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Rage, Revolutionsgeist und Raserei

Mundart-Rap erlebte 2016 das wahrscheinlich beste Jahr seiner Geschichte. Weil die Speerspitze der jungen Rapper auf einer neuen Bewusstseinsebene angekommen ist.

Alle hüpfen, drängen und rappen mit: Saviours of Soul alias S.O.S. auf der Bühne. Foto: Jojo Schulmeister
Alle hüpfen, drängen und rappen mit: Saviours of Soul alias S.O.S. auf der Bühne. Foto: Jojo Schulmeister

Der Höhepunkt des Schweizer Rap-Jahrs endet mit einem Kollaps. «I platze», kann Rapper Dawill gerade noch hervorstossen, dann sinkt er zu dem langsam zum Stillstand kommenden Beat in seiner dicken Jacke und den klobigen Timbalandboots auf das Kopfsteinpflaster der Berner Altstadt nieder. Exitus.

Dieses theatralische Zu-Boden-Gehen ist der Abschluss des Stücks «Zement Jungle». Ein Bandwurm von Wörtern, der sich um die Verlorenheit von Mittelschichtkids dreht, um das Gefangensein in einer Maschinerie, um die Unfähigkeit auszubrechen. «Miär sy Blueme us dere Gossä, verchoufä loufend d Chance mal zäme öppis Grosses uufzboue», rappt er etwa. Das Besondere daran ist die Präsentation: Dawill, Stadtberner mit dominikanischen Wurzeln, rappt cool, hypersensibel und analytisch zugleich. Der Beat hat etwas vom Puls eines medizinischen Überwachungsgeräts. Mundart-Rap ist auf einer neuen Bewusstseinsebene angelangt.

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