Die Charts des Bösen

Chinas Regime veröffentlichte letztes Jahr eine schwarze Liste mit gefährlicher Musik. Auf Platz 1 bis 17: das Hip-Hop-Duo IN3. Über das Ende einer rebellischen Band.

Laut Partei eine Gefahr für die chinesische Moral (v. l.): Chen Haoran und Jia Wei von IN3, hier noch mit dem ehemaligen Bandmitglied Meng Guodong. Foto: Wing Shya

Laut Partei eine Gefahr für die chinesische Moral (v. l.): Chen Haoran und Jia Wei von IN3, hier noch mit dem ehemaligen Bandmitglied Meng Guodong. Foto: Wing Shya

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Schau mich an, sagt der Kurzgeschorene auf der rechten Seite des Tisches: «Ich bin ein junger Chinese, aber mein Herz ist wahrscheinlich älter als deins.» «Sag mir», sagt der zur Linken, noch ­kürzere Haare, «was soll einer machen, wenn er lebt an einem Ort, an dem sie die Lüge Wahrheit nennen?» Der eine stochert in der geschmorten Aubergine. Der andere legt den Arm um das Mädchen an seiner Seite. Schön ist es, unfassbar zierlich, schaut stumm und ernst. Oben im Club warten ein paar Hundert Leute, Backstage eine Flasche Whiskey und ein paar Runden Gras.

Da hat die Nacht noch nicht begonnen. Es wird ihre letzte gemeinsame sein, aber das wissen sie in dem Augenblick noch nicht.

Chen Haoran, 31 Jahre alt. Jia Wei, 28. Geboren in Peking, Peking in jeder Faser, Peking in jedem Vers. Musiker. Rapper. Voller Leben, voller Zorn, voller Fragen. Was also soll einer tun, wenn alle anderen sich ducken und dumm stellen, ihr Leben lang? Wenn ein jeder nur auf seinen Vorteil schaut? Wenn die Mädchen dich taxieren, deinen Kontostand ausrechnen vor dem ersten Kuss? Wo soll er hin mit seiner Jugend, seiner Hoffnung, seinem Zorn? Durchdrehen und gegen die Wand springen wie der tollwütige Hund, den sie besingen in ihrem Lied «Mir doch egal»?

«Wir hatten Glück», sagt Chen Haoran, der Ältere. «Wir hatten die Musik.» Bob Marley. The Clash. Tupac Shakur. Mahler. Schumann. Mozart.

«Wir werden immer aufbegehren»

«Du kommst aus München?» Chen Haoran, Rastafari im Herzen, Rapper bei Nacht, wirft die Stäbchen hin, krempelt die Ärmel seines Kapuzenpullis hoch. Er stemmt die Unterarme auf den Tisch, sie sind komplett bedeckt von zwei Tattoos, oder vielmehr: von den zwei Hälften eines Tattoos. Links der obere, rechts der untere Teil einer Klarinette. «Eine Bassklarinette», sagt Chen, dann setzt er an – «bambarambam bambam» – zum Lauf auf seinem Instrument, die Finger seiner rechten Hand fliegen über den linken Unterarm, die der linken über den rechten. Als er seine Augen wieder öffnet, leuchten sie. «Richard Strauss», sagt Chen. «Rosenkavalier.» Für sein Konto beim Nachrichtendienst Wechat hat er sich ein Pseudonym zugelegt: Wu er fu gang. Wolfgang. Wie: Wolfgang Amadeus Mozart.

IN3 macht immer weiter / Mir doch egal / was die anderen sagen / Mir doch egal / Alle drehen wir durch / Dafür habt ihr gesorgt

Sie waren 18 und 21, als sie sich kennen lernten, so lange schon rappen sie zusammen, anfangs waren sie zu dritt, deshalb der Name: IN3. «Wir können nicht anders», sagt Jia Wei, der drei Jahre Jüngere. «Wir werden aufbegehren. Immer.» Sie haben sich gerettet in die Musik. Die Kunst wenigstens, sie lehre einen das Gute und Schöne, sagt Chen. «Sie lehrt dich die Liebe.» «Pah», sagt Jia. «Kunst.» Fast spuckt er das Wort aus. Die beiden Männer sind unruhig, unsicher, was geschehen wird. Heute Abend. Morgen. Nächste Woche.

So klingen IN3. Quelle: Youtube

Es ist ein erstes Treffen, ein Abend im Spätsommer 2015. Am Rand des Reiches, in Kunming. Hier ist man schneller in Laos als in Peking. Genau 2012 Kilometer Luftlinie liegen zwischen dem Sitz des Kulturministeriums in Peking und dem Camel Club in Kunming, wo sie einem anständige Pizza servieren und mit etwas Glück ein Konzert, das man so schnell nicht wieder vergisst. Wie konnte das eigentlich klappen, ausgerechnet IN3, ausgerechnet heute Abend hier auf der Bühne? «Wieso denn nicht?», sagt der Veranstalter: «China ist doch ein freies Land.» Er grinst seine Nervosität weg.

Im Club die Menschen dicht an dicht. Als die Beats einsetzen, beginnt die Menge zu pulsieren. «Hello Kunming!», ruft Chen. Grölen. «Wer geht noch zur Schule?» Ein paar Dutzend Hände schnellen in die Luft. «Wer scheisst auf so eine ­Erziehung?» Gejohle. Fast jeder hat die Hand nun oben. «Wer lebt lieber nach seinen eigenen Regeln?» Der Raum antwortet mit einer Stimme: «WIR!» Chen grinst, deutet mit dem Zeigefinger auf die Menge, ruft über die ersten Takte des nun einsetzenden Songs: «Weil ihr die klugen Kinder seid!»

«Fuck them!» – an Konzerten brüllt sich die Jugend den Frust aus dem Leib. Foto: Romain Degoul (REA, Laif)

Die Leute jubeln. «Guten Tag, Herr Lehrer.» Sie singen das Lied mit, jedes Wort, über den Lehrer, der seine Schüler züchtigt und demütigt, der von ihren Familien Geschenke und Geldumschläge einsammelt. «Du willst meinen Respekt? / Respektier du erst mal die anderen!», singen sie im Chor. «Hau ab und fick dich!», singen, nein, brüllen sie. Sie singen und sie tanzen und sie schreien raus, was tief in ihnen sitzt. So geht das weiter, Song für Song. «Und was machen wir mit denen, die uns die Stimmung vermiesen wollen?», fragen die Sänger an einer Stelle. «Fuck them!» Am Ende reckt Chen Haoran die Faust mit dem Mikrofon in die Luft. «Freiheit», ruft er. «Freiheit! Freiheit! Freiheit!»

Ein bemerkenswerter Abend. Weil garantiert jeder im Raum wenigstens einmal an die dachte, die ihnen die Stimmung vermiesen wollen. Die Kulturbürokraten. Die Zensoren der Partei. Drei Wochen vor dem Konzert in Kunming hatten sie ihre Liste verlesen lassen, in den Morgennachrichten des Staatsfernsehens. Die Liste mit den verbotenen Liedern. Verboten, weil sie «Obszönität, Gewalt und Verbrechen verherrlichen» und «die gesellschaftliche Moral gefährden». Chen Haorans Vater sass zu Hause vor dem Fernseher, als die Sprecherin feierlich das Edikt verlas, wonach man die 120 verwerflichsten Lieder aus dem Radio, aus dem Internet und aus den Karaokebars werfen werde. Er rief seinen Sohn an: «Seid ihr da dabei?», fragte er.

Plötzlich war da die grosse Angst

Und ob sie das waren. Ganz vorne. Platz eins von 120 für IN3. Und Platz zwei. Und Platz drei. Platz vier. Fünf. Sechs. Und so weiter. Platz 1 bis 17 auf Pekings Charts des Bösen. Rekordhalter. Bis zum 10. August 2015 waren Chen Haoran und Jia Wei zwei schlaksige, eigensinnige Jungs mit einem scharfen Auge und einer Portion Zorn im Bauch. Seit jenem Tag sind sie offiziell eine Gefahr für die chinesische Gesellschaft. Eine Hip-Hop-Band, die seit Jahren Kult war, aber dabei doch immer mehr Untergrund als Verführerin der Massen.

Was dachten sie selbst, als sie davon hörten? «Wir waren stolz», sagt Chen. «Bestimmt haben ihre Kinder unsere Musik gehört. Sie hören aus deren Mund unsere Worte: Das Leben, das ihr da für uns geplant habt, das ist Bullshit!» Jia nickt, dann sagt er: «Wir dachten: Scheisse. Dass sie uns Rüpel und Flegel nennen, das sind wir seit zehn Jahren gewohnt. Aber mit einem Mal sollen wir Verbrecher sein?» Ihre Lieder zu obszön? «Bullshit», sagen beide. Sie schreiben richtige Texte mit Saft und Dornen, beissende Kommentare auf das Leben und wie es einem mitspielt im rauen, grauen Peking.

Chen ist sich sicher: «Nicht die Schimpfwörter in unseren Texten machen den Zensoren Angst – ­sondern alles andere drum herum.» Bislang war da vor allem Aufmüpfigkeit. Nun ist da mit einem Mal auch Angst.

Egal, wer sich uns als Feind entgegenstellt / Wir wurden als Rebellen geboren.

In verrauchten Kellerclubs singt sich das leicht. Aber im Zielfernrohr der Kommunistischen Partei Chinas?

Gehorsam als Staatsprinzip: Soldaten am Tor des Himmlischen Friedens. Foto: How Hwee Young (EPA, Keystone)

Ein paar Augenblicke vor dem Auftritt im Camel Club. Der erste Auftritt, seitdem ihre 17 besten Lieder verboten wurden. Jia Wei sagt, er schreibe an einem neuen Song. «Den Titel hab ich schon.» Nämlich? «Lied Nummer 18.» Er grinst, wirft sich ein Handtuch über die Schulter, läuft hinaus, hinter Chen auf die Bühne. «Hello Kunming!» Jubel. Sie stimmen den ersten Song an. Noch grösserer Jubel. «Guten Tag, Herr Lehrer.» Die Nummer eins auf der schwarzen Liste. Jia Wei und Chen Haoran kommen aus Pekinger Arbeiterfamilien. Sie erlebten eine ähnliche Jugend. Den aberwitzigen Drill in Chinas Schulen vor allem. «Wo sie versuchen, dich dumm zu machen.» (Jia) «Wo sie nur ein Ziel haben: dir Gehorsam einzubläuen.» (Chen)

Sie gingen dann unterschiedliche Wege. Jia warf als Teenager die Schule hin. Chen durchlief eine Schulkarriere, wie chinesische Eltern sie sich für ihre Kinder erträumen: Nach dem Gymnasium ging er aufs Konservatorium, studierte klassische Musik, Bassklarinette. Chens Vater war besonders stolz. «Er war einst ein Bad Boy», sagt Chen. Weil er die Violine liebte. Der 1954 geborene Vater hörte als Jugendlicher heimlich Tschaikowsky und Brahms, brachte sich selbst das Geigenspiel bei, in einem versteckten Bunker – während der Kulturrevolution, als Leute für eine Mozart-Platte ins Arbeitslager wanderten. Später durfte er revolutionäre Modellopern spielen: «Das rote Frauenbataillon». Noch später hatte die Regierung eine Arbeit für ihn: Fräser. Er arbeitete bald bis zur Erschöpfung, die Hände wurden grob und ledrig, da war nichts mehr mit Geigenspiel.

Hip-Hop von der KP

Auf eine Art war Rap in Peking schon immer daheim. Das chinesische Wort für Rap ist shuo chang, aber das hat sich der aus den USA eingewanderte Hip-Hop bloss geliehen von jenem rhythmischen Sprechgesang, den Pekings Kamel- und Maultiertreiber schon vor Jahrhunderten pflegten und der in Pekinger Kabarettstückchen bis heute zu Hause ist. IN3 borgen von beiden Traditionen, sie sangen stets über ihr Leben und ihre Stadt. Eine Stadt, die sie lieben. Ihr Song «Peking heisst dich wieder willkommen» wurde 2008 bei Pekings Jugend zur inoffiziellen Olympiahymne. Selbst das Staatsradio spielte sie damals, ausnahmsweise. Ansonsten ersangen sie sich zwar eine treue Fangemeinde, aber der Weg in den Mainstream, zu Ruhm und Geld blieb verschlossen.

Die Zensur verbot ihre Alben, dann begann die Pekinger Polizei, Clubbesitzer zu schikanieren, die IN3 eine Bühne gaben. «In den USA wären wir wohl reich geworden, hätten unser eigenes Label», sagt Chen Haoran. «Hier leben wir bis heute von der Hand in den Mund. Mit dem Unterschied, dass ich heute eine kleine Tochter habe und mir überlegen muss, wie ich das viele Geld zusammenkratze, das der Kindergarten als Aufnahmegebühr möchte.» Um seine Familie zu ernähren, spielte Chen all die Jahre nebenher Klarinette in Pekings grossen Orchestern.

Dabei rappt die KP seit neuestem selbst. Vor ein paar Wochen erst brachte die Nachrichtenagentur Xinhua einen Hip-Hop-Song auf den Markt, den sie «Die Vier Umfassenden» betitelte. So nämlich hat der Propagandasprech Parteichef Xi Jinpings politische Vision getauft. «Der Rechtsstaat ist die Garantie», rappen ein niedlicher Zeichentrickopa und seine Enkelin da, «der Parteiaufbau der Schlüssel!» Es gab schon einen Vorläufer im letzten Jahr, nämlich den ebenfalls gerappten Song «Schauen wir uns die Leitungsgruppe zur Vertiefung der Reform an», in dem Xi Jinpings Stimme («Ein abgeschossener Pfeil kehrt nie zurück!») abwechselt mit Versen wie «Wir gründen die Asiatische Infrastrukturbank und beschleunigen den Aufbau der Infrastruktur». Dass die Zielgruppe – Chinas Jugendliche – wirklich beeindruckt war, darf man bezweifeln. Zumal das Klima seit Xis Machtantritt 2012 rauer wird. Zensur und Propaganda sind wieder allmächtig, den Kulturschaffenden befiehlt Xi, dass sie wieder «dem Volk» und «dem Sozialismus dienen».

Dem Volk dienen. IN3 finden schon, dass sie das tun. Sie schauen ihm aufs Maul. Sie blicken um sich herum, und wenn sie schwarzsehen, dann rufen sie «Schwarz!», während andere «Gold!» säuseln. Deshalb sind sie auf der Liste gelandet. Die letzten Jahre hat der Apparat sie geduldet oder einfach ignoriert. Sie richteten sich ein in einer der vielen Nischen, die Chinas Gesellschaft der Politik im Verlauf der letzten Jahrzehnte abgerungen hat. Aber die lässigeren Zeiten sind vorbei. Parteichef Xi merzt gerade die Freiräume aus. Die Kunst, diktiert er, habe nur mehr eine Daseinsberechtigung, wenn sie «positive Energie» ausstrahle. Und so wurde jene Sommernacht in Kunming zur letzten für IN3. Am Tag darauf stiegen Jia Wei und Chen Haoran in den Flieger zurück nach Peking. Nach der Landung blieb das Flugzeug auf der Landebahn stehen. Komisch, dachte Chen. Die Türe schwang auf. Ein halbes Dutzend Polizisten stürmte ins Flugzeug. «Keiner bewegt sich!» Sie identifizierten Jia und Chen. Die Polizisten stülpten beiden einen schwarzen Sack über den Kopf, drehten ihre Hände auf den Rücken, legten ihnen Handschellen an und führten sie ab: «Sie sind verhaftet wegen Drogenkonsums.»

«Alles fällt auseinander»

In der Polizeiwache mussten sie mit dem Gesicht zur Wand stehen, noch immer den Sack überm Kopf. Viele Stunden, ohne Essen, ohne Wasser, ohne auf die Toilette zu dürfen. Die Beamten wussten, dass die beiden Gras geraucht hatten. Aber ging es wirklich darum? Während die beiden in der Zelle sassen, feierte sich die KP draussen mit der grössten Militärparade in der Geschichte der Volksrepublik. Und beim Verhör fragten die Beamten unvermittelt nach dem Lied «Guten Tag, Herr Lehrer» und danach, ob die beiden denn den Song wieder gespielt hätten. «Ich fühlte Hass, grossen Hass», sagt Chen. «Aber irgendwann dachte ich: Wer seid ihr? Kennt ihr Schumann, kennt ihr Brahms, kennt ihr die Welt? Nichts seid ihr. Nichts.»

Nach einer Woche liess man sie wieder frei. Seither ist nichts wie zuvor. «Alles fällt auseinander», sagt Chen Haoran bei einem Treffen vor ein paar Wochen. Er empfängt in seiner Wohnung im Süden Pekings. Drei Zimmer, der eine Raum ist voller Klarinetten, 40 Stück. Ein paar Terrarien mit Schildkröten. Chen lehnt an der Wand, neben sich eine Gitarre, vor sich ein Marshall-Verstärker, ein Schlagzeug, mehrere Computer. «Ich verbringe fast alle meine Zeit hier drin», sagt er «Draussen ist es mir zu chaotisch.» Chen bereitet sich gerade vor auf ein Konzert mit dem Symphonieorchester in Pekings Nationaltheater. Jenem modernistischen silbernen Ei beim Platz des Himmlischen Friedens, das der ehemalige Präsident Jiang Zemin hatte bauen lassen, als Beweis der neuen Weltgeltung, aber auch der Offenheit Chinas.

Laut Partei eine Gefahr für die chinesische Moral (v. l.): Chen Haoran und Jia Wei von IN3, hier noch mit dem ehemaligen Bandmitglied Meng Guodong. Foto: Wing Shya

Auf dem Notenpult ein Blatt: «Der Rosenkavalier». Zu spielen «con molto agitato». Chens Frau liegt im Krankenhaus, die Ärzte verlangen Geld, er nimmt alle Gigs, die er bekommen kann. Vor ein paar Tagen spielte er in Yan’an, der alten Revolutionsbasis der Kommunisten. Rote Lieder. «Ohne die Kommunistische Partei gäbe es kein neues China». So etwas. «Schwer haben es immer die, die klar sehen», sagt Chen. «Das Sich-dumm-Stellen hat Tradition in einem System wie dem unseren. Aber mittlerweile reicht es nicht einmal mehr, zu sagen: ‹Ich weiss von nichts.› Heute wollen sie es dazu noch in deinen Augen lesen können, dass du von nichts weisst. Wer zu viel sieht oder kapiert, der lebt riskant.»

Er und Jia waren vor kurzem eingeladen in die USA, nach Atlanta, in die legendären Stankonia Studios, von ihren einstigen Helden, dem Hip-Hop-Duo Outkast. Chen nahm seine Klarinette mit. «Einen chinesischen Rapper, der auf der Klarinette Reggae spielt, das hatten sie dort auch noch nie gesehen», sagt er. «Und weisst du was? Wir landeten in Atlanta, und die Luft war so gut, die Stimmung klasse, die Leute toll. Ich fühlte mich frei. Ich fühlte Respekt. Und ich musste nichts trinken und nichts rauchen, um mich gut zu fühlen.»

Für die beiden war der Trip in die USA auch ein Abschiednehmen. IN3 spielen nicht mehr. Jia Wei hat China soeben verlassen. Er ist nach Holland gegangen, seine Freundin studiert dort. «Wir sind doch keine schlechten Menschen, oder?», sagt er am Tag vor seinem Flug. «Wieso passiert so etwas in China Menschen wie uns? Und wieso geht es hier vielen schlechten Menschen so gut?»

Schwarz sind meine Gedanken, schwarz ist mein Tun, schwarz ist die Nacht, gib mir schwarze Augen, um auf diese Welt zu blicken.

«Ist Schwarz nur eine Farbe?» Das war das letzte Lied, das sie spielten in Kunming.

Erstellt: 06.05.2016, 19:49 Uhr

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