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Seven singt nun «Seele» statt «Soul»

Der Schweizer Soulsänger Seven wechselt in seinen neuen Songs die Singsprache. Warum er das macht.

Benedikt Sartorius
Angezogen in der Badi: Seven in Zürich. Foto: Tom Egli
Angezogen in der Badi: Seven in Zürich. Foto: Tom Egli

Jetzt lässt er seine Seele raus. Und singt in seiner neuen Ballade «Seele»: «Ich will verletzlich bleiben und ehrlich sein. Auch Gefühle teilen, auch wenn es gefährlich scheint.» Und man fragt sich, was der Aargauer Soulsänger Seven denn in den letzten knapp zwanzig Jahren, die seine Karriere bereits andauert, anderes gemacht hat. Bloss «Synthetic Soul», wie einer seiner frühen Songs heisst? Bloss falsche Gefühle, so, wie das Popmusik nicht selten vorgaukelt? Alles nur Pose?

Seven erklärt den Sprachwechsel vom Englischen zum Deutschen, den er in seinen neuen Songs vollzieht, beim Treffen in einem Zürcher Café natürlich anders: «Ich ziehe nun nicht mehr nur die Hosen, sondern gleich auch die Unterhosen runter.» Ganz nackt sei er also in den neuen Songs, denn auf Deutsch singen: das sei nochmals anders, direkter, ein Wegbröckeln des Schutzes. Zumal für einen wie ihn, der sich als Kontrollfreak bezeichnet. «Es ist ja etwas anderes, ob du nun ‹I miss you› oder ‹Ich vermisse dich› singst. Beim Deutsch ist die Schlagerfalle halt sehr weit offen.»

So klingt es, wenn Seven «Seele» singt. Video: Seven

Bis der 41-jährige Jan Dettwyler so weit war, den Schutz der englischen Sprache aufzugeben, dauerte es. Aber er kann den Moment genau datieren, als er zum ersten Mal die Songsprache wechselte. Das war vor fünf Jahren, als er von Xavier Naidoo eingeladen wurde, in der TV-Show «Sing meinen Song» mitzumachen. Er interpretierte dann Nenas Neue-Deutsche-Welle-Schlager «99 Luftballons» – es war der entscheidende Schub für die Karriere im Ausland, den er bereits vor zehn Jahren angestrebt hat.

Mit seiner Interpretation von Nenas «99 Luftballons» schaffte Seven den Durchbruch in Deutschland. Video: Seven

Damals verliess Seven sein Label Nation Music zugunsten des Majorlabels Sony, er veröffentlichte eigens eine Best-of-Sammlung für den deutschen Markt – etwas, was im heutigen Streamingzeitalter, in dem das physische Produkt nur noch eine marginale Rolle spielt, undenkbar wäre. Er erinnert sich an diese Zeit, wie er überall kratzen musste, in der Hoffnung, dass irgendetwas passiert. Und er war überglücklich, als sein Song «Lisa» vom Radiosender Energy Berlin gespielt wurde. Aber viel mehr? Passierte dann doch nicht.

Bis 2014 Michi Beck von den Fantastischen Vier auf ihn aufmerksam wurde, mit seinem vielleicht unpoppigsten Album «BackFunkLoveSoul», und er das Vorprogramm der deutschen Hip-Hop-Klassiker bestreiten durfte. Und dann eben: die Einladung in die populäre Sendung «Sing meinen Song», die am Freitag in einer Schweizer Version lanciert wird – mit Musikprominenten wie Francine Jordi, Krokus-Sänger Marc Storace oder Steff La Cheffe und mit ihm, Seven, als Moderator und Gastgeber.

«Dann hast du es einfach nicht verdient»

Ein «Gschichtli», wie es Seven nennt, finde so zusammen. Hier der Start der Tauschkonzertshow, dort seine kurze Liedersammlung «Brandneu», die er ein «Halbum» nennt. Weil es mehr als ein paar deutschsprachige Singles, die mit Live-Versionen abgerundet werden, sind. Und weniger als ein ausgewachsenes Album, weil es zu kurz ist. Aber sein «Gschichtli» wirft für ihn Fragen auf. Hat es diese langen Jahre, in denen nicht viel passiert sei, wirklich gebraucht? «Ich finde: Der Weg ist das Ziel, selbst wenn das jetzt esoterisch klingt. Denn wenn das Ziel der Grund ist, warum du Musik machst, dann hoffe ich, dass du schnell weg bist. Dann hast du es einfach nicht verdient.»

Sevens Geschichte: Sie beginnt mit Hip-Hop-Partys, die er als Jugendlicher in seinem Heimatort Wohlen veranstaltete. Nichts, aber wirklich gar nichts sei in diesem Kaff mit immerhin zwölf-, dreizehntausend Einwohnern los gewesen sei. Er buchte DJs, vermittelte, verdiente sein erstes Geld mit Musik, noch ehe er auf der Bühne gestanden ist. Dettwyler wurde zum Mischler, zum unabhängigen Unternehmer, der er nach den Jahren beim Majorlabel nun wieder ist, weil er fast alles mit seiner Firma Redkey regelt. «Ich schaue lieber für mich – und nehme dafür das komplette Risiko auf mich. Dafür bin ich immer die Nummer 1 und muss niemanden quersubventionieren. Und umgekehrt.»

Er schaut lieber für sich: Kontrollfreak Seven. Foto: Tom Egli
Er schaut lieber für sich: Kontrollfreak Seven. Foto: Tom Egli

Natürlich entwickelte sich Seven in all den Jahren zum Sänger, der wie selbstverständlich seine Prince- und Michael-Jackson-Obsession in eigene Songs übersetzt. Er singt und produziert ja eine Musik, die immer ein wenig zu slick, zu weltläufig wirkt für den Schweizer Markt, aber im Vergleich mit der Superstarkonkurrenz dann doch zu wenig eigenartig klingt. So ist die Hinwendung zur deutschen Sprache auch eine nötige Profilschärfung, die dann besser funktioniert, wenn Seven das Balladenfach verlässt – und insbesondere in «King Kong» mitsamt einem Gastspiel von Thomas D. eine schöne Lockerheit findet.

Aber nur Deutsch singen? Nein, sicher nicht. «Ich habe jetzt einfach zwei Stifte, einen deutschen und einen englischen.»

Seven: «Brandneu» (Sevenmusic Records), erscheint am 28.2.

Die erste Folge von «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert», Freitag, 21.2., TV24, 20.15 Uhr

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