Die besten Songs 2019 – Teil 3

Wir haben die Welt nach Liedern abgetastet, die das Jahr überdauern könnten. Die Liste 2019 ist erstaunlich schwerblütig ausgefallen und reicht von der kubanischen Elektroballade bis zu österreichischer Dub-Musik.

Die brasilianische Sängerin Cibelle hat sich 2019 mit einem finalen Song desillusioniert aus der Musikwelt verabschiedet.

Die brasilianische Sängerin Cibelle hat sich 2019 mit einem finalen Song desillusioniert aus der Musikwelt verabschiedet. Bild: zvg

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Matthew Halsall: «Loving Kindness»
Jazz ist der neue Punk, hat man 2019 öfter munkeln gehört. Auf einmal interessierten sich Menschen für die improvisierte Musik, die früher allein der Anblick eines Blechblasinstruments in die Flucht geschlagen hat. Der Jazz hat ein reichlich bewegtes Jahr erlebt, wurden doch bisher verschollene Aufnahmen von Miles Davis und John Coltrane veröffentlicht. Einer, der den musikalischen Geist von Coltrane seit einiger Zeit äusserst würdevoll neu belebt, ist der englische Trompeter Matthew Halsall, der mit dem Album «Oneness» ein Meisterwerk des spirituell angehauchten Jazz gelungen ist.

Jimi Tenor: «Vocalize My Luv»
Einst mit Schimpf und Schande von der Jazzschule in Lahti geflogen ist der gute alte Jimi Tenor, weil er nicht müde wurde, dem Jazz-Traditionalismus die Stirn zu bieten und irgendwann im Milieu der westlichen Tanzbodenmusik landete. Doch auch dort verharrte er nicht lange, gründete mit dem Afrobeat-Miterfinder Tony Allen eine Band, und ist nun – nach Ausflügen in den Dub und den psychedelischen Big-Band-Jazz – wieder in Afrika gelandet.

James Blake feat. Rosalia: «Barefoot in the Park»
Eines der schönsten Alben des Jahres erschien bereits im Januar. Der Elektrofrickler James Blake rief dafür musikalische Helfer wie Moses Sumney oder André 3000 zu Hilfe. Doch am schönsten gelungen ist ihm das Duett mit der Flamenco-Revoluzzerin Rosalia.

J.S. Ondara: «Master O’Connor»
Es gibt eine neue Stimme im weiten Felde der Folkmusik. Sie gehört dem in Nairobi geborenen, heute in Minneapolis lebenden J.S. Ondara, und sie klingt so glockenklar, dass beim blossen Hinhören nicht klar wird, ob da wirklich ein männlich Wesen hinter dem Mikrofon steht. Begonnen hat die Karriere des 26-Jährigen mit einer verlorenen Wette. Der kenianische Teenager war überzeugt, dass «Knockin’ on Heaven’s Door» von seiner Lieblingsband Guns N’ Roses stammt. Als er eines Besseren belehrt wurde, begann er sich vertieft mit den Singer-Songwritern Amerikas auseinanderzusetzen und verfolgte bald den Traum, in ebendiesem Amerika eine eigene Platte einzuspielen. Et voilà!

Sho Madjozi: «John Cena»
Im südafrikanischen Club-Genre Gqom sind die Frauen dabei, die Herrschaft zu übernehmen. Neben der allgegenwärtigen und umwerfenden Busiswa ist Sho Madjozi zu einer der interessantesten Stimmen des Genres arriviert.

Daniel Haaksman feat. Cibelle: «Corpo Sujeito»
Immer mehr Musikschaffende entschliessen sich, dem Medium Musik enttäuscht und desillusioniert den Rücken zu kehren. Zu gross der Aufwand, ständig im Sendemodus zu sein, zu klein die Meriten, die man als unabhängiger Künstler realistischerweise erreichen kann. Eine, die mit der Musik gebrochen und sich der Kunst zugewandt hat, ist die brasilianische Sängerin Cibelle. Der Produzent Daniel Haaksman, der einst den Baile Funk nach Europa brachte, hat sie in Berlin aufgespürt und ein letztes Lied mit ihr eingespielt. Wir werden die Frau vermissen.

Le Villejuif Underground: «John Frobes»
In Frankreich wurde Le Villejuif Underground kürzlich mit dem ehrenwerten Titel «coolste Band 2019» geadelt. Das ist durchaus nachvollziehbar. Ebenso nachvollziehbar ist, dass der Name der Band jenem von The Velvet Underground nachempfunden ist – es scheint eine offensichtliche Affinität zum Protopunk der Siebziger zu bestehen. Und der Sänger klingt wie ein Lou Reed auf bewusstseinserweiternden Rauschgiftsubstanzen.

Billie Eilish: «Listen Before I Go»
Niemand kam 2019 an der Milliardensellerin aus Los Angeles vorbei. Ihr Debütalbum ist ein Meisterwerk der blauen Noten, traurig, dass die Schlosshunde heulen, und doch blitzen da immer wieder auch produktionstechnische Pfiffigkeiten auf. Soll man sich Sorgen machen, wenn solche Musik aus dem Kinderzimmer seiner Schutzbefohlenen klingt? Nein, man soll sich still freuen.

Jungstötter: «Wound Wrapped in Song»
Fabian Altstötter zählt 27 Jahre, kommt aus dem popmusikalisch bisher eher unauffällig gebliebenen deutschen Städtchen Landau und hat unter dem Decknamen Jungstötter im Januar eines der zartesten, traurigsten und aufwühlendsten Balladenalben des Jahres in die Welt gesetzt. «Love Is» heisst es, und die Liebe, die da besungen wird, ist zwar durchaus romantisch besetzt, doch es wird keineswegs ausser Acht gelassen, dass diese Liebe auch des Menschen Selbsttötungsursache Nummer eins darstellt.

Raashan Ahmad: «No»
Auf die Idee, Hip-Hop, Calypso und Free Jazz in einen Song zu pferchen ist der amerikanische Rapper Raashan Ahmad gekommen. Und die Idee ist wirklich gut.


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Erstellt: 31.12.2019, 07:04 Uhr

Die Songs auf Spotify

Diese und weitere 500 sorgfältig ausgewählte Songs des Jahres 2019 haben wir auf einer Spotify-Liste zusammengefasst. Sie wird auch 2020 laufend mit Neuentdeckungen ergänzt.

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