«Elvis war ein Rassist»

Der Rapper Chuck D von Public Enemy wiederholt einen falschen Vorwurf.

Hat es nicht so mit dem Höflichen: der Rapper Chuck D. Bild: Keystone/Ennio Leanza

Hat es nicht so mit dem Höflichen: der Rapper Chuck D. Bild: Keystone/Ennio Leanza

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In seinem rhetorischen Stakkato sagt er es zum ersten Mal 1989 auf «Fight the Power», dem Stück, mit dem Spike Lee «Do the Right Thing» anfangen lässt, seinen Film über Rassismus und eskalierende Gewalt. Und weil Chuck D, der Texter und Hip-Hopper von Public Enemy, es mit dem Höflichen nicht so hat, klingt er krud: «Elvis was a hero to most / But he never meant shit to me, you see / Straight up racist that sucker was / Simple and plain.» Elvis Presley mag für viele ein Held gewesen sein, für mich war er ein Rassist, so einfach ist es.

«Fight the Power» von Public Enemy. Video: Youtube/Clay More

Ist es das? Im neuen Dokumentarfilm «The King» von Eugene Jarecki, der den Niedergang von Elvis mit dem Niedergang der USA vergleicht, wobei ihm ein Film von grosser Intelligenz, Schönheit und Trauer gelungen ist – in diesem Film wiederholt Chuck D seinen Vorwurf. Seine Hauptargumente: Elvis habe das, was er von schwarzen Kollegen gelernt habe, zu einer Millionenkarriere umkoloriert. Vor allem habe er sich nie mit den Anliegen der schwarzen Bürgerrechtsmentalität solidarisch gezeigt. Es gibt sogar ein angebliches Zitat von Presley, wonach die Schwarzen dazu da seien, seine Platten zu kaufen und ihm die Schuhe zu putzen.

Der Trailer zum Film «The King». Video: Youtube/oscopelabs

Chuck Ds Vorwurf ist ungerecht und das Elvis zugeschriebene Zitat frei erfunden. Als Presley von Letzterem erfuhr, gab er der schwarzen Wochenzeitung «Jet» 1957 ein Interview, in dem er seine Fassungslosigkeit über eine solche Unterstellung formulierte. Viele Afroamerikaner bestätigten, dass Elvis Presley Weisse und Schwarze mit demselben Respekt behandelte, dass er schon früh und im segregierten Süden schwarze Gospelmessen besucht und seine Bewunderung für afroamerikanische Musiker öffentlich geäussert habe. Der Bürgerrechtspastor und Gospelsänger W. Herbert Brewster nannte Elvis’ Version von «Peace in the Valley» einen der schönsten Gospelsongs, den er je gehört habe.

Elvis Presley singt «Peace in the Valley» in der Ed-Sullivan-Show (1957). Video: Youtube/ElvisInHD

Nur in einem hat Chuck D ein wenig recht: Elvis Presley wurde nicht nur weltberühmt, weil er ein so talentierter Sänger, Tänzer und Performer war. Und auch nicht, weil er Elemente von Rockabilly, Blues, Country und Bluegrass zu einer so aufregenden Mixtur legiert hatte. Sondern weil er ein Weisser war. Darum gelang ihm Ende der Fünfziger der Crossover zu einem weissen Teenagerpublikum. Worauf er sich, auch das ist wahr, von seinem Manager zum Entertainer für Hollywood und Las Vegas zähmen liess. Doch seine Bewunderung für die afroamerikanische Musik inspirierte ihn ein Leben lang.

Chuck D ist zu intelligent, um solche Zusammenhänge nicht zu kennen. Aber er gibt gerne den Provokateur, das tat er schon immer. Dass der 57-Jährige nicht mehr alles dermassen schwarz oder weiss sieht, wie seine Rhetorik vermuten lässt, merkt man dem Interview an, das er im neuen Film gibt: Er spielt gut gelaunt die Rolle, die der Regisseur von ihm erwartet.

Erstellt: 04.07.2018, 18:43 Uhr

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