Sektenähnliche Zustände

Der Hashtag #MuteRKelly ruft zum Boykott des R’n’B-Stars auf. Über den Sänger kursieren seit Jahren Vorwürfe wegen Missbrauchs von Minderjährigen.

Trotz Missbrauch-Vorwürfen ist R. Kelly noch immer wohlgelittener Teil des Showgeschäfts.

Trotz Missbrauch-Vorwürfen ist R. Kelly noch immer wohlgelittener Teil des Showgeschäfts.

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Kann einer, der so schöne, gar überlebensgrosse R’n’B-Hymnen wie «I Believe I Can Fly» oder «The World's Greatest» gesungen hat, ein Sexmonster sein? Einer, der minderjährige Frauen als Sexsklavinnen halten soll? Wiederkehrende Berichte, zuletzt die BBC-Dokumentation «Sex, Girls and Videotapes», erhärten die schwerwiegenden Missbrauchsvorwürfe, die seit Jahren gegen den Popsuperstar R. Kelly erhoben werden: Da berichtet eine Ex-Freundin, dass der 51-Jährige die Frauen als Tiere bezeichnet und er sie auf seine sexuellen Vorlieben hin «trainiert». Ein Ex-Manager bestätigt, dass Kelly 1994 im Geheimen die damals erst 15-jährige Sängerin Aaliyah geheiratet habe – eine Geschichte, die seither herumgeisterte, aber immer wieder dementiert wurde. Betroffene berichten von sektenähnlichen Zuständen. Ein Freund des Sängers sagte zudem, dass Kellys Vorliebe für junge Frauen «zum Allgemeinwissen in seiner Entourage gehört».

Trotz diesen Vorwürfen ist R. Kelly noch immer wohlgelittener Teil des Showgeschäfts. Geht es nach Aktivistinnen und Aktivisten der Time’s-up-Bewegung, soll sich dies nun ändern. Via Twitter lancierten sie am Montag den Hashtag #MuteRKelly und fordern in einem offenen Brief neben einem Boykott seiner Musik auch «angemessene Ermittlungen und Untersuchungen der Missbrauchsvorwürfe gegen R. Kelly, die schwarze Frauen und deren Familien vor mehr als zwei Jahrzehnten erhoben haben». Soulsänger John Legend, Regisseurin Ava DuVernay oder die #MeToo-Initiatorin Tarana Burke unterstützen mittlerweile die Aktion.

Das Management von R. Kelly bezeichnete den Boykottaufruf in einem Statement von gestern als «gierige, bewusste und heimtückische Verschwörung» gegen den Sänger, der 2008 in einem Kinderpornografie-Prozess freigesprochen wurde.

Erstellt: 03.05.2018, 10:24 Uhr

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