Die Zukunft geht bis übermorgen

Der Bieler Rapper Nemo ist für einen Swiss Music Award nominiert.

Auf der Startrampe: Nemo. Foto: PD

Auf der Startrampe: Nemo. Foto: PD

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Unverbindlich über Facebook anfragen, ob er kurz Zeit für ein Telefongespräch habe, klappt nicht. Nemo Mettler, der 17-jährige Nachwuchsrapper aus Biel, bittet höflich darum, «Promo­anfragen» direkt an sein Musiklabel Bakara Music zu richten. Schon ein kleiner Profi, dieser Nemo, denkt man sich. Dabei ist er noch gar nicht so lange im Geschäft. Aufgefallen war er vor einem Jahr am Live-Rap-Event «Bounce Cypher» des Jugendradios SRF Virus. Sieben Stunden lang trugen mehr als achtzig Schweizer Rapper eigens dafür verfasste Reime und unveröffentlichte Songs vor. Mitten unter ihnen der unbekannte Nemo, der, vom Handy ablesend, selbstironisch über spriessende Schamhaare und den Film «Findet Nemo» rappte, während die älteren Kollegen ihm mit steigender Begeisterung zunickten – wie grosse Brüder, die merken, dass der kleine auch etwas kann.

E-Mail von Bakara Music mit Nemos Handynummer und der Bitte, man möge diese vertraulich behandeln. Ist das eine Art Jugendschutz? Nemo lacht wenig später ins Telefon: «Sicher ist man etwas vorsichtiger, weil ich jung und noch nicht lange im Business bin.» Nach dem «Bounce Cypher» musste er seine Nummer wechseln, weil er plötzlich anonyme Anrufe bekam. Der Event war aber auch eine Startrampe für all das Gute, das folgte: Vergangenen Sommer wurde Nemo ans Open Air Frauenfeld eingeladen und durfte als Gast mit dem Berner Duo Lo & Leduc auftreten. Im Oktober erschien seine EP «Momänt-Kids»: fünf fröhliche Songs zwischen Pop, Jazz und Rap, die kostenlos per Whatsapp erhältlich sind. Und jetzt ist Nemo als «Best Talent» bei den Swiss Music Awards nominiert, die am Freitag in Zürich verliehen werden.

Und so tönt das: Nemo mit «Blockbuster» von 2016. Video: Bakaramusic, Youtube

Falls er gewinne, sei das «mega schön», sagt Nemo. Besonders wichtig scheint ihm der Preis aber nicht zu sein. Wie es weitergehen soll, ist ihm noch nicht so klar: Er wolle Musik machen, sagt er vage, konkrete Projekte habe er aber noch keine. Höchstens etwas nimmt er sich vor: bei den nächsten Songs mehr auf den Text zu achten. «In den letzten Monaten ist mir bei anderen Musikern aufgefallen, dass der Text ein cooles Lied noch interessanter machen kann.»

Eben hat Nemo die Fachmittelschule abgebrochen; jetzt will er ein Zwischenjahr einlegen. Nächstens muss er sich eine neue Wohnung suchen, weil er aus seiner alten in Bern, die er mit zwei Mitbewohnerinnen teilt, bald ausziehen muss. Sein Aufenthalt war von Anfang an nur auf ein paar Monate beschränkt.

Vieles scheint möglich, alles ist offen. Weiter als bis übermorgen denke er nicht, sagt Nemo. Übermorgen – das ist sowieso Sonntag, für den es keine Pläne braucht. Für heute plant Nemo schon ein wenig: Was er alles einpacken muss, wenn er für die Swiss Music Awards nach Zürich reist samt Übernachtung. Also plant er auch für morgen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2017, 20:35 Uhr

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