnern.

Kelsey Lu: «Shades of Blue» Nein, es ging der Sängerin und Cellistin Kelsey Lu nicht gut, als sie dieses Lied geschrieben hat, finanziell nicht, und auch das Herz war nicht froh. Zu unser aller Glück ist in diesem Dämmerzustand dieses atemberaubend schöne Stück Musik entstanden.

Selma Uamusse: «Funkier than a Mosquito’s Tweeter» Eine afrikanische Ode an Nina Simone. Wer Selma Uamusse aus Mozambique schon live erleben durfte, weiss, dass der Rest des Albums in keiner Weise den Energie-Level dieser Frau widergibt.

Meshell Ndegeocello: «Smooth Operator» Einen liebgewonnenen Popklassiker von Sade in eine 10/4-Takt-Version zu transformieren, das kann nur einer Jazzgeschulten in den Sinn kommen. Die Version der Amerikanerin ist indes von derartiger Grossartigkeit, dass man auch das kleine Stolpern im Mitwippen in Kauf nimmt.

Arctic Monkeys: «Tranquility Base Hotel & Casino» Die britischen Indie-Musikanten schauen in eine ungewisse Zukunft. Der Brexit könnte ihnen das Leben schwer machen, dazu wurde 2018 auch noch ihre Hype-Schmiede, der «New Musical Express», eingestellt. Die weltweite Meinungsmacht ist dahin, dementsprechend rar waren 2018 die neuen Shooting-Stars von der Insel. Es galt also auf alte Helden zurückgreifen: Zum Beispiel auf die Band, die auf ihrem bisherigen Werdegang schleichend vom Soul übermannt worden ist: Die Arctic Monkeys sind mit ihrem neuesten Album endgültig von der Indierock-Band zur croonenden Goldkanten-Kapelle arriviert. Wunderbar.

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