Fröhlich gepfefferte Beatles-Revue

Das epochale Beatles-Album «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band» gibts jetzt auch als Kabarettfassung. Auf Schweizerdeutsch. Toll!

Von links: Roman Riklin, Frölein Da Capo, Adrian Stern und Daniel Schaub. Foto: Tabea Hüberli

Von links: Roman Riklin, Frölein Da Capo, Adrian Stern und Daniel Schaub. Foto: Tabea Hüberli

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Sgt. Pepper hiess eigentlich Dölf Pfeffer, kam aus dem Berner Oberland, war Skilehrer und Korporal und spielte nebenbei in einer Blasmusik. Augenzwinkernd erzählt François «FM» Mürner, wie dieser Dölf vor 50 Jahren anscheinend Beatle Paul McCartney zu Titel und Design des «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band»-Albums inspirierte. Es ist eine der zahlreichen, nicht immer ganz ernst ­gemeinten Interventionen der Radio­legende, die per äusserst trickreicher Einspielung die schweizerdeutsche Aufführung des famosen Beatles-Werks aufpeppert, dieses wohl wichtigsten Albums der Popmusik. Einspielungen, die sogar ein direktes Telefonat mit John Lennon im Himmel mit einschliessen.

«Sgt. Pepper» auf Schweizerdeutsch? Roman Riklin und Daniel Schaub von Heinz de Specht haben das Album nicht nur sprachlich und geografisch hierher verpflanzt («Lucy mit dä Glitzerschtei» fährt mit dem 4er-Tram am Central vorbei; der tödlich Verunfallte in «E Tag im Läbe» sieht aus wie einer vom Bundesrat). Mithilfe von Adrian Stern und Frölein da Capo brechen sie die Songs auch klanglich auf eine Art kammermusikalische Darbietung herunter, die zwar nicht ganz die psychedelische Note des Originals trifft, aber sonst von den vieren ebenso witzig, ebenso fröhlich dahergepfeffert wird wie einst von den Beatles.

Dabei wechselt das Secondhand Orchestra, wie sich diese Ad-hoc-Band nennt, fliegend von Piano zu Gitarre, von Ukulele zu Trompete, von Standpauke zu Melodica. Von den herzerwärmenden, schlicht perfekten vierstimmigen Chören gar nicht zu reden, in «S gat echli besser», «Ich flicke n es Loch», «Hübschi Rita, Politesse», wie die weniger prominenten Stücke des Albums jetzt so heissen. Selbst George Harrisons indisches Lamento kriegt die Gruppe spielend in den Griff, angeleuchtet allein von Kerzenschein.

Schöner singen als Ringo

Eine Handvoll eigene Lieder zum Thema Historie, Rezeption, Auswirkungen und Nebeneffekte der Beatlemania («Schüelerband», «Violetts, plüschigs Overall-Pijama») ergänzt das Set und unterstreicht den kabarettistischen Ansatz der musikalischen Revue. Wobei unter anderem auch die Fehde zwischen Beatles- und Stones-Fans zur Sprache kommt und zu einer Allegorie für die Gegensätze des Lebens generell mutiert.

Auch visuell trumpft das Ensemble kräftig auf. Ein simultanes Livekamerabild löst manchmal die psychedelischen Projektionen ab, etwa wenn Frölein da Capo den Marmeladenhimmel und die Zellophangirlanden des «Lucy»-Liedes auf weissem Papier nachkritzelt oder Adrian Stern in «Sie gaht ewäg vo dehei» mittels Playmobil die unseligen Familienszenen nachstellt, gleichzeitig in seinem rauchig-sonoren Timbre singend. Seine Stimme ist übrigens viel zu schön, um einen überzeugenden Ringo Starr (in «Mit chli Hilf vo mine Fründ») abzugeben. Aber um diesen Umstand zu korrigieren, hat das Secondhand Orchestra in der Zugabe noch eine ganz schräge Überraschung parat.

Und die Übersetzungen? Gewiss sind sie manchmal etwas zu wörtlich geraten, gewiss kommt hie und da auch das von Pedro Lenz unlängst kritisierte künstliche Rockmacher-Schweizerdeutsch vor. Poetisch bleiben die Songs aber alleweil, und vor allem rollen die Texte deftig den Rhythmus und die Melodie entlang.

Eine höchst amüsante, geradezu kongeniale Umsetzung des «Sgt. Pepper», voll von gelungenen Gags und verblüffenden Tricks – nicht nur für Beatles-­Experten und 1967er-Nostalgiker.

Theater am Hechtplatz. Bis 21.10., jeweils Mi–Sa, 20 Uhr.

Erstellt: 22.09.2017, 20:09 Uhr

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