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Ende einer Saison

Das Zürich Openair beendete den Festivalsommer – mit alten Bekannten und Kindern des Internets.

Auch sie sagt der Festivalsaison adieu: Charlotte Gainsbourg bei ihrem Auftritt in Zürich. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Auch sie sagt der Festivalsaison adieu: Charlotte Gainsbourg bei ihrem Auftritt in Zürich. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

So jung kommen sie nicht mehr zusammen. Und als möchten sie das an diesem kühlen Samstagabend feiern, schwenken einige Mitglieder der siebenköpfigen Superorganism die hellen Glöcklein, der Computer startet, das Schlagzeug kickt rein, und im Hintergrund sind lustig zusammengeschnittene Filmchen zu sehen. Dort regnet es Emojis, es klicken sich Katzen, Tukane und Blauwale rein, und wenn die Songs dann ins Stottern kommen, kann es passieren, dass ein Ringtone erklingt. Diese Kinder des Internet, die hier fröhlich tanzen, erscheinen superironisch, aber die kurzen und grellen Songs klingen dann doch allzu flüchtig, als lebten sie nur für die Dauer eines Snap.

Superorganism erinnern in ihrer Comichaftigkeit auch an den Kollektiv-Pop des Myspace-Zeitalters, als das Internet noch als unschuldiger Ort galt. Aber die Illusionen sind dahin: Denn wenn diese Band um die Sängerin Orono Noguchi die Worte «Everybody Wants to Be Famous» gelangweilt deklamiert, dann klingt das in der Liveumsetzung nicht nach einem Versprechen, sondern eher nach einem schlichten «fuck you». Vielleicht auch, weil sie wissen, wie flüchtig ihre Kunst ist.

Berühmt für eine Saison – oder gehts doch länger? Ein Konzert von Superorganism am Les Eurockéennes in Belfort. Video: Youtube

Superorganism spielten am Zürich Openair ihr erstes Deutschschweizer Konzert überhaupt. Aber allzu oft wurden die insgesamt 65'000 Festivalbesucher an den vier Tagen daran erinnert, welch gigantischer Wanderzirkus der Konzertmarkt ist. Die Fans müssen dann mit der Konsequenz leben, dass dem Imagine-Dragons-Sänger Dan Reynolds eine unvergessliche Ansage wie «Hello Openair Festival» entwischt. Und dass sie bei Festival- oder anderen Konzertbesuchen die immer gleichen Bands sehen, wenn sie denn wollen.

Zu ihnen gehören Alt-J, die mit ihrer schönen Leuchtstab-Show in diesem Jahr bereits mehrmals in der Schweiz aufgetreten sind, wie auch Liam Gallagher, der sich mit angeschlagener Stimme durch eine herzlich aufgenommene Oasis-Revue krächzte. Oder Charlotte Gainsbourg, deren fabelhafte Produktion wesentlich lockerer wirkte als noch im Frühjahr – auch wenn die Setlist inklusive einem zu Tränen rührenden Cover von Kanye Wests «Runaway» nahezu unverändert geblieben ist.

Seine Stimme klang arg angeschlagen, die Attitüde aber passte: Liam Gallagher am Zürich Openair. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Seine Stimme klang arg angeschlagen, die Attitüde aber passte: Liam Gallagher am Zürich Openair. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Neben all den Déjà-vus, die dank dem exklusiven und alles überstrahlenden Auftritt von Kendrick Lamar zu verschmerzen war, war bei einigen Konzerten auch eine ausgelassene Kehrausstimmung zu spüren. Beispielsweise bei Kevin Morby und seiner Band, die in Rümlang das letzte Konzert einer monatelangen Tour spielten. Seine klassischen und doch so frischen Gitarrensongs funkelten noch einmal, auch dank dem begeisternden Zusammenspiel mit der Ausnahmegitarristin Meg Duffy. Man wird sie wie so viele andere wieder sehen und wieder treffen auf den hiesigen Bühnen. Spätestens in der nächsten Festivalsaison.

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