Die besten Songs 2018 - Teil 4

Wir haben auf der ganzen Welt nach Liedern gefahndet, die das Jahr überdauern könnten. Das Spektrum reicht in diesem Jahr von schwerblütigen Chanson-Duetten über ägyptischen New Wave oder Funk aus Mozambique, bis zum Blues aus La Réunion und Soul aus einem dänischen Schlafzimmer.

Er schreibt Lieder aus Zuckerwatte: Tristan Brusch.

Er schreibt Lieder aus Zuckerwatte: Tristan Brusch.

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Charles Bradley: «I Feel a Change» Im Nachhinein klingt dieser Titel wie eine Todesahnung. Doch bei genauer Betrachtung handelt es sich doch bloss um einen brünstigen, himmeltraurigschönen Liebes-Song. Der spätberufene Soul-Sänger starb im September 2017 an Krebs, kürzlich ist sein viertes und letztes Album erschienen, mit Songs, die es aus unerfindlichen Gründen nie auf einen Tonträger geschafft haben.

Sade: «Flower of the Universe» Ihr Output ist mager wie ein Hungerkünstler. Doch was immer sie tut, ist von erlesener Schönheit. Da ist es auch egal, wenn die Pop-Oma mal ein bisschen auf die Kitschdrüse drückt. «Flower of the Universe» ist Sades Beitrag zum ebenfalls nicht gerade unkitschigen Disney-Streifen «A Wrinkle in Time». Trotzdem schön.

Fantastic Negrito: «The Duffler – Acoustic» Er verkaufte in Oakland Crack und Waffen, die Lebensbahn dieses Tunichtguts schien steil nach unten zu neigen. Bis er Princes Album «Dirty Mind» hörte und sich vornahm, ebenfalls Musiker zu werden. Anfang der Neunziger wurde Fantastic Negrito vom damaligen Prince-Manager unter Vertrag genommen und produziert seither eine eher abgetakelte Form der funkigen Soulmusik.

Leyya: «Zoo» Ja, die Österreicher. Noch vor Jahren waren die musikalischen Beiträge des Alpenlandes international absolut irrelevant. Innert kürzester Zeit ist da ein vollkommen berechtigtes Selbstbewusstsein herangewachsen. Leyya aus Wien sind ein sehr gutes Beispiel dafür. Während die nominellen Helden des Austro-Pops – Bilderbuch und Wanda – ordentlich schwächeln, fabriziert Leyya locker und leicht geschlagene Popmusik und klingt auf diesem Stück wie eine Feist mit guter Laune.

Eliozie: «Stampede» Dafür, dass Hip-Hop das beliebteste Genre der Moderne ist, hat sich die Szene 2018 an Originalität nicht gerade überboten. Vieles wurde im Copy/Paste-Verfahren produziert. Eine hübsche Ausnahme bilden die düster-groovenden Wort- und Musikbeiträge von Eliozie, von dem praktisch nichts bekannt ist, und der sich auf den sozialen Medien derart zurückhaltend gibt, dass seine Portale von den Betreibern regelmässig wegen Inaktivität überprüft werden müssen.

Tristan Brusch: «Zuckerwatte» In Deutschland scheint sich gerade ein unguter, auf Pathos und gefühligem Zusammengehörigkeitsgefühl fussender General-Sound zu etablieren. Wie schön, dass daneben noch charmante Lumpenlieder koexistieren, wie diese aparte Liebesaufforderung eines bisher kaum beachteten Herrn aus Berlin.

De Staat: «Kitty Kitty» Der einnehmendste Rocksong des Jahres kommt aus Holland. Wer diese Gruppe aus Nijmegen noch nicht auf dem Radar hatte, der sollte das schleunigst tun. «Kitty Kitty» ist ein musikalisches Grossereignis aus der Forschungsabteilung des Rock.

Sophie Hunger: «There Is Still Pain Left» Forschung hat auch Sophie Hunger betrieben. Die in Berlin lebende Bernerin hat ihren Sound elektronisch aufgeladen und rein gar nichts von ihrem Zauber eingebüsst. Im Gegenteil. Ihr neues Album ist wahrscheinlich das stimmigste ihrer ganzen Karriere.

Sie wurde für ihren musikalischen Mut belohnt: Sophie Hunger hatte ein gutes 2018.

Reverend Beat-Man And The New Wave: «I’m Not Gonna Tell You» Ein weiteres Kind der Stadt Bern, das fleissig die Welt erobert: Beat-Man hat dieser Welt 2018 ein Rock’n’Roll-Album entgegengeschleudert, das nicht nur herrlich primitiv, sondern auch wunderbar brünstig ist.

Safia Nolin: «Miroir» Sie hat sich sowohl das Singen wie das Gitarrenspiel selber beigebracht – dementsprechend unorthodox klingen ihre musikalischen Vorstösse. Safia Nolin aus Québec ist eine der abgründigsten und einnehmendsten Vertreterinnen des neuen Chansons.


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Erstellt: 31.12.2018, 02:21 Uhr

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