Vermutlich zum letzten Mal

Gitarrenheld Mark Knopfler kam nach Zürich und gab ein Konzert, das warme Wehmut ausstrahlte.

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Wer in den letzten Jahren nach neuen Formen der Gitarrenmusik gefahndet hat, der landete regelmässig in der Sahara. Und damit bei Tuareg-Bands wie Tinariwen, die den Blues für sich adaptierten. Dem Sound sprach man dann Archaik nach, doch die Musiker korrigierten die westliche Popkritik und wiesen daraufhin, dass sie nicht unbedingt von lokalen Kulturen, sondern viel stärker von den Songs der Dire Straits geprägt wurden. Und damit durch jene so erfolgreiche Band, die Mark Knopfler vor 24 Jahren aufgelöst hat – weil dem gänzlich uneitlen Gitarristen und Songwriter der Rummel zu viel wurde.

Warum Knopflers unverkennbares Fingerpicking-Gitarrenspiel so einflussreich geblieben und noch nicht musealisiert ist: Man hört es am Donnerstagabend im Hallenstadion. Knopfler bedient ja nur in den schwächsten Momenten festgefahrene Rockmanierismen – was vor allem für den heute eigentlich unmöglichen Grosshit «Money for Nothing» gilt, den der 69-Jährige und seine zehnköpfige Band, die man überaus nuanciert spielen hört, als erste Zugabe gibt.

Knopflers Spiel ist vor allem ein singendes. Eines, das mühelos von Newcastle, wo Mark Knopfler aufgewachsen ist, und der dortigen Pubkultur in die USA übersetzt, hin zu Folk und Country. So wie im ersten Song des Abends mit dem ausrufenden Titel «Why Aye Man», in dem er mit seinem Instrument jene Melodien singt, die für ihn, den Mann mit der Stimme des geschichtenerzählenden Nichtsängers, unerreichbar sind.

Knopflers Spiel, das so leicht wirkt, bleibt jedenfalls hängen, im Gegensatz zu den Saxofonsoli, die die feinsinnigen Kommentare des Bandleaders beinahe erdrücken. Diese verschiedenen Auffassungen von Subtilitäten gehören zu diesem Abend, wie auch eine warme Wehmut, die sich spätestens dann ausbreitet, wenn Knopfler das sehr aufmerksame Publikum grüsst. Er sagt dann, wie gern er jeweils in die Schweiz zurückkomme, auch wenn es vermutlich kein nächstes Mal geben werde. Weil das Touren, «you know», gebe er jetzt dann auf, auch wenn er weiter Songs schreiben werde. Und Knopfler erinnert in einer Anekdote an jenen Weihnachtstag, als er, der herumvagabundierende und autostoppende Musiker, mit seiner Gitarre an einem Kreisel gestrandet ist. Das ist nun also das Leben, das er gewählt habe, «ich Idiot».

Bei aller Dankbarkeit, die er in diesen Ansagen seinen «super sweeten» Fans, wie er das dankbar-euphorische Publikum recht gerührt bezeichnet, entgegenbringt: Ein reines Best-of-Set spielt Mark Knopfler in Zürich nicht; die Dire-Straits-Songs sind an diesem Abend wie auch in seinem Songbook in der Minderheit und «Sultans of Swing» kann man ja auch zuhause nochmals hören. Aber mit «Brothers in Arms» und dem Pathos des traditionellen Abschiedssongs «Going Home» erreicht er jene Grösse, der er mit der Bandauflösung entkommen wollte. Und die er an diesem Abend besonders zu geniessen scheint. Es könnte ja das letzte Mal gewesen sein. Zumindest hierzulande.

Welthit mit den Dire Straits: «Walk of Life».

Knopfler lässt die Melodien singen: «Why Aye Man».

Knopflers Abschiedssong: «Going Home».

Erstellt: 10.05.2019, 08:46 Uhr

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