Schweizer Produzent: «Prince ist für mich zeitlos»

Der Schweizer Tonmeister Jamie Lewis arbeitete an einem der letzten Alben von Prince mit. Erinnerungen an harte Tage in den Paisley Park Studios.

Sorgte dafür, dass Prince gut klingt: Jamie Lewis. Bild: zVg

Sorgte dafür, dass Prince gut klingt: Jamie Lewis. Bild: zVg

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Prince ist tot – Sie haben mit ihm gearbeitet...
… ich bin total schockiert. Ich hätte ihn auch in 30 Jahren noch auf der Bühne gesehen. Er wirkte viel jünger, als er war.

Was für ein Mensch war Prince?
Es war schwierig, an ihn heranzukommen, aber wenn man mal Teil seines Teams war, dann ist es fast wie wenn man in eine Familie aufgenommen wird. Wir gingen mit ihm und seinen Musikern ins Kino, er ass mit uns. Man konnte lachen mit ihm. Er war eine hart arbeitende Musikmaschine – aber auch ganz Mensch, ein lieber Mensch, sehr respektvoll. Er liess einen nie alleine, wenn es bei Aufnahmen Probleme gab. Typisch für seine zurückhaltende Art war auch, dass es ein Fotoverbot in seinem Musikstudio Paisley Park gab. Und wenn du Prince googelst, findest du keine Selfies von ihm, Posen war nicht seine Sache.

Und wie war er als Musiker?
Für ihn war Sound wichtig, er war Perfektionist, alles musste stimmen. Er war Vollblutmusiker. Mit ihm im Studio zu sein, war unglaublich, bei seinen Sessions stimmte alles, in einem Take war alles perfekt. Er nahm alles live auf, vom Gitarrenriff bis zu Bläser. Er arbeitete sogar bei den Gitarren mit Raumhall. Er hatte ein Team, das genau so tickt wie er, es wusste, was er meint. Ich kenne keinen Künstler wie ihn, einzigartig.

Was machte ihn einzigartig?
Er schaute nie auf die anderen, schwamm nie mit dem Strom. Wenn man Prince hört, ist Prince drin. Er ist für mich zeitlos. Ich bewunderte an ihm, dass er oft sagte «I don’t like this». Er hatte seine musikalischen Visionen im Kopf, und die wollte er dann sofort umsetzen. Paisley Park war wie eine Musikfabrik, seine Musiker hatte er dort auf Stand-by. So konnte er sofort aufnehmen, egal ob in der Nacht oder am Morgen. Alles musste schnell gehen.

Das klingt anstrengend.
Stimmt. Es war zwar sehr angenehm mit ihm zu arbeiten, aber man schwitzte auch, es war stressig, der Mix musste jeweils in ein paar Stunden fertig sein, er verlangte viel. Alles musste schnell gehen, sofort. Nur der Sonntag war frei. Am Sonntag arbeitete man nicht, sonst gab es kein Limit. Alle in Paisley Park waren auf seiner Wellenlänge.

Das Star-Klischee von Drogenexzessen scheint er nicht erfüllt zu haben.
Das Essen war vegetarisch, kein Alkohol, statt Champagner gab es etwas Ähnliches wie Rimuss. In der Zeit mit Prince nahm ich sicher zwei Kilo ab. Gesünder kann man nicht leben.

Prince war bereits zu Lebzeiten eine Ikone. Waren Sie nicht eingeschüchtert?
Als ich ihn das erste mal Face-to-Face sah, machte ich mir nicht gross Gedanken, ich dachte, ich nehme es, wie es kommt. Ich glaube, das gefiel ihm. In USA sagen sie zu den grossen Künstlern meistens, alles sei toll. Aber ich gab ihm offenes Feedback, sagte meine Meinung zu seiner Songauswahl. Er wollte, dass ich meine Meinung begründe. Ich gab ehrliche Antworten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.04.2016, 22:46 Uhr

Ein Schweizer Team für Prince

Jamie Lewis aus Winterthur und Ben Mühlethaler aus Bern haben das 2014 erschienene Album PlectrumElectrum aufgenommen, abgemischt und gemastert. Prince spielte zusammen mit der Band 3rdeyegirl. Gearbeitet wurde im legendären Paisley Park Studio in Chanhassen, in der Nähe von Minneapolis, im US-Bundesstaat Minnesota. Lewis arbeitet schon im Jahr 2011 für Prince. In Winterthur produzierte er für sein Label Purple Music Remixes und Club-Versionen wie «Dance 4 Me», «Rock and Roll Love Affair».

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