Parmesan und Basler Läckerli für Pink im Letzigrund

Die US-Pop-Sängerin trat in Zürich mit ihrer «Beautiful Trauma»-Show auf – schwindelerregende Zirkusflugeinlagen inklusive.

Nur für Schwindelfreie: Pink mit einer Akrobatikeinlage im Letzigrund. <nobr>Foto: Ennio Leanza/Keystone</nobr>

Nur für Schwindelfreie: Pink mit einer Akrobatikeinlage im Letzigrund. Foto: Ennio Leanza/Keystone

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Da turnt sie nun herum an einem übergrossen Kronleuchter und singt «Get the Party Started» – ihren ersten grossen Hit aus dem doch so fernen Jahr 2001. Aber, und das wird dann bereits beim Auftakt von Pinks Pop-Show im Zürcher Letzigrund vor 48'000 Zuschauern klar: Irgendwie verfängt dieser Aufruf zur Party halt immer noch, zumal mit dieser schwindelerregenden Zirkusflugeinlage.

Weil ja: Man hört in ihren am Dienstagabend allzu brachial gespielten und übergrell abgemischten Pop-Rock-Songs eine gewisse Zeitlosigkeit durch. Die 39-jährige US-Sängerin hat nie die absolute Zeitgenossenschaft behauptet und nie zu den grossen Trendsetterinnen oder Diven im Pop gehört. Wie phänomenal erfolgreich Alecia Beth Moores Songs über all die Jahre geblieben sind, kann dann schon mal vergessen gehen.

Natürlich gab es in dieser Karriere auch Krisen, es gab aber auch die persönliche Entfesselung mit dem trotzigen «I'm Not Dead» (2006). Und das Schöne und das Schreckliche und die Verletzungen, die in Pinks drogenversehrten Jugendjahren vergraben liegen, bestimmen ja auch den Titel ihrer aktuellen Tour. «Beautiful Trauma» heisst diese, benannt nach ihrem vorletzten Album (das im Frühling veröffentlichte «Hurts 2B Human» spielt am Konzert kaum eine Rolle). Das Dazwischen und die entsprechenden Töne, die fehlen in Pinks Wirken weitgehend.

Verbreitet gute Stimmung: Die 39-jährige US-Sängerin feiert das Leben und geniesst es, ihre Fans zu unterhalten. Foto: Andrea Zahler

Aber wir sind hier ja auch im Stadion, und damit in einer Show, in der etwelche Subtilitäten auch nicht gross interessieren. Pink geht es ums Feiern des Lebens, etwa dann, wenn ihre achtjährige Tochter Willow gegen Ende der zweistündigen Show über die Bühne turnt. Es geht um Selbstermächtigung, Liebe, und natürlich auch um die Party und den Fun. Pink turnt am Trapez, wirbelt durch die Luft, lässt die Umzieh- und Erholungspausen mit Videos überbrücken, und wenn die Tänzerinnen und Mitakrobaten in Märchengewändern erscheinen, dann betont das die zeitweilige Zirkushaftigkeit dieses Auftritts.

Eine überirdische und unnahbare Superheldin ist Pink dennoch nicht. Auf der Videowand erscheinen auch Bilder aus ihrer kaputten Jugend, man hört ihre Stimme auf der Clip-Tonspur, wie sie diese Zeit verarbeitet hat, sieht Impressionen von Anti-Brexit- und Pro-Abtreibungs-Demos, sie wendet sich gegen die gängigen Schönheitsideale, ruft dann dazu auf, die Herzen zu öffnen. Sie gibt in der Folge «What About Us», ihren Schrei nach mehr Einigkeit auf der Welt – und die Powerballade «For Now». Das Publikum schenkt ihr Parmesan (ausgerechnet) und Basler Läckerli (mit der Aufschrift «Next Stop Basel?»), und Pink vergisst die grosse Show im obligatorischen Akustik-Block, umarmt Fans, gibt Autogramme. Sie scheint in diesen Momenten angekommen zu sein, stimmt passenderweise ein umjubeltes «I Am Here» an.

Bühnenshow mit Tanzeinlagen: 48'000 Zuschauer haben am Dienstagabend das Konzert von Pink im Zürcher Letzigrundstadion mitverfolgt. Foto: Andrea Zahler

Als sie dann noch einmal losfliegt, über ihr Publikum schwebt und sich immer weiter in die Höhe schwingt und ihre Runden in der Luft durchs Stadion dreht, dann kann einem ob der drohenden Absturzgefahr schon der Atem wegbleiben. Aber sie kehrt zurück, sehr bodenständig, mit der letzten Ballade «Glitter in the Air». Weil dazwischen – zwischen dem Himmel und dem Boden – gibts bei Pink nicht sehr viel.

Erstellt: 31.07.2019, 00:40 Uhr

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