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Malmö: Leider eher nö

Ein 94-Jähriger, diverse Supertalente und ein Ostschweizer mit Abneigung gegen Deutsche wollen für die Schweiz an den Eurovision Song Contest in Malmö. Das Voting ist eröffnet.

Er mag keine Deutschen und viele andere auch nicht: Jack Stoiker mit «Di Dütsche sind blöd».
Er mag keine Deutschen und viele andere auch nicht: Jack Stoiker mit «Di Dütsche sind blöd».
Screenshot Eurovisionplattform.sf.tv
Vermutlich hat Jack Stoiker auch etwas gegen Carie van Heden. Sie ist aus Bernau bei Berlin, also eine Deutsche.  «Wenn du nicht da bist».
Vermutlich hat Jack Stoiker auch etwas gegen Carie van Heden. Sie ist aus Bernau bei Berlin, also eine Deutsche. «Wenn du nicht da bist».
Screenshot Eurovisionplattform.sf.tv
Eher etwas fürs Auge als für die Ohren: Die Zürcherin Goga Sekulic mit «Disco Love».
Eher etwas fürs Auge als für die Ohren: Die Zürcherin Goga Sekulic mit «Disco Love».
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«Di Dütsche sind blöd, di Dütsche sind blöd, di Dütsche sind blöd», singt ESC-Bewerber Jack Stoiker mit Ostschweizer Dialekt. Er sitzt mit seiner Elektrogitarre auf einem Höckerchen und trägt seinen ESC-Song vor wie ein Kindergartenlied; der Rhythmus kommt ab Computer.

Clever ist er, dieser Stoiker und reitet auf der Anti-Deutsche-Welle. Die Stimmen der fremdenfeindlichen Schweizerinnen und Schweizer dürfte er auf sicher haben, denn der herrlich ironische Stoiker findet die Franzosen genauso «denebed» wie die Deutschen, die Spanier, Österreicher und Schotten ebenso, und die Belgier sind für ihn die «allergrössten Idioten». Stoikers Antipathien gehen noch weiter, denn die Zürcher mag er auch nicht, genauso wenig die Innerschweizer, Berner, Walliser und Bündner, den Herrn Meier, Keller und Bärtschi. So viel Offenheit sollte belohnt werden, aber Stoikers Chancen auf das ESC-Ticket dürften eher gering sein, denn mit Singen hat er es nicht so.

Damit ist er in guter Gesellschaft: Beim Klicken durch die 179 offiziellen Bewerbervideos auf der Schweizer Eurovisionsplattform sind die Chancen eher klein, auf einen guten Song zu treffen. Zu den fragwürdigsten Beiträgen zählt Franck Renards «Crazy Love». Dagegen klingt Katzenjammer wie Musik.

Einmal siegen ist nicht genug

Dafür ist die Superstar- oder Supertalentdichte umso grösser. Gleich mehrere ehemalige Gewinner oder Beinahegewinner wollen für die Schweiz ans ESC-Finale in Malmö: Leo Ritzmann gewann die 7. «Popstars»-Staffel, Maya Wirz war das grösste Schweizer Talent 2011 und Jesse Ritch Dritter bei DSDS. Nachhaltig scheint der Erfolg bei keinem der drei gewesen zu sein. Anders lässt sich ihr Bemühen um ein ESC-Ticket nicht erklären. Zumindest Jesse Ritchs Song «Forever & a Day» könnte aber gute Chancen haben auf der Songcontest-Bühne. Die kürzlich veröffentlichte Debütsingle des Berners ist eine Mischung aus Pop und R'n'B und bietet einen eingängigen Refrain zum Mitsummen und Mitschunkeln.

Auch die 16-jährige Julia Star hat schon bei verschiedenen Formaten den grossen Durchbruch gesucht, ihn jedoch bislang nicht geschafft. Mit der Ballade «You Lift me Up» will sie nun in Céline Dions Fussstapfen treten. Lyss Assia gibt ebenfalls nicht auf und nimmt nach der letztjährigen Schlappe in der Vorrunde einen neuen Anlauf. Dieses Mal hat sie eine tanzende, hüpfende und rappende Vierercombo aus Hamburg um sich geschart. «Hello, how ist the flow», begrüsst sie die Jungs und fügt singend an: «We all have our up and downs.» Mit dem Boom-Boom-Song «All in Your Head» ist sie eher im unteren Bereich der Welle.

Heilsarmee versuchts mit 94-Jährigem

Besser dürften die Chancen für die Heilsarmee sein. Die gehen mit einer sechsköpfigen Rockgruppe und einem Joker ins Rennen: einem 94-jährigen Senior. Offenbar haben sich die guten Seelen von den russischen Omas Buranowski Babuschki inspirieren lassen und erhoffen sich von ihrem ältesten Bandkollegen ein paar Extrapunkte. Denn ihr poppiger Rocksong «You and Me» allein dürfte kaum genügen für die grosse ESC-Bühne. Aber auch ein allfälliges Scheitern wäre kein Untergang für die Heilsarmee. «Einerseits steigert die Teilnahme unsere Bekanntheit, andererseits haben wir einen neuen Song, den wir in unser Weihnachtsrepertoire aufnehmen können», sagten sie gegenüber der SDA.

Noch bis zum 29. Oktober kann für die 179 Beiträge abgestimmt werden. Jeder registrierte Benutzer kann insgesamt vier Punkte verteilen: Entweder alle vier an einen Lieblingsinterpreten oder aufgeteilt auf bis zu vier Beiträge. Parallel dazu gibt eine Fachjury ihre Meinung ab, die zu 50 Prozent zählt. Mitte November wird verkündet, welche neun Songs es in die Schweizer Vorausscheidungsshow vom 15. Dezember in Kreuzlingen geschafft haben. Per Anruf dürfen die Zuschauerinnen und Zuschauer dann den definitiven Sieger für das ESC-Finale in Malmö wählen.

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