Sie wollen doch nur spielen

Heute Mittwoch treten Rammstein im Stade de Suisse in Bern auf. Zehn Fakten zu einer Band, die das Extreme mag. In jeder Beziehung. 

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1. Comeback nach zehn Jahren

Es ist genau zehn Jahre her, dass Rammstein das letzte Mal auf Tour gegangen sind. Und so lange ist es auch her, dass die deutsche Metalband ein neues Album veröffentlichte. Das siebte, unbetitelte neue Album erschien am 17. Mai – und befindet sich zurzeit in 14 Ländern auf Platz eins der Hitparade, auch in der Schweiz. Die Tournee, die Rammstein heute Mittwoch nach Bern führt, ist restlos ausverkauft.

2. Rechts! Rechts? Selber schuld

Sind Rammstein eine rechtsextreme Band? Seit es die Gruppe gibt, wird diese Frage von der Band selbst befeuert: Immer wieder spielen die Musiker mit Nazisymbolik, die über das Tragen von Uniformen und das teutonisch rollende R weit hinausgeht. Angefangen 1998, als Rammstein den Song «Stripped» von Depeche Mode coverten und für das Musikvideo Ausschnitte aus dem Nazipropagandafilm «Fest der Völker» von Leni Riefenstahl verwendeten. Das Video wurde damals nach einer Woche von MTV aus dem Programm genommen. Und nun, kurz vor Erscheinen des neuen Albums, tauchte das einundzwanzig Jahre alte Video wieder bei Youtube auf – Rammstein selbst haben es hochge­laden.

3.Links! Oder?

Obwohl Rammstein – wen wunderts (siehe Punkt 2) – von braunen Kreisen immer wieder vereinnahmt werden, ist es keine antisemitische Band. Die Musiker distanzieren sich in Interviews immer wieder von rechten Tendenzen, und auch viele Songtexte sprechen eine klare Sprache: Im Lied «Links 2 3 4» (2001) singt Frontmann Till Lindemann: «Sie wollen mein Herz am rechten Fleck / Doch sehe ich dann nach unten weg / Da schlägt es links.» Und auch im Song «Deutschland» des neuen Albums ist keine Deutschland-Verherrlichung auszumachen: «Deutschland, mein Herz in Flammen / Will dich lieben und verdammen.»

4. Aus dem Osten in die USA

Die sechs Musiker von Rammstein wuchsen in der ehemaligen DDR auf. Dort spielten sie in Punkbands wie First Arsch, Die Firma und Feeling B. Mitte der Neunzigerjahre gründeten sie die Band Rammstein und widmeten sich fortan einem Gemisch aus Metal, Electro und Techno, das bald auch international Beachtung fand. Gerade in den USA sind die Musiker gefeierte Stars, seit es die Songs «Rammstein» und «Herzeleid» auf den Soundtrack zu David Lynchs «Lost Highway» (1997) schafften.

5. Provokation lohnt sich

Das Spiel mit links und rechts gehört zu Rammstein, es ist Teil der Provokation. Dabei kennen die Musiker kaum Schmerzgrenzen: Im neusten Video zu «Deutschland», das in neun Minuten durch tausend Jahre deutscher Geschichte rast, inszenieren sie sich in einer Szene als KZ-Häftlinge kurz vor dem Erhängtwerden. Und mit der Songzeile «Deutschland, Deutschland über allen» schrammt Lindemann nur knapp an der ersten Strophe des «Deutschlandlieds» vorbei. Das Video löste in Deutschland Entsetzen aus, es wurde international darüber berichtet. Die Rechnung ging auf: Auf Youtube wurde der Song seit Ende März über 50 Millionen Mal angeklickt.

Rammstein: Deutschland (offizielles Video) Quelle: Youtube.com/Rammstein Official

6. Echte Wunden

Testosteron, Feuer, Sex, Ironie, Gewalt, Blut. So lässt sich die Rammstein-Welt zusammenfassen. Dabei setzen Rammstein bei den Bühnenshows auch schon mal echtes Blut ein. Für den Videodreh zu «Rosenrot» (2005) soll es sogar ihr eigenes gewesen sein: Die Musiker spielen darin Mönche, die sich selbst geisseln. Während andere sich die Spuren hätten anschminken lassen, tranken Rammstein laut dem Magazin «Rolling Stone» literweise Wodka und fügten sich die im Video sichtbaren Wunden tatsächlich zu.

7. Sportliche Jugend

Sänger Till Lindemann hat viele Talente: Der vierfache Vater ist bildender Künstler, Schauspieler, schreibt Gedichte und war in seiner Jugend Leistungsschwimmer. Bei der Jugend-Europameisterschaft 1978 wurde er Siebter. Eigentlich sollte er zwei Jahre später für die DDR an den Olympischen Spielen in Moskau teilnehmen, dazu kam es aber nicht: Lindemann wurde gesperrt, weil er sich während der EM unerlaubt aus dem Hotel geschlichen hatte.

8. Der Heiratsantrag

Auch wenn Sänger Till Lindemann in seinen Liedern gerne die Wörter Liebe und Herz verwendet: Die meisten Menschen würden für einen Heiratsantrag wohl andere Musik wählen, obwohl ein Lied der Band «Heirate mich» heisst. Nicht so ein junger Mann, der gemeinsam mit seiner Freundin am 27. Mai das Rammstein-Konzert in Gelsenkirchen besuchte. Als «Heirate mich» gespielt wurde, stellte der 23-Jährige die entscheidende Frage – und bekam ein Ja, wie er danach der Plattform msl24.de berichtete. Vor dem Konzert hatte er sich erkundigt, ob «Heirate mich» auch tatsächlich gespielt werden würde.

9. Rammstein kommt von Ramstein

Natürlich ist bei einer Band, die gern provoziert, auch der Name nicht ohne: 1988 kamen bei einem Zusammenstoss dreier Flugzeuge während einer Flugschau auf dem Militärflugplatz Ramstein Air Base in Deutschland siebzig Menschen ums Leben, über tausend wurden verletzt. Hat sich die Band wegen dieses Unglücks so genannt? Rammstein verneinte zwischenzeitlich einen Zusammenhang. Allerdings vergebens, da die Gruppe kurz nach ihrer Gründung unter dem Namen Rammstein Flugschau aufgetreten war.

10. Facebook gefällt Rammstein

In den oberen Etagen von Facebook muss es einen Rammstein-Fan geben: Zumindest scheinen Rammstein auf den Social-Media-Kanälen Facebook und Instagram Dinge erlaubt zu sein, die sonst untersagt sind. Während Bilder mit nackten Brüsten normalerweise sofort zensiert werden, kündigten Rammstein ihr neustes Video «Ausländer» am 28. Mai mit einem Bild an, auf dem die Musiker, als Kolonialisten verkleidet, vor einer Gruppe afroamerikanischer Frauen posieren. Bei allen Frauen ist der nackte Oberkörper gut erkennbar.

Konzert: Mittwoch, 5. Juni, Stade de Suisse. Ausverkauft.

Erstellt: 05.06.2019, 11:48 Uhr

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