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Mit Rap in den Krieg

Vor den Kämpfen peitschen sich die Aufständischen in Libyen mit Musik ein. Zwei junge Musiker greifen zum Mikrofon, um die Rebellen zu motivieren.

Rappen gegen Ghadhafi: Mohammed Madanni (links) und Milad Faraway.
Rappen gegen Ghadhafi: Mohammed Madanni (links) und Milad Faraway.
Keystone

Der Rebell dreht die Anlage auf. Libysche Rapmusik plärrt aus den Lautsprechern des Pritschenwagens von Dschaad Dschumaa Haschmi, wenn er in den Kampf gegen die Ghadhafi-Treuen zieht. Eine Garde libyscher Amateur-Rapper sorgt für die musikalische Untermalung der Rebellion in Nordafrika.

Die Musik reflektiert den Zorn und die Frustration der libyschen Jugend, die Auflehnung gegen die Jahrzehnte andauernde Unterdrückung des Gaddafi-Regimes. Rap ist der Treibstoff, der Rebellen wie den 27-jährigen Haschmi zum Kampf anspornt, obwohl das schwere Maschinengewehr auf seiner Ladefläche wenig gegen Gaddafis schwere Artillerie ausrichten kann.

«Es fasst die Suche der Jugend nach Freiheit und einem annehmbaren Leben zusammen und motiviert uns», sagt Haschmi, wie er in seinem geländegängigen Transporter in der Frontstadt Adschdabija sitzt. Er hört das Stück «Jugend der Revolution», das die Rapgruppe Music Masters wenige Tage nach Ausbruch der Rebellion Mitte Februar aufnahm.

«Game Over Ghadhafi»

In dem Stück rappt der 20-jährige Milad Faraway, dass Gahdhafie Spiel vorüber sei. Zusammen mit seinem 22-jährigen Kumpanen Mohammed Madani gründete er die Music Masters Ende 2010. Anstelle zum AK-47 zu greifen und zur Front zu fahren, blieben sie in Benghazi, der de facto Hauptstadt der Rebellen, und griffen zum Mikrofon.

«Jeder hat seine eigene Art zu kämpfen, meine Waffe ist die Kunst», sagt Faraway, ein Geologie-Student, während einer Aufnahme-Session in einem kleinen Raum auf der vierten Etage eines heruntergekommen Gebäudes im Zentrum der Stadt.

Der Raum ist mit einem Mikro, einer Stereoanlage und einem Computer ausgestattet. Eine riesige rot, grün und schwarz gestreifte Rebellenflagge hängt an einer der Wände, auch ein Foto des Guns-'n'-Roses-Gitarristen Slash ziert den Raum.

Faraway und Madani rauchen Zigaretten und trinken gezuckerten Tee, während sie die Texte zu ihrem neuesten Songs aufnehmen, eine Hommage an die umkämpften Städte des Landes.

Verhasste Westkultur

Die Rapmusikszene, die sich in Benghazi entwickelt hat, ist Produkt des tief greifenden Wandel der vergangenen zwei Monate im Osten des Landes, der von den Rebellen gehalten wird.

Wer sich früher gegen Ghadhafi aussprach, dem drohte Gefängnis oder sogar der Tod. Rap, so wie andere westlich inspirierte Kultur, war dem Diktator verhasst. Er liess westliche Instrumente und Bücher verbrennen, nachdem er 1969 an die Macht kam.

«Ich wollte mich schon immer über Gaddafis Fehler und Verbrechen äussern, aber wir kannten keine freie Meinungsäusserung», sagt Madani, der der Sohn eines berühmten Sängers aus Benghazi ist und sonst in dem Mobilfunk- und Autoteilegeschäft seiner Familie aushilft.

Die meisten Stücke der Gruppe, die sie in den vergangenen Wochen aufgenommen haben, sind mit schnellen, an den US-Rapper Eminem erinnernden Reimen versehen. Sie machen sich über Ghadhafi lustig und nehmen seine Art der Staatsführung aufs Korn.

Besonderer Anklang in Benghazi

In der Innenstadt von Benghazi gibt es CDs mit etwa einem Dutzend Rapsongs zu kaufen, die seit Beginn der Rebellion aufgenommen wurden. Auf einem der Cover stehen Rebellen auf einem erbeuteten Panzer der Ghadhafi-Kräfte und schwenken eine Revolutionsflagge.

«Ghadhafi öffne deine Augen und sieh', wie das libysche Volk durch die Barriere der Angst gebrochen ist», heisst es in dem Stück «17. Februar» der Gruppe Revolution Beat. Der Titel thematisiert den sogenannten «Tag des Zorns», als Demonstranten zu Protesten in mehreren Städten zusammenkamen.

Es wird auf Arabisch, aber auch auf Englisch gerappt, eine Referenz an die amerikanischen Wurzeln der Musikart. Die libyschen Rapper tragen weite Hosen und Baseballcaps, so wie ihre US-Vorbilder auch.

Rap sei nicht der alleinige Soundtrack der Revolution, sagt der 23-jährige Mutas al Obeidi von der Gruppe Revolution Beat. Er fände jedoch besonderen Anklang unter den libyschen Jugendlichen. «Rap ist in einem Land wie Libyen unter den Jugendlichen beliebter als Rock, weil er Frustration und Zorn zum Ausdruck bringt», sagt der Englisch-Student.

dapd/97/oe

dapd/miw

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