Die besten Songs des 21. Jahrhunderts

Der Aufstieg von Rap und Spotify prägten die Pop-Musik der letzten Jahre. Aber das war nicht alles – hier sind unsere 20 herausragenden Songs.

Erst der Triumph, dann der Absturz: Amy Winehouse landete 2006 mit «Back to Black» einen Hitalbum, 2011 starb die Britin. Foto: Jim Dyson (Getty Images)

Erst der Triumph, dann der Absturz: Amy Winehouse landete 2006 mit «Back to Black» einen Hitalbum, 2011 starb die Britin. Foto: Jim Dyson (Getty Images)

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Das Pop-Album lebt auch im 21. Jahrhundert, keine Frage. Doch es wurde entbündelt, dank Napster und Spotify, dank iPod und iPhone. Deshalb stehen hier nun nicht die besten Alben des Jahrhunderts (wenn man diese Liste machen würde, würden hier auch andere Musikerinnen und Künstler aufgelistet), sondern die Songs einer disruptiven Ära, in der Rap zum Sound des Mainstreams wurde.

20. Sandro Perri: «In Another Life» (2018)
Was kann ein Song in Zeiten der Playlist? Nun, er kann 24 Minuten und 21 Sekunden dauern, wie dieses Pop-Mantra des kanadischen Musikers Sandro Perri, in dem man sich verlieren kann. Und das doch Zeit schenkt, bis man sich am Schluss auf dem Dancefloor befindet.

19. Lil Nas X: «Old Town Road» (2018)
Radikal verknappt: So klingt dieser erste Country-Rap-Welthit des 20-jährigen Lil Nas X, der es via die chinesische App Tiktok bis nach ganz oben in die Charts schaffte. Ein Song, der für die Zukunft des Pop stehen könnte. Zum Hintergrundartikel.

18. Rihanna: «Work» (2016)
Alles nur retro im Mainstreampop? So ist es ja ganz und gar nicht. Denn fast unerhört frisch klingt Rihannas anschmiegsamer Dancehall-Track noch immer, in dem Drake zum Duett-Partner degradiert wird. Zum Porträt des Popstars.

17. Holly Herndon: «Eternal» (2019)
Ja, das ist Konzeptmusik, eine, die nicht Ekstase hervorrufen möchte – da hat der Poptheoretiker Simon Reynolds in seinem Aufsatz «Conceptronica» schon recht. Wobei: Wie Holly Herndon in diesem Track künstliche Intelligenz, grenzenverschiebende Beats und archaische Gesänge zusammenbringt, das ist schlicht: überwältigend. Und man hofft, dass diese Produktion auch in den Hitfabriken Spuren hinterlassen wird. Zur Kritik.

16. Baze: «Ender weniger» (2006)
Was ist möglich in der Popsprache Berndeutsch, zumal abseits des Mundartrocks? Sehr viel, wie etwa Baze in seinen Raptracks zeigt. Auch wenn nun einige sagen werden: «Sorry, ender weniger.»

15. Stahlberger: «Heimat» (2011)
Wir bleiben in der Schweiz, in der die Heimat und die Heimattümelei die grossen Liedthemen waren. Man konnte die Swissness aber auch einfach verabschieden, so, wie dies Manuel Stahlberger und seine Band 2011 machten: «Du seisch Heimat isch e grosses Wort/ Isch Heimat e Gfühl?/ Oder isch es echt en Ort?» Der Schwindel dieser lapidar hingesungenen Zeilen hält an. Zur Kritik des dazugehörenden Albums «Abghenkt».

14. Jessy Lanza: «It Means I Love You» (2016)
Das Label Hyperdub setzt seit 15 Jahren neue Massstäbe in der elektronischen Musik – etwa mit den Veröffentlichungen des mysteriösen Burial. Es gab aber auch Raum für Popartistinnen wie Jessy Lanza, die auf dieser Jahrzehntsingle mit einem Sample eines südafrikanischen Predigers arbeitet – und die Chicagoer Footwork-Szene mitdenkt.

13. Big Zis: «Wott nur tanze» (2005)
«Let's Dance» auf Züritüütsch, weil die Rapperin Big Zis – wie das dazugehörige Album «Dörf alles» auch heisst – alles darf. Und mit diesem Track vor allem eines macht: Lostanzen.

12. Kanye West: «Monster» (2010)
Wer ist hier das Monster, Bon Iver, Rick Ross, Jay-Z, die alle zu hören sind, oder doch Kanye West, dieser manische Netzwerker auf der Höhe seiner Zeit? Nein, es ist Nicki Minaj, die in ihrer Strophe alle aussticht. Denn das Rapmonster ist (nicht nur hier) eine Frau.

11. Tame Impala: «Let It Happen» (2015)
Es waren auch Jahre der Entfesselung im Pop, und eine Rückkehr der Psychedelik, vor allem auch dank Bands wie dem Animal Collective. Aber die Sehnsucht nach der Weltflucht hat kein Song besser eingekapselt als Kevin Parkers «Let It Happen», der hier singt: «And if I never come back // Tell my mother I'm sorry».

10. Ja, Panik: «Libertatia» (2014)
Neue Utopien, gegen den Nationalismus und gegen den Stillstand und die Hoffnungslosigkeit: Dies formulierte die österreichische Gruppe Ja, Panik in diesem hymnischen Song. Dieser schliesst: «One world. One Love. Libertatia». Zum Porträt von Ja, Panik-Sänger Andreas Spechtl.

9. Missy Elliott: «Get Ur Freak On» (2001)
Als Missy Elliott im Sommer 2019 den MTV Video Music Award für ihr Lebenswerk erhalten hat, erhielt sie endlich den Ruhm, der ihr als Hip-Hop-Avantgardistin schon länger zugestanden hätte. Wie sehr Missy Elliott den Rap katalysiert hat: Man hört es auch an dieser formensprengenden Produktion.

8. The White Stripes: «Seven Nation Army» (2003)
Die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts waren die Jahre der Gitarre mit all den «The»-Bands. Fast alle hat man vergessen, doch auch dank den Fussballstadien dieser Welt ist das Monsterriff von Jack White im kollektiven Gedächtnis geblieben. Vielleicht liegts ja auch am messerscharf-primitiven Drumming der brillanten Meg White.

7. Amy Winehouse: «Tears Dry on Their Own» (2006)
Die Rehab nützte traurigerweise nichts, und so musste man schon nachhelfen mit dem Tränentrocknen, als Amy Winehouse im Sommer 2011 gestorben ist. Was zurückbleibt, ist beispielsweise ein Song wie «Tears Dry on Their Own», der über alles private Elend triumphiert.

6. Kendrick Lamar: «Alright» (2015)
Party- und Protestsong: «Alright» aus Kendrick Lamars Grosswerk «To Pimp a Butterfly» ist beides, und gibt bei aller Wut auf die rassistische Polizeigewalt in den USA die Hoffnung nie auf. «We gon' be alright», rappt der Mann aus Compton, und jene, die betroffen sind, rappen mit.

5. Jeans for Jesus: «Wosch no chli blibä» (2017)
Betest du? Magst du die Polizei? Und wann hattest du zum letzten Mal Sex? Das darf man doch mal alles fragen, auch in berndeutscher Sprache in einem Synth-Pop-Lied. Wo diese Fragen aber hinführen? Nun, in das ewige Popversprechen namens Freiheit – wenn man denn überhaupt eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten hat.

4. Kylie Minogue: «Can’t Get You Out of My Head» (2001)
Als die Welt noch weniger kompliziert war, veröffentlichte Kylie Minogue den verlockendsten Popsong des Jahrhunderts. Ein perfekter Song, den man nicht mehr aus dem Kopf bringt. «La la la la la la la la» ...

3. Beyoncé: «Formation» (2016)
Zu Beginn des Jahrtausends war Beyoncé Knowles noch Mitglied von Destiny's Child. Welch weiten Weg sie zurückgelegt hat, das ist auch an «Formation» zu hören, einem der Schlüsselstücke ihres Selbstermächtigung-Albums «Lemonade». Und sie, die schwarze Frau, haut hier ihren Hatern auch gleich ihr Arbeitsethos um die Ohren, wenn sie singt: «I dream it, I work hard, I grind 'til I own it».

2. M.I.A.: «Paper Planes» (2007)
Bevor der Gunshot zum Soundgimmick von allen Möchtegern-Gangstern wurde, klang er so explosiv wie bei Mathangi Arulpragasam, die die bequemen westlichen Pop-Koordinaten nicht nur mit ihren Provokationen sprengte. Natürlich: Man hört dank dem Sample in diesem Song auch The Clash, man kann zu diesem Song der britisch-tamilischen Musikerin auch tanzen. Was man vor allem hört, ist eine Welt, die ein unwirtlicher Ort ist. Zumal dann, wenn man nicht über die «richtigen» Papiere verfügt.

1. Frank Ocean: «Bad Religion» (2012)
Der Therapeut ist ein Taxifahrer. Er hört hier die Geschichte einer unerwiderten Liebe, die Frank Ocean ihm vom Rücksitz aus erzählt. Doch beten? Nein, das will dieser so freie Sänger, der einst Teil des Rap-Stunt-Kollektivs Odd Future war und hier diese visionäre Soulnummer singt, nicht – trotz der Kirchenorgel. Zur Kritik.

Diese Auswahl und ihre Reihenfolge ist natürlich subjektiv. Welche Songs hätten Sie gewählt? Bitte unten eintragen.


Hier finden Sie alle unsere Top 20

Erstellt: 27.11.2019, 17:08 Uhr

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