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«Ich dachte, das ist doch völlig absurd»

Der Frankfurter Rapper Moses Pelham ist mit «Geteiltes Leid 3» erwachsen geworden. Das Album beschliesst seine Trilogie.

«Ich musste mich auch wirklich total zusammenreissen»: Rapper Pelham.
«Ich musste mich auch wirklich total zusammenreissen»: Rapper Pelham.

Moses Pelham hat in seiner Rap- und Produzentenkarriere neben viel Erfolg auch viel Zoff gehabt - zum Beispiel mit dem von ihm entdeckten Xavier Naidoo und auch handfest mit Stefan Raab, dem er 1997 wegen seiner satirischen Anmerkungen das Nasenbein brach. Seine Karriere begleitet seit 14 Jahren die Trilogie «Geteiltes Leid», deren letzter Teil am Freitag (9. November) veröffentlicht wird. «Geteiltes Leid 3» wartet von Cassandra Steen bis Gentleman mit etlichen prominenten Gästen auf - und überraschend auch mit Naidoo.

Pelham förderte als Produzent seiner Firma 3P Naidoo Sabrina Setlur und Cassandra Steen. Der erste Teil von «Geteiltes Leid» erschien 1998, der zweite 2004. Im dapd-Gespräch spricht er über das erwachsen werden, illustre Gastmusiker und seine Versöhnung mit Naidoo nach zwölfjähriger Funkstille.

Pelhams Selbstkritik

«Diese Riesenabstände zwischen den drei Alben sind ja nicht geplant gewesen. Ich weiss noch, zwischen ‹1› und ‹2› waren es irgendwie sechs Jahre, und dann dachte ich, ach, das dauert bestimmt nicht mehr so lange und jetzt sind es 14 Jahre», sagte Pelham. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass es eine Trilogie geben werde. «Der dritte Teil schlummerte in mir, und ich habe schon früh damit angefangen, mir Gedanken darüber zu machen.»

Inhaltlich habe sich Einiges zwischen den Alben verändert. «Es gibt so einen Rahmen, was so auf einem Album drauf sein sollte. Wenn ich mir ‹Geteiltes Leid 2› anhöre, da sind der grösste Makel aus meiner Sicht die Stücke, die eigentlich nur aus Freude am Rappen bestehen, die eigentlich gar keinen Inhalt haben, wie auf ‹Feuerschlucker›», erklärt der Musiker aus dem Frankfurter Stadtteil Rödelheim. «Das macht mir natürlich noch total viel Freude, und ich musste mich auch wirklich total zusammenreissen, es jetzt nicht zu machen.» Es gebe «nur zwei Stücke überhaupt, die auch nur in den Verdacht kommen irgendetwas damit zu tun zu haben, nämlich einerseits ‹Hooo› und andererseits ‹Ultra›.»

Pelham, der nebenbei in der Jury der TV-Castingshow «X-Factor» sitzt, sieht mit dem letzten Teil seiner «Geteiltes Leid»-Reihe seinen eigenen Reifeprozess. «Es liegt ja auch an ganz vielen anderen Dingen, wie am Leben, an anderen Arbeiten, die ich mache, und so weiter und so fort, dass es so lange gedauert hat, aber das hat einen grossartigen Vorteil, nämlich, wenn man sich jetzt diese drei Platten nebeneinander anhört, man wirklich die Entwicklung von einem Menschen mit verfolgen kann. (...) Und ich habe mir immer gewünscht, dass die Trilogie immer mit so etwas wie einem Happy End aufhört, und das ist für mich so. Es zeigt eine Änderung in der Haltung.»

Versöhnung mit Naidoo und Happy End

Das Happy End steht auch stellvertretend für die Versöhnung mit Xavier Naidoo und dessen überraschender Mitwirkung bei dem Song «Halt aus». «Es ist ja weniger ein künstlerisches Ding mit Xavier, als ein menschliches. Überhaupt, was auf dieser Platte viel wichtiger ist, dass ein Mensch sich mitteilen will, als irgendwie ein Künstler, der sagt, okay ich habe folgenden Film für euch vorbereitet. Dass dann eine Sache, die mir menschlich so wichtig war, dann auch auf der Platte Einzug hält, das war keine künstlerische Art, sondern eine menschliche. Dass das Ergebnis dann noch als letztes Lied auf der Platte in diese Priorität kommt, trägt für mich total zu diesem 'Happy End'-Gefühl bei. Es werden Dinge passieren, die du dir nicht vorstellen kannst. Das Stück 'Halt aus' gibt auch inhaltlich so einen schönen Ausblick. Mit Liebe und Verstand sind Dinge möglich, die du im Moment für völlig unmöglich hältst.»

Über die Versöhnung mit Naidoo, mit dem er einen jahrelangen Rechtsstreit führte, nachdem es mit einer Freundschaft und gemeinsamer Musik begonnen hatte, sagt der Musiker und Produzent: «Es war kein Zufall, denn ich glaube ja nicht an Zufälle. Die Wahrheit ist, dass ganz viele Sachen, die ich geschrieben habe, dass der Xavier oder jemand wie der Xavier das Ding geprägt hat. Das liegt einfach daran, dass als ich angefangen habe, Gesangstitel zu schreiben, dies zum grössten Teil für oder mit dem Xavier getan habe. Auf jeden Fall habe ich mich nicht mit ihm getroffen, um mit ihm ein Stück zu machen. Es passierte dadurch, dass wir einen gemeinsamen Freund haben, der übrigens irgendwie nicht von dieser Welt ist, der darum gekämpft hat, dass es passiert. Er hat uns einfach zu sich nach Hause eingeladen - richtig mit Vorlauf und mit Terroranrufen.»

Über das Wiedersehen mit Naidoo sagt Pelham: «Es war schon Wahnsinn - völlig surreal. Ich dachte, das ist doch völlig absurd, was wir hier machen gerade. Es war teilweise sogar so, als hätten wir uns gerade gestern erst gesehen. Als wir dann irgendwann auf den Flash kamen, wollen wir nicht einen Track machen, es war sofort klar, dass wir das machen.» Für den letzten Teil der Musik-Triologie holte sich der Frankfurter Musiker zahlreiche Gastsänger ins Studio, neben Naidoo, Cassandra Steen und Peppa Singt auch Jan Delay, Gentleman, Sido, Bushido, Azad und Kool Savas.

dapd

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