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Keine Angst vor Horror und Pathos

Der Filmmusikkomponist Ramin Djawadi macht auch Musik für Computerspiele. Jetzt katapultieren ihn die Emmys in die Topliga seiner Zunft.

Tritt an den Emmys gegen sich selbst an: Filmkomponist Ramin Djawadi. Bild: Getty Images/C. Flanigan
Tritt an den Emmys gegen sich selbst an: Filmkomponist Ramin Djawadi. Bild: Getty Images/C. Flanigan

Der Filmmusikkomponist Ramin Djawadi muss bei den Emmy-Verleihungen im September gegen sich selbst antreten. Mit gleich zwei Werken ist er in der Kategorie Serien-Soundtrack nominiert: «Akane no Mai» aus der Science-Fiction-Serie «Westworld» und «The Dragon and the Wolf» aus dem Fantasy-Epos «Game of Thrones».

Djawadi sticht schon, obwohl er noch gar nichts gewonnen hat, aus dem Kreis der Nominierten heraus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Filmkomponisten hat er bereits den Status eines Popstars. Gerade ist er mit einem Best-of aus seinem inzwischen mehr als 60 Stunden langen Soundtrack zu «Game of Thrones» auf Tour und füllt damit Hallen, die sonst Rockstars vorbehalten sind. Manche Fans sagen, der Soundtrack sei besser als die Serie selbst. Dabei deutete der musikalische Werdegang des 43-Jährigen eigentlich auf eine Karriere abseits des Rampenlichts hin.

Als Sohn einer deutschen Mutter und eines iranischen Vaters wurde Djawadi 1974 in Deutschland geboren, wo er auch aufgewachsen ist. Sein erstes Instrument, das er mit vier Jahren zu spielen begann, war die Orgel. Als Teenager konzentrierte er sich auf die Gitarre und andere Saiteninstrumente. Ein Entwicklungsschritt, den man seinen Soundtracks bis heute anhört. Bands wie Metallica und Coldplay gibt er als seine Vorbilder an. In dieser Zeit entstand auch der Plan, in den USA zu studieren, um Filmmusiker zu werden.

Tatsächlich gelang Djawadi die Aufnahme am Berklee College of Music in Boston. Danach lernte er bei Hans Zimmer, dem anderen grossen deutschen Hollywood-Komponisten, wie man beeindruckende Bilder mit mindestens ebenso beeindruckender Musik untermalt. Nebenbei arbeitete Djawadi an Soundtracks für Computerspiele mit – eine eigentlich naheliegende, aber bis heute ungewöhnliche Tätigkeit für Komponisten. Djawadi hat sie sich bewahrt: 2016 schrieb er die martialische Musik für das Ballerspiel «Gears of War 4».

Rage Against the Machine-Gitarrist spielt Stück ein

Der Durchbruch gelang Djawadi mit seinem Soundtrack für «Game of Thrones», für den er anders als bei den krawalligeren Spiele-Soundtracks auf klassische Vorbilder zurückgriff. Das Titellied der Serie, ein simples Motiv, das unterschiedlich instrumentiert variiert wird, ist vom Romantiker Anton Bruckner inspiriert. Auch dass sich der jugendliche Djawadi für Gitarrenriffs begeisterte, kann man hier noch heraushören. Das Stück ist damit charakteristisch für ihn, denn das Riff kann als Zentrum vieler seiner Kompositionen verstanden werden. Das Titelstück für den Film «Pacific Rim» von Guillermo del Toro liess er gleich von Tom Morello, dem Gitarristen der Band Rage Against the Machine, einspielen.

Wie er keine Scheu vor Horrorfilmen hat, scheut sich Djawadi auch nicht vor Pathos in seinen Stücken. Zugleich aber ist die Klassik keine Nebensache: Ähnlich wie in den Opern Richard Wagners haben alle wichtigen Charaktere bei «Game of Thrones», aber auch Landschaften oder Adelshäuser im Soundtrack ein musikalisches Thema, das im Laufe der Serie an den jeweiligen Fortgang der Handlung angepasst wird. Das ist recht simpel, funktioniert aber als Soundtrack auch deshalb ganz gut, weil es jeder sofort versteht.

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