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John Hiatt wird melancholisch

Manche Menschen lassen es mit im Alter langsamer angehen, John Hiatt gehört nicht dazu: Bereits ein gutes Jahr nach seinem letzten Album legt er mit «Dirty Jeans And Mudslide Hymns» nach.

Ruht sich trotz seiner 59 Jahre noch lange nicht aus: Musiker John Hiatt.
Ruht sich trotz seiner 59 Jahre noch lange nicht aus: Musiker John Hiatt.
Keystone

«Die Zeit schwindet!», sagt der Veteran des Americana-Rocks, der am Samstag 59 Jahre alt wird, augenzwinkernd im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD. Musikalisch bietet Hiatt auf seinem 20. Soloalbum die für ihn typische Mischung aus bluesigem Rock und Balladen, gepaart mit seiner markant nöligen Stimme.

Doch während «The Open Road» ein recht optimistisches Gefühl vermittelte, handelt das jüngste Album mehr von Vergänglichkeit, Unsicherheit und der Fragilität des Lebens. Vielleicht sei das tatsächlich eine Konsequenz seines Alters, sagt Hiatt: «Man denkt mehr über solche Dinge nach. Nichts dauert für immer an.»

Hilfe von aussen

Neu ist, dass er sich nach zwei selbst produzierten Alben dieses Mal mit Produzent Kevin Shirley (Led Zeppelin, Aerosmith, The Black Crowes) wieder Hilfe von aussen holte und die Stücke nicht in seinem eigenen Studio zu Hause, sondern in Nashville aufnahm.

Er habe sich mit sich selbst gelangweilt, lacht Hiatt: «Du kannst mit deiner eigenen Vision nur bis zu einem gewissen Punkt kommen. Ich brauche einen Komplizen! Es war ein bisschen wie: Gott, bitte gib mir die Ideen von jemand anderem!»

Hiatt, der seine Solokarriere 1974 begann, hat allerdings längst unter Beweis gestellt, dass er genügend eigene Ideen hat. Nicht umsonst wurden seine Titel von so unterschiedlichen Kollegen wie Bob Dylan, Iggy Pop, Joe Cocker oder Eric Clapton gecovert.

Überschwemmungen in Tennessee

Der Titel seines jüngsten Albums ist einer Zeile aus dem vorletzten Song, «Adios To California», entnommen. Zwei Stücke des Albums wurden inspiriert von den schweren Überschwemmungen im vergangenen Frühling im Raum Nashville, wo Hiatt auf einer Farm lebt.

«Hold On For Your Love» beschreibt eine, wie er selbst sagt, mini- apokalyptische Szenerie, wie sie auch nach einem Krieg vorstellbar wäre. «Down Around My Place» bezieht sich konkreter auf die emotionalen Auswirkungen der Flut auf die Betroffenen.

Wie schlimm hat es die Hiatts erwischt? «Wir hatten Schäden auf der Farm, mussten ein bisschen sanieren, die Felder umpflügen. Wir sind aber ziemlich glimpflich davongekommen. Aber es zehrt emotional, wenn einen eine Naturkatastrophe trifft.»

Geschenk zum 25. Hochzeitstag

Und deshalb sei auch der Refrain von «Hold On For Your Love» wichtig, denn der setze ein Zeichen der Hoffnung. Die Liebe ist ein wichtiges Thema das Albums. «I Love That Girl» schrieb er als Geschenk für seine Frau zum 25. Hochzeitstag im Juni.

Und auch mit dem Pedal-Steel-Shuffle «Train To Birmingham» machte er ihr eine besondere Freude: «Es ist der älteste Song auf dem Album. Ich habe ihn schon geschrieben, als ich 19 war. Meine Frau mag ihn, deshalb habe ich ihn jetzt aufgenommen.»

Neben einem Eisenbahn-Song darf auf einem Hiatt-Album natürlich auch ein Auto-Song nicht fehlen. «Detroit Made» feiert ein bestimmtes Buick-Modell aus den 70er Jahren, das auch Hiatt einst fuhr. Der Schluss-Song des Albums, «When New York Had Her Heart Broke» handelt von den Terroranschlägen 2001.

SDA/dj

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