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Keith Richards hört auf – zu trinken

Der Stones-Gitarrist findet Nüchternheit «interessant». Kein Wunder: Er hat sie 60 Jahre lang gemieden.

Dass er noch lebt, muss an seinem Charakter liegen; mit seinem Lebensstil hat es nichts zu tun. Keith Richards konsumierte schon jung Drogen, erst Alkohol und dann Amphetamin, auch sein Vater war Alkoholiker gewesen. Im Lauf der Karriere nahm der Sohn immer weitere Drogen und die immer häufiger. In den Siebzigerjahren bezeichnete ihn der «New Musical Express» als «death warmed over»: aufgewärmter Tod.

Das war nicht übertrieben. Auf Bildern, Videos und selbst auf der Bühne sah Keith Richards immer schlechter aus. Er fixte, er kokste, er rauchte, er soff. Einmal fiel er von einer Palme, ein anderes Mal von einer Leiter. Er durchlitt Stromschläge und Brände, lag mit grünem Gesicht vor der Haustür. Er konnte wochenlang durchfeiern. «Keith schläft nicht, er verliert das Bewusstsein», sagt sein Mitgitarrist Ron Wood. Ohnmacht am Ende der Exzesse.

Aber Richards stand immer wieder auf und machte weiter. Demnächst beginnen die Rolling Stones eine weitere US-Tournee durch 14 Städte vor insgesamt einer Million Menschen. Wer die Band letzten Sommer im Letzigrund hat spielen sehen, hörte Musiker auf der Höhe ihres Materials und ein fantastisches Konzert. «Die einzigen Spezies, die einen Weltuntergang überleben werden», sagte der Komiker Robin Williams, «sind die Kakerlaken und Keith Richards.»

Und jetzt das: Wie das Magazin «Rolling Stone» berichtet, trinkt Keith Richards seit einem Jahr keinen Alkohol mehr. Oder fast: «Er hat das Trinken stark reduziert», heisst es im Artikel. In Anbetracht der Interviews , die der Gitarrist in trunkenem Zustand absolvierte, bis er kaum mehr reden konnte, kommt eine strenge Einschränkung einem Verzicht gleich.

Er macht kein Aufheben darum, aber das passt zu ihm: Keith Richards liebt es lakonisch. Wie bei den Riffs, die er auf der Gitarre sägt, reduziert er alles auf das Maximum. Als ihn ein Journalist fragte, wie er Musik definieren würde, sagte er: «Music fucks with silence.» Wie er sich auf Konzerte vorbereite, fragte ein anderer, Antwort: «Ich wache auf.» Und warum er jetzt nur noch gelegentlich ein Wein- oder Bierglas leert, auch dafür hat er eine handliche Erklärung: Das Trinken, sagt er, «hat mich gelangweilt». Ausserdem finde er Nüchternheit interessant. «Er ist weniger launisch als früher», sagt Ronnie Wood, ebenfalls trocken.

Keith Richards hat aufgehört zu trinken, was kommt als Nächstes: ein Leben ohne Marlboro? Yoga auf der Matte? So wie man ihn kennt, wird er er selber bleiben. Er gehört zu den wenigen Stars aus den Sechzigerjahren, die nie einem Glauben gehuldigt, einen Guru bewundert oder einer Sekte gedient haben. Auf seine Weise blieb er auch im Vollrausch nüchtern genug, um allen zu misstrauen, die Glück versprachen. Ihn macht das Musizieren am meisten froh. Das hat er mit seinen Kollegen gemein, die ebenfalls weitermachen wollen. Und an einem guten Abend ihre Konkurrenten an jede Wand spielen. In den letzten Jahren haben Keith Richards und Mick Jagger wieder Songs geschrieben, ein neues Album ist für nächstes Jahr vorgesehen.

Wir hoffen natürlich, das Resultat werde uns nicht ernüchtern.

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