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Das Warten auf die Diva hat sich gelohnt

Lauryn Hill lässt sich an ihrem Schweizer Konzert viel Zeit, bevor sie mit ihren Musikern die Bühne betritt. Dann aber zieht sie das Publikum souverän in ihren Bann.

Als schwierig verschrien. Viele Konzertveranstalter sind über die Jahre auf ihren Buchungen von Miss Lauryn Hill sitzen geblieben.
Als schwierig verschrien. Viele Konzertveranstalter sind über die Jahre auf ihren Buchungen von Miss Lauryn Hill sitzen geblieben.

Vor 20 Jahren war Lauryn Hill eine Musikerin, der man Taten von der Innovationskraft eines Prince oder eines Stevie Wonder zutraute. Bereits als Sängerin und Rapperin beim amerikanisch-haitianischen Hip-Hop-Kollektiv Fugees hatte Hill mit einer Neuinterpretation von Roberta Flacks «Killing Me Softly» eine Neo-Soul-Variante vorgeführt, die den Sprung über den Tellerrand der sogenannten Black Music schaffte. Auf ihrem 1998 erschienenen Soloalbum «The Miseducation of Lauryn Hill» verdichtete die damals erst 22-Jährige dieses Stilamalgam auf unwiderstehliche Art und Weise weiter.

Seither ist bei Hill künstlerisch wenig passiert. Ausser einem durchzogenen Konzertmitschnitt in der Unplugged-Serie des Fernsehsenders MTV brachte sie kein weiteres Album zustande, eine nachhaltige Wiedervereinigung mit den übrigen Fugees scheiterte laut ihren alten Weggefährten an Hills fragilem Geisteszustand. Eine weitere Zusammenarbeit werde es nicht geben, sagten Wyclef Jean und Pras Michel.

Gospel-Messe ohne Pastor

Bis heute kratzt Hill weiter an ihrem guten Ruf. Immer wieder liess sie Konzerte platzen, bei der aktuellen Tournee zum 20. Jubiläum von «The Miseducation of Lauryn Hill» macht sie keine Ausnahme. So gibt sich das Publikum anfänglich noch gelassen, als der angekündigte Zeitpunkt für Hills Erscheinen um 21.15 Uhr in der vollen Eventhalle der Messe Basel verstreicht.

Kurz vor 22 Uhr verspricht Beatrice Stirnimann, CEO des Hallenfestivals Baloise Session, dass Hill erstens da und zweitens gut drauf sei. Bis die ersten Musiker ihre Plätze auf der breiten Bühne einnehmen, vergeht eine knappe halbe Stunde. Auch dann glaubt das nervös gewordene Sitzpublikum nicht so recht daran, dass Hill tatsächlich noch erscheinen wird.

Aber dann ist Lauryn Hill da. Und rappt sich engagiert durch die Eröffnungsnummer «Lost Ones», hinter ihr scheint die generös bestückte Band regelrecht zu explodieren. Mit den wallenden Chören und eruptiven Grooves klingen die ersten Stücke im 90 Minuten langen Programm nach Gospel-Messe ohne Pastor.

Die Band muss sich noch einspielen, aber Hill wirkt von Anfang an souverän. Keinen Ton setzt sie falsch, im Verlauf des Konzerts gewinnt ihre Stimme an Fülle und Wärme. So etwa muss Aretha Franklin einmal geklungen haben, die neben Marvin Gaye und Curtis Mayfield und seinen Impressions zu Hills frühen Vorbildern gehörte. So viel verrät sie in einer ihrer wenigen Moderationen.

Dynamische Wendungen

Allerdings hätten Franklin, Gaye und Mayfield ihre kollektive Ekstase stringenter orchestriert. Hill zieht den Refrain zur Ballade «Hurts So Bad» so weit in die Länge, dass man um einen sinnigen Weiterverlauf des Konzerts bangt, das Funk-Stück «Every Ghetto, Every City» verhallt seltsam wirkungslos. Erst bei der Coverversion von Frankie Vallis «Can't Take My Eyes Off You» zeigen Band und Leaderin die Intelligenz ihres Zusammenspiels: Der fesche Fast-Schlager schlendert mit Walking-Bass und Reggae-Beats scheinbar mühelos zwischen den Stilen, mit ihrem fruchtigen Gesang verleiht Hill dem dünnen Songtext etwas Neckisches.

Am Schluss packt Hill die Publikumsfavoriten aus. «Doo Wop (That Thing)», der Hit aus «The Miseducation of Lauryn Hill», enthält so viele musikalische Verweise und dynamische Wendungen, dass es einem schwindlig wird; «Killing Me Softly» klingt hier härter und trauriger als im Original. Die Nummer ist zugleich die erste Pflichtübung, mit «Fu-Gee-La» und «Ready or Not» legt Hill nach.

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