Solang es blinkt, ist es gut

Die Hitmaschine Jamiroquai ist wieder auf Touren – gestern in Zürich.

Seine Kopfbedeckungen sind genauso bekannt wie seine Band: Frontmann Jay Kay in Zürich. (11. Januar 2018)

Seine Kopfbedeckungen sind genauso bekannt wie seine Band: Frontmann Jay Kay in Zürich. (11. Januar 2018) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Da tanzt und singt er nun, agil und klar, zwei Monate nachdem seine Stimme noch versagt hatte, was im November eine Absage des geplanten Konzerts im Zürcher Hallenstadion zur Folge hatte. Und auch der mit allerlei Technik ausgestattete Hut, den der an seinen Kopfbedeckungen erkennbare Jay Kay bei der aktuellen Tour aufsetzt, blinkt und glänzt und leuchtet beim Nachholtermin am Donnerstag. So, als trüge der Vorsteher der Band Jamiroquai eine rare Koralle oder einen kosmischen Stern als Kopfschmuck, der bis in die hintersten Reihen der mit knapp 10'000 Besuchern gefüllten Halle ausstrahlt.

Sowieso war fast alles aufgeräumt und ausgelassen an diesem über zweistündigen Konzertabend: Schnell vergessen war der technologiekritische Trailer, der vor der Roboterisierung der Welt warnte und die Show von Jamiroquai ankündigte. Auch rasch aus dem Sinn: Die retrofuturistischen Datensalat-Visuals, die die Bühne in eine Art Cockpit mit Reverenzen an Science-Fiction-Entwürfe wie «Tron» oder auch «Independence Day» verwandelten. Auch «Automaton» – der konfuse Titelsong ihres ersten Studioalbums seit sieben Jahren – wurde von der Band rasch abgewickelt. Die digitalen French-Touch-Zitate, die sie auf dem Album elegant verbauen, wirkten am Konzert eher wie ein unbeholfener Flirt mit dem Zeitgeist.

Zukunftsangst als Popsong

Vielmehr erinnerte der auch schon 48-jährige und nostalgisch gestimmte Jay Kay an die Bandgeschichte, die vor 26 Jahren in London ihren Ursprung genommen hat. Damals, als die lebensmüde Tonspur aus dem Seattle der frühen Neunziger zumindest auf MTV traurig verklungen war, entwickelten sich Jamiroquai mit ihren eskapistischen Acid-Jazz-Funk-Songs zu einer zeitlosen Hitmaschine, die in den Nullerjahren allmählich ins Stottern geraten ist. Nun, nach langjähriger Pause, läuft sie wieder an: So tauchen Jamiroquai überraschend im Programm des Coachella Festivals auf, das den derzeitigen Popmainstream reflektiert – gleich unterhalb von Headlinern wie Beyoncé. Es ist eine Show, der Jay Kay bereits in Zürich entgegenfiebert.

«It’s been a ride», sagte er zu dieser erstaunlichen Karrierenwende in seiner zerfransten weissen Space-Cowboy-Jacke, die an das Woodstock-Outfit des unerreichbaren Sly Stone gemahnte, ehe die mit drei Backgroundsängerinnen verstärkte Band den frühen Song «The Kids» anpeilte. Was folgte, war der lauteste und zupackendste Funk des Abends. Natürlich schmissen Jamiroquai in ihrer Reise durch die Bandgeschichte auch fast alle ihre weiteren Hits, vom eleganten «Space Cowboy» über das discoselige «Cosmic Girl» bis hin zu «Love Foolosophy», das sie zum Schluss des regulären Sets aufführten.

Als Jamiroquai für die Zugabe zurückkehrten, erinnerte Jay Kay an ihren im vergangenen Frühling verstorbenen Keyboarder, und stimmte mit «Virtual Insanity» jenes Stück an, in dem der Autonarr 1996 seine diffuse Zukunftsangst und Sorgen über eine digitale Zukunft in einen wohlbekömmlichen Popsong übersetzte. Geschenkt, dass Jay Kay längst nicht mehr so behände tanzt wie im klassischen Laufbandvideoclip zum Lied. Doch für einen abschliessenden Gruss an den amerikanischen Präsidenten, der ja in Bälde die Schweiz besucht, reichte die Energie doch noch: «Your next gig is Donald Trump», gab er dem Publikum recht herzlich auf den Heimweg. Ehe die Lichter seines Leuchthutes ausgingen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2018, 11:22 Uhr

Artikel zum Thema

Showdown auf dem Gurten

Die Eels und Rapper Baze brillierten auf dem Gurten, Jamiroquai beeindruckte nur als Wunder der Medizin. Mehr...

Jamiroquai-Sänger verletzt – Gurten-Auftritt gefährdet

Jamiroquai-Sänger Jay Kay hat sich offenbar die Leiste gebrochen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Sie kann gar nicht gross genug sein: Beobachtet von Schaulustigen, reitet ein Surfer vor der Küste von Nazaré, Portugal, auf einer Monsterwelle. (18. Januar 2018)
(Bild: Armando Franca/AP) Mehr...