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Gölä: Wie James Dean, aber ohne Todessehnsucht

Gölä, der bekehrte Mundart-Rocker, ist zurück. Morgen kommt sein neustes Album in die Läden.

Vor sechs Jahren wollte er nie mehr Mundart singen. Er hatte genug vom Gestürm, das dieses Land nun mal um einen Sänger macht, der mehr Platten verkauft als Züri West. Gölä wanderte aus, kam wieder zurück und gründete Burn, die Band, und sang englische Rocksongs. Songs, die kaum jemanden interessierten. Gölä blieb stur und sang weiter englisch, zwei lange Platten lang. Das Publikum blieb auch stur und hörte weg.

Jetzt also «Z Läbe fägt». Sieben Jahre nach «III» bringt Gölä morgen wieder ein Mundartalbum mit zwölf neuen Liedern in die Läden. Man kann sagen, diese Rückkehr zum Erfolgsmodell geschehe aus kommerziellem Kalkül. Wer das sagt, muss aber doch zugeben, dass Gölä endlich wieder das macht, was er am besten kann. Das, was ihn einzigartig macht. Als englisch singender Bluesrocker ist der 40-jährige Marco Pfeuti aus Oppligen so belanglos wie austauschbar. Als Gölä und in Bauerndeutsch ist er der authentischste Hymniker auf die ländliche Schweiz.

Das hat ihm in den urbanen Hauptquartieren der Kultur viel Spott eingetragen. Vor drei Jahren sang der Rumpelrocker Bluesbueb: «Dr Gölä hätti gar nie söllä» und wurde allseits für seinen satirischen Biss gerühmt. Die Häme floss ja zum Teil auch zu Recht, Göläs Lieder sind simpel gestrickt. Und doch spricht heute niemand mehr von Bluesbueb. Gölä aber hat das Hallenstadion gebucht. Zweimal. Und womöglich liegt das nicht nur an der intellektuellen Niederschwelligkeit seiner Lieder. Gölä selber hat jeden Kunstverdacht immer von sich gewiesen. Seine Lieder sind noch nicht einmal eine Art brut, dafür sind sie viel zu professionell gemacht. Schon eher: Art nüt. Das ist aber nicht gar nichts. Im Gegenteil: Wenn Züri West in ihren Liedern die städtische, kunstsozialisierte Bohème besingen, repräsentiert Gölä gerade jenen Teil der Bevölkerung, der skeptisch auf die Städte blickt, auf den «modern way of life» und die Kunst.

Es ist verblüffend, wie passgenau Göläs Lieder das ländliche Milieu in der heutigen Schweiz beschreiben. Es ist ein Milieu, in dem der Bauernstand erodiert und keine Religion die Leute mehr verklammert. Was zählt, ist, dass man seine Geschicke selber bestimmt und im Trutz seiner Familie und einer netten, sicheren Nachbarschaft ein friedliches Leben führt, in das der Staat sich bitte sehr nicht einmischt. Marco Pfeuti, der singende Büezer und Familienvater, ragt als besonders charismatischer Grind aus diesem Weltbild hervor, das man früher nur von den Rednecks im Süden der USA kannte: Liebe deine Familie, erzählen uns seine Lieder, treffe dich mit deinen Freunden und Nachbarn zum Bräteln, vergiss überhaupt den Spass am Leben nicht, fahr mit dem Töff raus, lass es rocken, fühl dich sexy und trink auch mal eine Büchse Bier.

Er fehle fast nie in der Bude, singt Gölä im ersten Lied seiner neuen CD, aber jetzt, da er dies singe, spüre er den Teufel im Blut. Und so versöhnt er den Rock 'n' Roll mit dem stinknormalen, pflichterfüllten Angestellten- und Familienleben, wie es in diesem Land Hunderttausende führen. Dass man auch ohne die Todessehnsucht ein bisschen James Dean sein kann; ja, dass dieses Leben sogar fägt, das hat so noch keiner gesagt. Oder um es mit Gölä zu sagen: «Uh yeah.»

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