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DJs auf der Flucht

Blade & Beard sind die Partypioniere des Iran. Vor zwei Jahren hatten sie einen Auftritt an der Street-Parade. Heute sind sie Flüchtlinge und warten in der Schweiz auf den Durchbruch.

Hinter dem Haus bröckelt der Calanda, vorne röhrt die A 13. Anoosh und Arash vor ihrer temporären Unterkunft in Felsberg tun, was sie in den letzten zwei Jahren oft getan haben: Warten.
Hinter dem Haus bröckelt der Calanda, vorne röhrt die A 13. Anoosh und Arash vor ihrer temporären Unterkunft in Felsberg tun, was sie in den letzten zwei Jahren oft getan haben: Warten.
Raisa Durandi
Sound in der Unterkunft. Arash im mobilen Tonstudio.
Sound in der Unterkunft. Arash im mobilen Tonstudio.
Raisa Durandi
Da wollen sie sein: Arash und Anoosh alias Blade & Beard in einem Zürcher Kellerclub.
Da wollen sie sein: Arash und Anoosh alias Blade & Beard in einem Zürcher Kellerclub.
PD
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Stöhnend hievt Anoosh seinen DJ-Rollkoffer in den Zug und lässt sich auf den erstbesten Sitzplatz direkt neben der Tür fallen. Es ist Montag, 9.37 Uhr. Der Intercity Richtung Chur verlässt den Hauptbahnhof Zürich. Die Sonne blendet.

Der 26-Jährige blickt auf ein wildes Wochenende zurück. Zusammen mit seinem Kumpel Arash war er Teil einer fröhlichen Party, die in einem angesagten Zürcher Kellerclub ihren Höhepunkt fand. Dort unten hatten die beiden Flüchtlinge aufgelegt, während Stunden die coole Zürcher Szene in Bewegung gehalten. Es gab Applaus, kumpelhafte Umarmungen und Küsse für die beiden. Blade & Beard, so nennen sie sich bei ihren Auftritten, waren ein Wochenende lang das, was sie schon immer sein wollen: DJs. Wer es nicht gewusst hat, sah hinter der DJ-Kanzel nur zwei ganz normale Zürcher Hipster: Schlabber-T-Shirts mit tiefem Ausschnitt, Dreitagebart, Tattoos. Auch ihre Musik offenbarte keine Unterschiede. Das iranische Duo legt treibenden House auf, der sich ganz an dem orientiert, was in den europäischen Grossstädten zurzeit gespielt wird. Zürich, Berlin, Teheran: Im Club hat sich die Welt schon längst vereint.

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