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Kein Beischlaf mit dem Buffet!

Eine Künstliche Intelligenz schreibt einen Rap-Song, der verdächtig nah ans Original, Travis Scott, rankommt. Zumindest musikalisch.

Benedikt Scherm
Beim Superbowl 2018 trat noch der originale Travis Scott aus Fleisch und Blut auf - in Zukunft könnte das vielleicht eine Künstliche Intelligenz übernehmen.
Beim Superbowl 2018 trat noch der originale Travis Scott aus Fleisch und Blut auf - in Zukunft könnte das vielleicht eine Künstliche Intelligenz übernehmen.

Was die Künstliche Intelligenz (KI) inzwischen nicht alles kann: den perfekten Partner finden. Den Kühlschrank automatisch nachfüllen. Krieg verhindern. Und jetzt auch noch: Rappen. Doch, doch. Das amerikanische Digitalunternehmen space150 hat verkündet, es sei einer KI gelungen, einen Song zu schreiben, der exakt nach dem Rapper Travis Scott klingt.

Und tatsächlich: Egal ob die eingängige Melodie, die - zugegeben recht simplen - Reime oder der elektronisch verzerrte Gesang, das, was «Travis Bott» (das Wortspiel war wohl zu offensichtlich, um es nicht auszunutzen) da singt, klingt tatsächlich verdächtig nach dem Vorbild aus Fleisch und Blut. Bis hin zu den charakteristischen Adlibs, den kleinen Zwischenrufen, die er so gern nutzt.

Über zwei Wochen habe man den Computer mit der gesamten Diskografie des Rappers gefüttert, um den Song «Jack Park Canny Dope Man» zu erzeugen, sagt Kreativdirektor Ned Lampert. Für das Musikvideo sei ebenfalls eine KI genutzt worden. Ein Deepfake, also ein manipuliertes Video, das Gesichtszüge und Körper des Originals imitiert, tanzt dort um einen Lamborghini. Das wirkt beinahe noch überzeugender als der Song selbst, denn was im KI-Video Verzerrungen und Bildruckler sind, nutzt der originale Scott bereits seit langem als psychedelisches Stilmittel. Original und Kopie gehen fliessend ineinander über.

Der künstliche Travis Scott bzw. Travis Bott mit «Jack Park Canny Dope Man». Video: space105/Vimeo

Ein grosser Schritt von den bisherigen KI-Songs. Sony hat 2016 etwa bereits einen Song im Stile der Beatles von einem Computer schreiben lassen. Doch damals kam lediglich die Melodie von der Software, der französische Komponist Benoît Carré musste den Song «Daddy's Car» nachträglich noch arrangieren, produzieren und die Lyrics schreiben. Da ist die Leistung des Travis Bott schon beeindruckender. Auf den ersten Blick.

Achtet man bei «Jack Park Canny Dope Man» nämlich darauf, was und nicht wie der Bott singt, zerbröselt die Mimikry schnell: «I don't want no bean if you call me up, I don't really wanna fuck your party food». Der Google-Übersetzer würde wohl sagen: Beischlaf mit dem Buffet? Interessiert mich nicht die Bohne.

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