Party muss sein – trotz der Teenage-Ängste

Sie kennt die Sorgen der Teenager – weil Billie Eilish selber erst 17-jährig ist. In Zürich gab die US-Sängerin ihr erstes Schweizer Konzert.

Gibt sich auf dem Pressefoto recht lebensmüde: Billie Eilish. Foto: PD

Gibt sich auf dem Pressefoto recht lebensmüde: Billie Eilish. Foto: PD

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Neonfarbene Wollmützen und Shirts gibts in der Halle 622 in Oerlikon zu kaufen, wie auch ein weisses T-Shirt, auf dem Billie Eilish gezeichnet ist: Sie taucht auf diesem Fanartikel nicht neongrell, sondern mit traurigem Papphut und einer Tischbombentröte auf. «I'm not your party favor» steht dann da, in Anlehnung an einen Songtitel von ihr. Das passt, denn die Party ist in den Liedern der gerade mal 17-jährigen Amerikanerin vorbei oder zumindest getrübt. So, wie das Teenage-Herz meist vor lauter Liebeskummer gebrochen ist, denn in diesem Alter des Heranwachsens möchte man sich ja am liebsten regelmässig im Boden vergraben. Und sei es nur aus Selbstmitleid.

Aber natürlich gehts dann am Freitagabend nicht um Trübsal, denn das ist hier ein ausverkauftes Popkonzert, an dem die Fans alles herausschreien können. Und wenn Billie Eilish mit ihren gletschereisblauen Haaren auf der Bühne erscheint, nach einem überlangen Vorprogramm und begleitet von zwei Mitmusikern, dann pegelt sich das Kreischen der Teenager- und End-Teenager im allerhöchsten Bereich ein. Neonröhren leuchten, die Handys sind selbstverständlich gezückt, und Eilish singt und springt sich dann durch Songs, die die verschiedenen Aggregatszustände des gegenwärtigen Mainstreampop mustergültig abdecken. Zischende Trap-Sounds werden eingebaut, aber nicht zu oft, ihr Bruder Finneas, der die Songs mitschreibt, dreht dann aber auch mal am Volumen seiner Gitarre – und man hört in den Balladen, die den grössten Teil ihres einstündigen Sets ausmachen, vor allem jenen Weltschmerz durch, den Lana Del Rey so elegant beherrscht.

Mit «Ocean Eyes» fiel sie zum ersten Mal auf: Billie Eilish. Video: Billie Eilish (Youtube)

Nur dass Billie Eilish nicht wie Del Rey vom Vergehen der Zeit und dem amerikanischen Mythos singt, sondern vom Moment, vom Dasein als Jugendliche. Das geht dann um die «boys», um das Verlieren des Verstandes, der in der Gosse liegt, um die Langeweile, wenn man wieder einmal alleine zurückgelassen wird. Und der Frage: Gibt es da Erlösung?
Billie Eilish trifft diesen Teenage-Angst-Ton, den auch jene Erziehungsberechtigten, die hinten in der Halle ausharren, verstehen. Und weil auch die Musikindustrie weiss, dass hier eine Sängerin ist, die wieder einmal die verschiedenen Generationen vereinen könnte, hat sie die Karriere entsprechend geschickt lanciert: Billie Eilish taucht nicht nur in den gewöhnlichen Playlists der Streamingdienste auf, sondern auch in der Netflix-Serie «13 Reasons Why» oder auf dem Album mit Songs, die vom Oscar-Film «Roma» inspiriert sind.

Ihr bislang bester Song: «Bury a Friend». Video: Billie Eilish

Und dann ist da noch ihre aktuelle Single «Bury a Friend», die mit dem minimalen Beat und der geisterhaft verfremdeten Stimme von Eilish die Komfortzone des algorithmisierten Popsongs verlässt. Der Reiz dieses Songs geht in der Halle unter – wie die Nuancen ihrer Lieder an diesem Abend sowieso allzu oft untergehen – weil Party muss eben sein. Auch wenn hier gerade einer begraben wird.

Erstellt: 23.02.2019, 07:43 Uhr

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