Pop-Briefing: Schlechte Neuigkeiten von Madonna

Die neue Popmusik-Kolumne: Heute mit existenzialistischer Musik aus Costa Rica und einer kleinen Publikumsbeschimpfung.

Zufrieden mit dem Pferd, aber sehr unzufrieden mit Portugal: Erfolgssängerin Madonna.

Zufrieden mit dem Pferd, aber sehr unzufrieden mit Portugal: Erfolgssängerin Madonna.

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Das muss man hören


Es scheint, dass besonders sensible Kommentarspaltenschreiber ob der Befehlsform dieses Kapitels immer wieder in Aufregung geraten. «Man müsse gar nichts», pflegen sie zu maulen. Um die Sorge um ihre Handlungsfreiheit noch ein bisschen anzuheizen und ihnen Futter für neuerliche Aufwallung zu bieten: Für den folgenden Song herrscht sogar ganz dringende Hörpflicht! Bei Zuwiderhandlung gibts was auf die Kommentarspaltenschreiberfingerchen.

Acht Jahre lang war von der britischen Folksängerin Charlene Soraia nichts mehr zu hören. Sie, die in ihrer Karriere schon eine Platinauszeichnung eingeheimst hatte, jedoch stets künstlerisch zu ambitioniert schien, als dass sie zum herkömmlichen Popstar getaugt hätte. Auf ihrem neuen Album und somit auch für dessen Parade-Track «Temptation» benötigt sie einzig ihre Gitarre und ihre Stimmbänder, um eine selten gehörte Grossartigkeit zu entfalten. Höret selbst:

Darüber wird gesprochen


Nicht nur mit ihren Kommentarspaltenschreibern, sondern gleich mit einem ganzen Land hat sich in diesen Tagen die Erfolgssängerin Madonna angelegt. Für einen Videodreh hatte sie vor, ein ausgewachsenes Pferd in den altehrwürdigen Palast Quinta Nova de Assunção im portugiesischen Sintra zu bemühen. Das Palastoberhaupt lehnte das Begehren mit dem Hinweis auf den sensiblen Holzboden ab, was Madonna derart erzürnte, dass sie sich zu einem diplomatischen Scharmützel hinreissen liess. Die Sängerin, die seit einem Jahr in Lissabon lebt, warf Portugal in der Folge Undankbarkeit vor, habe sie doch dem kleinen Land schon dermassen viel Gutes getan (was genau, erläuterte sie indes nicht). Derart beleidigt sei sie, dass sie Portugal nun umgehend verlassen und wieder nach New York ziehen werde.

Sauer sind nun aber auch die Oberen von Portugal und verweisen ihrerseits auf Privilegien, die Madonna in Portugal genossen habe. So habe ihr das Rathaus von Lissabon einen verbilligten Parkplatz zur Verfügung gestellt, ihr Sohn durfte beim Fussballclub Benfica mittrainieren, und ihre Töchter konnten eine Schule besuchen, für die normalerweise eine Warteliste bestehe. Egal. Madonna hat offenbar schon diverse Koffer aus ihrem Hotel räumen lassen.

Und um auch musikalisch wieder ein bisschen ins Gespräch zu kommen, hat sie auch gleich noch einen Auftritt am diesjährigen Eurovision Song Contest in Israel angekündigt. Mit welchem Getier sie hier antanzen will, ist noch nicht bekannt.

Das Schweizer Fenster


Auch noch nicht so richtig bekannt ist eine Dame namens Barbara Lehnhoff, obzwar sie eifrig mit ihrer postpunkigen Stammband Peter Kernel durch Europa und die Schweiz tourt. Nun hat die im Tessin lebende Kanadierin ihr zweites Soloalbum («Brutal») unter dem Namen Camilla Sparksss veröffentlicht. Ein abenteuerliches, raffiniert programmiertes, intensives, kunstaffines und herausforderndes Album ist es geworden. Angesiedelt im Spannungsfeld zwischen Schönheit und Ausnahmezustand.

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Was blüht


Er singt wie ein junger Gott, doch er bezeichnet sich selbst als finsteren Mistkerl. Dorian Wood aus Los Angeles ist ein Monumentalmusiker. Ekstatisch, obskur, bestrickend. Wenn dieser Mann auf der Bühne steht, dann will er nicht einfach Lieder singen, sondern musikalische Mahnmale setzen. Das Beiläufige ist nicht sein Ding, selbst wenn er zu einer zarten Pianoballade ansetzt, geht es schnell einmal um Leben und Tod.

Auf seiner aktuellen Tour geht es ausserdem um eine Frau, mit der er sich «im Trotz vereint» fühlt. Wood singt Lieder von Chavela Vargas, die zeitlebens ein ähnlich dramatisches Kunstwollen an den Tag legte wie er, die am selben Tag Geburtstag hat (am 17. April wäre Vargas 100 geworden) und deren Stammbaum ebenfalls in Costa Rica wurzelt. Am Samstag, 20. April, gastiert Dorian Wood zusammen mit Musikern des Kaleidoscope String Quartet in der Berner Dampfzentrale, einen Tag später tritt er im Züricher Moods auf.

Das Fundstück


Die gute alte Soulmusik durchlebt gerade eine turbulente Zeit. Von allen Seiten wirken Kräfte der Erneuerung auf sie ein, die Sachzwänge des Pop lasten auf ihr, und überall wird sie aus der Puderdose des Süsslichen bestäubt. Doch langsam bildet sich eine Gegenbewegung, die der Verpixelung und der Entfleischlichung des Soul entgegenzuwirken trachtet. Dass daraus nicht dumpfer Traditionalismus resultieren muss, beweist die Gruppe Roseaux aus Frankreich mit der Vorabsingle zu ihrem neuen Album.

Die Wochen-Tonspur


Welche Neuerscheinungen sind uns ins Ohr gestochen? Diese Woche gibt es 21 neue Songs, unter anderen: indischer Hip-Hop von Viveick Rajagopalan, ein bisher unveröffentlichtes Stück von Zuco 103, Brass-Drum-’n’-Bass vom Broken Brass Orchestra, Anheimelndes von Salvador Sobral, Frauen-Punk von Control Top und Avantgarde-Pop aus Venezuela von La Chica.

Erstellt: 16.04.2019, 14:42 Uhr

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