Schon wieder sie

Sophie Hunger hat nun auch noch den mit 100'000 Franken dotierten Schweizer Musikpreis bekommen. Ist das sinnvoll?

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Sie ist jung, sie ist eine Frau – damit war sie fällig: Sophie Hunger, Singer/Songwriterin und eine der erfolgreichsten Schweizer Musikerinnen, erhielt gestern den dritten Schweizer Musikpreis. Nachdem in den vergangenen Jahren mit Franz Treichler von den Young Gods und dem Komponisten Heinz Holliger zwei Veteranen des hiesigen Musikbetriebs ausgezeichnet worden sind, hätte man schon fast auf sie wetten können.

Aber ist ihre Wahl auch sinnvoll? Diese Frage ist schwieriger zu beantworten. Denn es ist ein seltsamer Preis, den das Bundesamt für Kultur (in der Musik wie auch in anderen Kultursparten) seit drei Jahren vergibt. Mit viel Geld ist er verbunden: 100'000 Franken gibts für den Gewinner, immerhin noch 25'000 Franken für die übrigen 14 Nominierten. Aber gleichzeitig hat der Preis wenig Profil: Nominiert werden Junge und Alte, die stilistische Bandbreite reicht vom Jazz über den Pop und die Experimental-Elektronik bis zur zeitgenössischen Klassik. Ist der Preis ein Förderpreis oder die Anerkennung für ein Lebenswerk? Nach welchen Kriterien können so unterschiedliche Stile verglichen werden? Und welche Rolle spielen föderalistische Überlegungen bei der Vergabe?

Was heisst schon innovativ?

Die Statuten verraten es nicht. Dort ist einzig festgehalten, dass es um «herausragendes und innovatives Schweizer Musikschaffen» gehe. Herausragend ist Sophie Hunger zweifellos, mit dem Innovativen ist es nicht ganz so einfach: Bisher ging man davon aus, dass damit all das gemeint ist, was bei dem populäreren Swiss Music Award keine Chance hat und deshalb anderweitig gefördert werden muss. Aber Sophie Hunger wurde gerade im vergangenen Februar auch bei den Awards geehrt.

Überhaupt sammelt sie Auszeichnungen wie derzeit niemand sonst: 2016 hat sie auch noch den mit 50'000 Franken dotierten Zürcher Festspielpreis erhalten, und in den vergangenen Jahren förderten sie die Pro Helvetia, die Migros, die Stadt Zürich und die Suisa um die Wette; man müsste ihr glatt auch noch die Prämie der meistdekorierten Schweizer Musikerin zusprechen. Verschiedentlich wurde deshalb nach der gestrigen Preisvergabe gestänkert, andere hätten die 100'000 Franken nun wirklich dringender gebraucht als Sophie Hunger. Den Neid, der aus diesen Bemerkungen spricht, braucht man nicht zur Kenntnis zu nehmen; aber sie verraten eben auch ein durchaus verständliches Unbehagen gegenüber einem Preis, von dem man nicht wirklich weiss, was er soll.

Aber vielleicht ist ja alles ganz einfach. Vielleicht ist dieser Preis gar nicht für die Musiker da, sondern die Musiker dienen dem Preis dazu, eine Linie zu entwickeln. Sophie Hunger wäre dann einfach jene junge Frau gewesen, die nach den beiden älteren Herren das Spektrum der Preisträger am stimmigsten erweitert. Und wenn man eine Prognose wagen darf für den Schweizer Musikpreis 2017: Dann dürfen sich die Tessiner Jazzer schon mal freuen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.09.2016, 12:17 Uhr

Die Nominierten 2016

Für den Schweizer Musikpreis waren dieses Jahr neben Sophie Hunger folgende Musikerinnen und Musiker nominiert: Susanne Abbuehl, Laurent Aubert, Philippe Jordan, Tobias Jundt, Peter Kernel, Matthieu Michel, Fabian Müller, Nadja Räss, Matthias Rüegg, Hansheinz Schneeberger, Colin Vallon, Hans Wüthrich, Lingling Yu und Alfred Zimmerlin. Sie erhalten je 25'000 Franken.

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