Mit Spotify-Playlists zum Multimillionär

Immer wieder versuchen findige User, Spotify zu manipulieren. Durchaus mit Erfolg.

Der Streamingdienst Spotify ist immer wieder Ziel von Betrügern.

Der Streamingdienst Spotify ist immer wieder Ziel von Betrügern.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Rap-Label Groove Attack steht im Verdacht, die eigenen Künstler auf Spotify mit gehackten User-Accounts gepusht zu haben. Es wäre nicht das erste Mal, dass auf der Streaming-Plattform mit dubiosen Mitteln versucht wird, Geld zu machen. Denn Spotify zahlt pro angehörtem Stream an den Rechteinhaber zwischen 0,6 und 0,84 US-Cents. Eine Ausgangslage, die Schlaumeier zu folgenden Schwindeleien verleitete:

  • Zu Beginn dieses Jahres deckte die BBC eine Reihe von Bands auf, die sich in Playlists von Spotify-Usern eingeschlichen hatten - mit seltsamen Künstlernamen wie Bergenulo Five, DJ Bruej oder Bratte Night. «Misterycore» nannte die BBC diese Musik. Zu den Bands gab es weder Websites noch Tourdaten oder sonstige Informationen. Laut BBC sind die Accounts der User gehackt worden. Spotify nahm besagte Bands aus dem Angebot.

  • 2018 hat ein Bulgare mit 1200 Fake-Premium-Accounts und über 400 eigenen Songs den Streaming-Dienst ausgetrickst. Er erstellte zwei Playlists namens «Soulful Music» und «Music From The Heart» und liess die Lieder nonstop abspielen. Die Playlists erreichten die Top 100 der klickstärksten Spotify-Listen weltweit, und der Mann verzeichnete 72 Millionen Aufrufe im Monat – was einem monatlichen Verdienst von 300'000 Dollar entspricht. Erst nach vier Monaten kam Spotify hinter den Trick. Weil der Bulgare für die Accounts bezahlt hatte, lag kein Verbrechen vor.

  • Auch mithilfe von «Bot-Netzen» lässt sich Spotify ausnehmen: Wird ein solches Computer-Netzwerk auf den Streaming-Dienst losgelassen, kann es innert kurzer Zeit unzählige Songs hören. In einem Test hat der Software-Ingenieur William Bedell 2015 ein solches Bot-Netz gebaut. Es generierte damit an einem Tag etwa 32 Dollar Einnahmen pro Song.

  • Die New Yorker Band Ohm & Sport entwickelte 2015 aus Protest gegen die kümmerlichen Tantiemen von Spotify die App «Eternify», die ohne Unterlass 30-Sekunden-Clips eines Künstlers abspielt. Alle 30 Sekunden – so lange muss gehört werden, um bei Spotify als gestreamter Titel entlohnt zu werden – wanderten so 0,05 Cent auf das Konto des Künstlers. Spotify liess die App verbieten, da sie gegen die allgemeinen Geschäftsbestimmungen verstiess.

  • Eine amerikanische Indie-Band namens Vulfpeck hatte 2014 ein Album mit Songs auf Spotify geladen, die allesamt aus Stille bestanden. Vulfpeck baten ihre Fans, das Album «Sleepifiy» nachts als «Einschlafhilfe» laufen zu lassen. Die Band verdiente so 20'000 Dollar, dann löschte Spotify das Album.

  • Auch oft gesehen: Unbekannte Künstler nehmen Cover-Versionen von Hits auf, gerade von Stars, die nicht auf Spotify sind. Sucht ein User nach einem Hit von AC/DC zum Beispiel, landet er bei der Cover-Version. Falls eine Lizenz fürs Cover vorliegt, ist das allerdings nicht illegal.

Erstellt: 28.05.2019, 13:02 Uhr

Artikel zum Thema

«Spotify verdient nichts»

Interview Wer verdient im Musikgeschäft das Geld? Warum bleibt für die Musiker so wenig übrig? Konzertagent Berthold Seliger hat die Antworten. Mehr...

Spotify führt Funktion zum Blocken von Künstlern ein

Neu können Nutzer direkt im Profil der Musiker anklicken, dass diese nicht mehr gespielt werden sollen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Blogs

Mamablog Rassismus im Kindergarten

Sweet Home Designwohnung statt Hotel?

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...