«Selbst mit 40 Grad Fieber stand ich auf der Bühne»

Schlagersängerin Beatrice Egli ist nach einer Auszeit zurück: Mit einem neuen Album, einer eigenen Kuppel-Show – und parat für die Liebe.

Gibt alles auf der Bühne: Beatrice Egli bei der Aufzeichnung der Fernsehsendung «Die grosse Show zum Muttertag» Anfang Mai. Foto: Keystone

Gibt alles auf der Bühne: Beatrice Egli bei der Aufzeichnung der Fernsehsendung «Die grosse Show zum Muttertag» Anfang Mai. Foto: Keystone

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Beatrice Egli, heute werden Sie 31. Ebenfalls heute erscheint Ihr neues Album «Natürlich!». Wie feiern Sie Ihre sechste CD und Ihr Wiegenfest?
Mit ganz viel Rummel, Autogrammstunden und Fototerminen. Ich freue mich darauf.

Hätten Sie sich nicht lieber freigenommen?
Nein. Für mich ist es ein Geschenk, dass ich wieder Energie habe und meine Leidenschaft für die Musik voll ausleben darf. Damit erfüllte sich mein grösster Wunsch.

Ende letzten Jahres waren Sie erschöpft und mussten eine Pause einlegen. Haben Sie Ihre Kräfte überschätzt?
Ich liebe meine Arbeit, gehe in ihr auf. Deshalb wollte ich offenbar zu viel und habe dabei ein wenig vergessen, auf mich zu achten. Im November erkrankte ich an einer Grippe. Selbst mit 40 Grad Fieber stand ich auf der Bühne. Kein Wunder, sagte mein Körper irgendwann: Stopp!

Weshalb gönnten Sie sich nicht vorher Ruhe?
Weil ich meine Tournee nicht unterbrechen wollte. Eine solche ist etwas ganz Besonderes. Denn da präsentiere ich zweieinhalb Stunden eine Show, in die ich von der Entstehung bis zur Aufführung voll involviert bin. Ich konnte nicht aufgeben. Kaum war ich auf der Bühne, rückten Grippe und Müdigkeit in den Hintergrund, als hätte ich eine Spritze erhalten. Am Ende der Tour im Dezember war ich allerdings völlig kaputt.

«Früher brauchte es einen Nadelstich, und ich platzte wie ein Ballon, alle Emotionen sprudelten aus mir heraus.»

Um sich zu erholen, flogen Sie vor Weihnachten nach Australien, wo Sie zweieinhalb Monate durch das Land reisten. Was hat Ihnen die Auszeit gebracht?
Ich gewann Distanz, hatte nicht ständig das Gefühl, in einem Strudel gefangen zu sein, durfte abschalten. Ich spürte, wie stark ich die Musik brauche, aber auch, dass ich dringend etwas ändern musste.

Und zwar?
Ich verordne mir neu mindestens eine Woche Ferien pro Jahr und einen freien Tag pro Woche. Montags arbeite ich nicht mehr, lese keine Mails, gebe keine Interviews, nehme keine Anrufe entgegen und fahre an keinen Veranstaltungsort. In Australien habe ich meine Balance gefunden, meine Mitte.

Was bedeutet das konkret?
Ich bin reifer geworden, habe gelernt, zu mir zu stehen, zu akzeptieren, dass auch ich meine schlechten Phasen habe. Früher versteckte ich meine negativen Gefühle zwar nicht bewusst, sprach aber auch nicht darüber. Dann brauchte es von irgendwoher lediglich einen Nadelstich, und ich platzte wie ein Ballon, alle Emotionen sprudelten aus mir heraus. Ich konnte schreien, weinen, toben. Heute sage ich, wenn es mir nicht gut geht. Dadurch fällt eine Last von mir ab, und ich gehe ruhiger an die Dinge heran.

«Ich könnte mir durchaus vorstellen, im Herbst meines Lebens nach Australien auszuwandern.»

Zeigen Sie auch öffentlich, wenn Sie nicht fit sind?
Ja. Und es wirkt.

Inwiefern?
Am Flughafen hörte ich einmal, wie eine fremde Person sagte, ich hätte gestern auf der Bühne fröhlicher gewirkt. Damals entschuldigte ich mich fast dafür, dass ich nicht gut gelaunt rüberkam. Inzwischen traue ich mich, in ähnlichen Situationen zu sagen: «Ich habe nur zwei Stunden geschlafen und bin müde. Du würdest vermutlich auch nicht besser drauf sein.» Und plötzlich zeigen die Leute Verständnis für mich.

Sie sind offener, direkter geworden. Steckt auch in allen Liedern auf der «Natürlich!»-CD ein Funke Wahrheit?
Es ist mein erstes Album, das zu hundert Prozent autobiografisch ist, ja.

In «Terra Australia» singen Sie: «Irgendwann bleibe ich für immer da». Wie ernst ist es Ihnen mit dieser Zeile?
Im Moment suche ich mir ein Zuhause in Europa. Ich werde stets eine Basis in meiner Heimat im schwyzerischen Pfäffikon haben. Zudem fände ich es reizvoll, in Norwegen, Deutschland oder Italien zu wohnen. Ich muss in nächster Zeit herausfinden, wohin ich gehöre. Ich könnte mir durchaus vorstellen, im Herbst meines Lebens nach Australien auszuwandern.

«Ich hab gesucht, was mich zusammenhält»: Beatrice Egli in ihrem neuen Song «Terra Australia». Video: Youtube

Was hat Ihnen an diesem Land besonders gefallen?
Die Sonne! Und die Abwechslung: Melbourne erinnerte mich mit seinen Weinbergen an Frankreich, Brisbane war mit seinen Krokodilen wild, und im Landesinnern kam ich der Kultur der Aborigines, der Ureinwohner, näher. Nur Kängurus und Koalabären sah ich weniger als erwartet. Ich dachte, ich würde ihnen begegnen wie hier Gämsen und Steinböcken in den Bergen. Aber da hatte ich mich getäuscht.

Wie reisten Sie durch Australien?
Die ersten drei Wochen verbrachte ich mit einem befreundeten Schweizer Ehepaar und dessen zwei Kindern in einem Luxuscamper. Ich wollte über Weihnachten und Neujahr in Gesellschaft sein. Danach machte ich mich jedoch mit meinem Wagen auf und fuhr durch die Gegend, wie es mir gefiel, bevor ich die letzten drei Wochen mit meinem Produzenten in einem Strandhaus mein neues Album aufnahm.

Hatten Sie Erlebnisse mit Gifttieren?
Eines Morgens wollte ich aus meinem Zelt kriechen, aber davor lag eine Schlange. Ich hatte ganz schön Angst.

«Eines Nachts schlich sich eine Riesenkrabbenspinne ein.»

Wie reagierten Sie?
Ich zog den Reissverschluss zu und wartete eine Stunde. Als ich erneut nachsah, war die Schlange verschwunden. Von dem Moment an beschloss ich, nur noch im Auto zu schlafen. Da schlich sich allerdings eines Nachts eine Riesenkrabbenspinne ein, eine sogenannte Huntsman Spider. Zum Glück ist die nicht giftig, und ich konnte sie mit zwei Bechern in die Natur entlassen.

Blieben Sie während Ihres Roadtrips unfall- und pannenfrei?
Fast. Einmal ging mir das Benzin aus, weil ich die Tankstelle verpasst hatte und die Distanzen dort viel weiter sind als bei uns in der Schweiz. Zum Glück hielt ein Australier, der es offenbar gewohnt ist, dass Touristen wie ich nicht besonders gut vorbereitet sind. Er gab mir einen Kanister Benzin, den ich nachher immer brav füllte.

«Ich finde es spannend, zu sehen, wie es bei einem Paar funkt oder fetzt. Hauptsache, ich werde nicht selbst verkuppelt.»

Am 16. Juni wurde zum ersten Mal Ihre Sendung «Schlager sucht Liebe» auf RTL ausgestrahlt. Darin hoffen Schlagersänger auf eine Beziehung. Warum moderieren Sie eine Kuppel-Show?
Ich bin Fan solcher Formate. Ich schaue auch gerne «Bauer, ledig, sucht …» oder Ähnliches. Ich finde es spannend, zu sehen, wie es bei einem Paar funkt oder fetzt. Hauptsache, ich werde nicht selbst verkuppelt.

Dabei sagten Sie kürzlich, in Australien hätten Sie bemerkt, dass Sie für ein Leben zu zweit geboren seien.
Stimmt. Eine Zeit lang konnte ich mir nicht vorstellen, irgendwann zu heiraten. Inzwischen wäre ich aber bereit für eine Beziehung. Nur: Ich kann sie nicht erzwingen, bloss offen durch das Leben gehen.

«Rock mis Härz» ist Ihr erstes Lied in Schweizerdeutsch. Und eine Aufforderung an die Männerwelt?
Ich bin megahappy, dass ich einen Song in Mundart aufnehmen konnte, den sogar meine deutschen Fans mitsingen. Und ja: Ich möchte, dass jemand bald mein Herz rockt.

«Natürlich!» ist das sechste Studioalbum von Beatrice Egli. Es erscheint heute, am 21. Juni.

Erstellt: 21.06.2019, 20:21 Uhr

Früher Coiffeuse, heute Schlagersängerin

Beatrice Egli kam am 21. Juni 1988 in Lachen SZ zur Welt und ist mit ihren drei Brüdern in Pfäffikon SZ aufgewachsen, wo ihre Mutter eine Metzgerei führt. Die gelernte Friseurin nahm bereits als Teenager Gesangsstunden und später Unterricht an der Schule für Schauspiel in Hamburg.

2013 gewann sie die zehnte Staffel der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar». Seither tritt sie international als Schlagersängerin und Moderatorin auf. Sie hat den deutschen Musikpreis Echo gewonnen sowie den Prix Walo und zweimal den Swiss Music Award.

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