«Spex» wird eingestellt

Nach fast 40 Jahren erscheint Ende Jahr die letzte Ausgabe des legendären Magazins für Popkultur.

Ausschnitt aus einem «Spex»-Cover aus dem Jahr 1983 mit Kim Wilde.

Ausschnitt aus einem «Spex»-Cover aus dem Jahr 1983 mit Kim Wilde.

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Nun hat es auch die «Spex» erwischt, jenes Magazin, das den Popdiskurs und die deutschsprachige Popkritik jahrzehntelang markant prägte. Wie am Montag bekannt wurde, erscheint Ende Jahr die letzte Ausgabe – nach 38 Jahren. Als Grund gibt der aktuelle Chefredaktor den prekären Anzeigemarkt im Printgeschäft an und die Abwanderung der verbliebenen Werbegelder auf die Social-Media-Kanäle. Er schreibt im Editorial der aktuellen Ausgabe aber auch über das veränderte Medienverhalten «des popinteressierten Publikums», und den Verlust «der Gatekeeperfunktion der Pop-Journalist_Innen».

Spex-Ausgabe aus 1997.

Denn vorbei sind die Zeiten, in denen leidenschaftliche Verrisse oder Lobreden von legendären «Spex»-Autoren wie Diedrich Diederichsen das Leben in Studentenbuden mitbestimmten, vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Redaktion mit Verve die Karrieren von Bands wie Tocotronic oder Blumfeld befeuerte und den Soundtrack einer Generation beisteuerte. Aber bei allem Bedeutungsverlust, den die «Spex» über die Jahre und nach dem Umzug von Köln nach Berlin in Kauf nehmen musste, behielt das Magazin immer seine Kompassfunktion inne: nicht mehr unbedingt wegen den Rezensionen der Alben, sondern vielmehr wegen dezidierten Themenschwerpunkten, die Gesellschaftsphänomene wie den Aufstieg der neuen Rechte oder das Dark Net in den Blickpunkt rückten.

Mit der «Spex» verschwindet nach dem englischen «New Musical Express», den deutschen Popmagazinen «Intro» oder dem «De:Bug» ein weiteres Stück Musikjournalismus vom Markt. «Vermutlich ist es heute schwieriger, über Pop zu schreiben, als selbst Pop zu machen», sagt der Musiker Jens Friebe in der aktuellen «Spex»-Ausgabe. Er hat leider recht.

Erstellt: 15.10.2018, 19:33 Uhr

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