Mix, Burn, RIP

Apple gibt seine Mediensoftware iTunes auf. Ein kleiner Nachruf.

Wurde 18 Jahre alt: Der iTunes-Store von Apple.

Wurde 18 Jahre alt: Der iTunes-Store von Apple. Bild: Keystone

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Ach, iTunes. Wir waren dir eine Zeit lang sehr verbunden, und das nicht nur, weil wir ständig den iPod anschliessen mussten, um zwei Musikalben rüberzukopieren. Weisst du noch? Du wurdest 2001 geboren, in einer Ära, als die Menschen noch CDs brannten, das hast du uns genial vereinfacht. «Rip, mix, burn» hiess das. Danke dafür!

2003 wurde dir der iTunes Store angebaut mit Songs zum Download. Damit hast du auch die Musikindustrie beruhigt wegen der Piraterie, dabei kam das Streaming erst noch. Aber war das nicht eine viel schönere Zeit, als man noch eine Musiksammlung besass und pflegte, auch wenn sie jetzt digital war?

Doch dann ist etwas passiert. Wir haben uns abgenabelt von dir und uns aus den Augen verloren. Manchmal hat man etwas von dir gehört: dass du jetzt auch Podcasts und Spielfilme anbieten würdest und Dinge machst, die niemand nachvollziehen konnte, etwas mit «Genius Mixes», was war das bloss?

Selten bist du mal aufgeploppt, wir haben nur das iPhone am Laptop aufladen wollen, und da hast du dich wieder gemeldet und warst nicht wiederzuerkennen: aufgedunsen und umständlich, als habest du bei jedem Befehl heim nach Cupertino anrufen müssen, um zu fragen, ob du ihn ausführen darfst.

Trotzdem traurig, wenn man hört, dass du bald abgesetzt wirst, seit einer Weile machen die eigenen Leute bei Apple offenbar nur noch Witze über dich. Dabei werden die Kulturgeologen der Zukunft, wenn sie dich einmal ausgraben, auf ein wunderbares Fossil stossen, mit allen Ablagerungen aus der Pionierzeit des digitalen Medienkonsums, als es üblich wurde, Musik mitzunehmen und später auch alles andere.

Wie hast du es damals so schön gesagt? Mix. Burn. RIP.

Erstellt: 04.06.2019, 17:45 Uhr

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