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Sex, Drogen und eine Modelleisenbahn

Neil Young versteigert Teile seiner riesigen Sammlung von Modelleisenbahnen. Er ist nicht der einzige Hobby-Bähnler unter den Rockstars.

In den 60ern hätte sie ein Plattencover zieren können, die Dampflok im psychedelischen Farbkleid. Das skurrile Modell einer Commodore Vanderbilt wird nächsten Monat in Los Angeles versteigert; zusammen mit rund 230 weiteren Modelleisenbahnen. Doch es ist diese bunte Stromlinienlok, die am ehesten etwas über den bisherigen Besitzer der Sammlung verraten könnte: Neil Young. Ja, dieser Neil Young – Pionier des psychedelischen Folkrocks, Godfather of Grunge, passionierter Modellbähnler.

Irgendwann in den 70ern hatte sich der Kanadier seine erste Modelleisenbahn gekauft, als «Hippie mit Geld», wie er einmal erzählte. Die Starterpackung musste ihn damals mit dem Modellbahn-Virus infiziert haben. Denn später baute sich Young eine ganze Anlage, die er zusammen mit seinem behinderten Sohn Ben bespielt. Der Musiker beteiligte sich gar am US-amerikanischen Modellbahnhersteller Lionel. In den 2000ern rettete er die Firma vor dem Bankrott. Der Tausendsassa Young hatte nämlich ein Soundmodul für Loks und eine neuartige Fernsteuerung ausgetüftelt. Die zwei Neuheiten verliehen Lionel wieder Auftrieb.

Neil Young erzählt von seiner ersten Modellbahn.

Auch Clapton und Springsteen sind Bähnler

Hügelzüge gipsen, Häuschen leimen, Züge kreisen lassen – das alles entspricht nicht gerade dem gängigen Bild des Rock-’n’-Roll-Lebensstils. Und doch scheint das Hobby sie anzusprechen, die Gitarren-Götter, Crooner und Songwriter-Legenden. Eric Clapton, Phil Collins und Bruce Springsteen sollen passionierte Bähnler sein. Frank Sinatra, Joe Cocker und John Entwistle von The Who gingen angeblich auch diesem Hobby nach. Und glaubt man Allen Drucker, dem einstigen Besitzer von Amerikas grösstem Modellbahngeschäft, ist die Dunkelziffer berühmter Eisenbahnenthusiasten noch höher. Viele Stars blieben jedoch lieber inkognito, wie Drucker der «L.A. Times» verriet, das Stigma halt.

Ja, Modellbähnle galt noch nie wirklich als cool. Das musste schon der junge Neil Young merken. Als die Bandkollegen David Crosby und Stephen Stills neben Youngs privatem Studioraum seine Loksammlung entdeckten, rümpften sie die Nase. Young nahm es locker:

«Ich brauche das – es erdet mich.»

Neil Young

Young brachte es mit diesem Zitat aus seiner Autobiografie wohl auf den Punkt: Bähnle ist eben verdiente Entschleunigung und ein bisschen Weltflucht.

Roger Daltrey kam zwar erst spät zum Hobby, doch der Sänger von The Who gab sich vor ein paar Jahren gegenüber einer britischen Zeitung nicht minder begeistert. «Das Grossartige an der Modelleisenbahn: Du kannst mit Holz arbeiten, mit Farbe; du bastelst hier, du bastelst dort, hast dabei Spass mit Freunden oder hörst Radio.»

Besser als das «Rolling Stone Magazine»

Der britische Musikproduzent Pete Waterman bezeichnete das Spiel mit der Modellbahn sogar als «grossartige Therapie». Nach dem Tod seines Sohnes 2005 habe ihn sein Hobby davor bewahrt, vollkommen zu verzweifeln. Waterman hatte in den 80ern zusammen mit seinen Kollegen Mike Stock und Matt Aitken zahlreiche Hits für Kylie Minogue, Bananarama und Rick Astley geschrieben. Daneben baute sich Waterman eine von Grossbritanniens grössten Modellbahn-Sammlungen auf.

3500 Meter Gleis, 1800 Wagen, 300 Loks: Pete Watermans Modellbahn.

Zu den Grossen unter den Bähnlern gehört schliesslich auch Rod Stewart. Der Sänger nahm jahrelang eine Modellbahn mit auf Tour – für die Entspannung zwischen den Konzerten. Heute besitzt er zwei Anlagen. Sein 140-Quadratmeter-Modell der Grand Central Station um 1940 wird regelmässig in Modellbahn-Magazinen vorgestellt. Zu Stewarts Freude: «Alle drei Jahre bin ich mit meiner Anlage auf dem Cover von ‹Model Railroader›; das ist besser, als auf der Front des ‹Rolling Stone› zu sein.»

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