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Er baut sich seinen Schrein

U2-Sänger Bono will in seiner Heimatstadt Dublin ein grosses U2-Museum errichten. Die Stadt ist nicht begeistert.

Nicht mehr der verstrubbelte Sympathieträger von einst: Leadsänger der Band U2 Bono. Bild: Reuters
Nicht mehr der verstrubbelte Sympathieträger von einst: Leadsänger der Band U2 Bono. Bild: Reuters

Ahnenforscher, Keltenfans, Biertrinker, Hausbootkapitäne: Dublin zieht Touristen an. Dieses Jahr hat das US-Reisemagazin «National Geographic Traveler» die irische Hauptstadt zu einer der 21 sehenswertesten Destinationen weltweit erklärt. Der Regen muss niemanden abhalten, denn es gibt ja Museen. Das Irische Nationalmuseum und auch die Nationalgalerie sind einen Besuch wert, genau wie die gewaltige Schaubrauerei von Guinness und das irische Schriftstellermuseum, wo man Joyce und Beckett, Swift und Shaw nach-spüren kann.

Was noch fehlt, findet Paul David Hewson, genannt Bono, ist ein offizielles U2-Museum. Schliesslich kam Irlands berühmteste Rockband 1976 in Dublin zusammen. Damals war Irland eine arme Kartoffelinsel und Dublin eine harte Stadt, nichts mit Boom und teuren Mieten. Alan Parkers Musikfilm «The Commitments» gibt eine Ahnung von den einstigen Verhältnissen.

U2 schafften es, der irischen Enge zu entfliehen. Ihre Mixtur aus eingängigem Breitbandrock und zornigem Engagement schlug sofort Funken, auch in England und den USA. Mit Songs wie «Gloria» (1981) und «Sunday Bloody Sunday» (1983) haben Bono und seine Band bleibende Popmusik geschaffen.

«Eine der Top-Attraktionen Dublins»

Die Location für das Museum wäre klar: Hanover Quay an den Docks im Süden der Stadt. Dort hatten U2 lange Jahre ihren Proberaum, ihr Aufnahmestudio, ihr Hauptquartier. Vor einigen Wochen kündigte die Band an, das heutige triste zweigeschossige Lagergebäude voller Fan-Graffiti abzureissen und einen Museumsneubau hin- zustellen. Darin werde es eine Rekonstruktion des U2-Studios geben, dazu eine Ausstellung rarer Fotos und Memorabilien der Band – sowie natürlich Café und Souvenirshop. Man wolle «eine der Top-Attraktionen Dublins» schaffen.

Die Entwürfe, die nun aber vorliegen, erschrecken die Anwohner. Bedrückend, einschüchternd, hässlich: Das sind noch die freundlichsten Kommentare. Bono und sein Team wollen einen vierstöckigen, auffallend dunklen Betonriegel errichten, der teilweise aufs Wasser hinausragt. Ein Gebäude wie eine fette Grabplatte. Diese Woche hat nun auch die Dubliner Stadtbehörde den Entwurf als «brutal» und überdimensioniert zurückgewiesen. Die Band hat ein halbes Jahr Zeit, die Pläne zu überarbeiten.

Steuersitz in die Niederlande verlegt

Der Vorgang ist sinnbildlich. Dublin ist stolz auf U2 und ihre 40 Jahre im Geschäft. Doch Bono (58), der seinen Spitznamen dem lateinischen Bona Vox (Gute Stimme) verdankt, ist nicht mehr der verstrubbelte Sympathieträger von einst. Dass er reich geworden ist, vielhundertfacher Millionär – geschenkt. Seine Autos und Häuser sind kein Problem. Dass die Band aber 2006 ihren Steuersitz aus Irland in die Niederlande verlegte, um Geld zu sparen, hat viele Irinnen und Iren erbost. Und dass Bonos Name unlängst im weltweiten Skandal um die Paradise Papers auftauchte, dass der vordergründig um Gerechtigkeit und Wohltätigkeit bemühte Popstar sein Geld in dubiose maltesische Anlagevehikel versorgte: traurig.

Von den Strassen Dublins in die Kreise globaler Steueroptimierer. Dieser Ausstellungssaal wird im U2-Museum wohl fehlen.

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