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Schubidubidu mit E

Am Blue-Balls-Festival in Luzern schlossen die Eels ihre Welttournee ab – mit einem ebenso krachenden wie einschläfernden Konzert.

Mark Oliver Everett alias E auf seiner Welttournee 2018.
Mark Oliver Everett alias E auf seiner Welttournee 2018.
José Sena Goulao, Keystone

Wenn Mark Oliver Everett alias E die Bühne betritt, darf man als Zuschauer einen bunten Strauss an Verschrobenheiten erwarten. Der altgediente Independentpop-Bastler kann seine Eels ja nach Belieben süss oder nerdig oder depro oder mit Streichern oder brachial klingen lassen, wobei das Songmaterial im Prinzip dasselbe bleibt.

Ein erstes Indiz, wie es um den aktuellen Seelenzustand des Eels-Masterminds steht, ist die zur Schau getragene Mode. Wir erinnern uns an eine Band in Anzügen und an eine Band in Trainingsanzügen, um nur die prägnantesten Couture-Kauzigkeiten aus mittelferner Vergangenheit zu nennen.

Drei gepflegte Dudes

Zur Eröffnung des Blue-Balls-Festivals in Luzern, das während neun Tagen über 100 Konzerte feilbietet, gibt sich Mister E nun in Jeans-Vollmontur samt Kette in der Hosentasche die Ehre. Seine dreiköpfige Band tritt unisono mit weinroter Hose, schwarzem Hemd, Bart und Sonnenbrille auf. Das wirkt etwa so, als hätten sich drei gepflegte Dudes aus «The Big Lebowski» um einen echt harten Hund geschart.

Aber dieser harte Hund namens E, der erstmal wie der Teufel losrockt und unter anderem «Out in the Street» von The Who und «Raspberry Beret» von Prince in Stücke sägt, ist ein durch und durch ironischer Zeitgenosse. Das zeigt sich, wenn er in Songs vom aktuellen Album – etwa «Bone Dry» – den hampelnden Tanzbär gibt und dazu ungeniert «schubidubidu»oder «uhuhuhu» singt.

Das ist seltsam, doof und lustig. Jedenfalls so lange nicht zu viel Wüstenstaub ins Getriebe gerät, was allerdings ziemlich oft der Fall ist bei diesem knarzig dargebotenen Trockenfutter. Mister E, 55-jährig, gibt denn auch bald zu, dass es für einen älteren Herrn wie ihn langsam «enough» sei mit hartem Rock und er nun lieber Softrock kredenze, was er denn auch tut und dabei diverses Rasselzeug durch die Luft schwingt.

E macht Standup-Comedy

Doch je softer der Sound, desto dünner die Intensität. Der aktuelle Eels-Mix will nicht zünden. Das merkt auch E, der sich in der Folge zu einer kurzen Standup-Comedy-Einlage genötigt sieht, sich über die sexuelle Bedeutung von «blue balls» mokiert und auch später immer mal was von «ejaculation» zwischen den Songs brummt.

Da scheint es, als ob sich E im Grunde am liebsten mit E unterhält, der Rest geht ihm am Jeansstoff vorbei. Wobei nachzutragen wäre: Die Eels hätten sich ja vor vier Jahren um ein Haar aufgelöst, aber dann hat man die Krise zu einer Kreativpause umgedeutet, erst jüngst erschien das bemerkenswert lüpfige Album «The Deconstruction».

Diese Musik erinnert einen daran, dass es mal trendig war, Neunzigerjahre-Grunge und Alternativerock mit so viel Süssstoff zu versetzen, dass empfindsame Nerds in Ekstase gerieten. Inzwischen nimmt man es als okayen Umstand zur Kenntnis, dass solch antiquiertes Schrägwerk überhaupt noch da ist. Mit oder ohne «blue balls». Blue Balls Festival: Bis 28. Juli.

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