Was spielt er denn da? Oboe!

Paul McCandless ist fast der einzige Jazz-Oboist der Welt. Jetzt kommt er in die Zürcher Lebewohlfabrik.

Warmes Holz im Jazz: Paul McCandless mit seiner Oboe. Foto: Getty Images

Warmes Holz im Jazz: Paul McCandless mit seiner Oboe. Foto: Getty Images

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Was war denn das? In den 1970ern rieben sich die Leute die Augen und die Ohren, wenn sie da plötzlich diesen jungen, fast mager wirkenden Mann auf der Bühne sahen und hörten, wie er – ja was denn spielte? Oboe! Paul McCandless, 1947 in Indiana, Pennsylvania, geboren, schien angetreten, um das Unmögliche wahr zu machen. In der damals brodelnden, tosenden, kochenden Musikwelt des Rockjazz versuchte er mit seiner Oboe und deren kostbarer Klanglichkeit zu überleben.

Er tat es gut. Er stand mit Oregon, der 1971 von ihm mitbegründeten Band, bald auf den grossen Jazzpodien der Welt, ein Unikum mit seiner Oboe. Er spielte dabei sein Instrument keineswegs besonders «jazzig». Sondern mit jenem edlen, leisen Ton, der dem Instrument naturgemäss gegeben scheint. Alles so sanft, alles so samten.

Mit dem akustischen Kammer-Jazz von Oregon, der auch von der akustischen Gitarre Ralph Towners geprägt war und New-Age-artig wirkte, stand McCandless für die «andere» Seite der 1970er-Jahre. Den oft fast gewalttätig wirkenden Rockjazz-Explosionen etwa eines Mahavishnu-Orchestras suchten Musiker wie Chick Corea («Children’s Songs»), Keith Jarrett («The Köln Concert») oder eben auch Oregon eine klangschöne Romantik entgegenzusetzen, eine Musik gleichsam von der Friedfertigkeit einer leise flackernden Kerze («The Silence of a Candle» heisst ein Stück von Oregon, 1973).

Die Tücken des Doppelrohr-Blatts

Mit Oregon hat Paul McCandless bis heute über 30 Alben eingespielt. Immer war er seit den 1980ern aber auch mit anderen Formationen unterwegs. Nach Zürich kommt er nun mit dem Jazz-und-Fusion-Trio Charged Particles aus San Francisco: Murray Low an den Keyboards, Aaron Germain am Bass, Jon Krosnick am Schlagzeug.

Zwar scheint es so, dass McCandless die Oboe immer seltener spielt – das Instrument ist bekanntlich ungemein streng zu blasen. Überhaupt beklagt McCandless in Interviews gern die Tücken der Oboe mit ihrem diffizilen Doppelrohr-Blatt. Aber auch wenn er sich heute lieber an das Sopran-Saxofon hält – noch immer ist da sein kostbarer Klang, zumal das Sopran-Saxofon sich ja auch mit nasalem Oboen-Einschlag spielen lässt.

Mehrheitsfähige Töne

Auch Charged Particles lieben Wohlklänge und eine Leichtigkeit des Seins. Mit ihren Fusion-Rhythmen und weichen Synthie-Soundscapes sind sie gar nicht so weit entfernt von der «Difficult-Easy-Listening-Music» der Yellowjackets oder von Pat Metheny: kunstvolle, virtuose Töne, die dennoch sehr zugänglich und geradezu mehrheitsfähig sind.

Bei den Konzerten spielt man ausschliesslich die Musik von Paul McCandless. Immer hat der Bläser auch komponiert, mitunter für klassische Sinfonieorchester – und Kompositionen wie «Bayonne», «Willow» oder «Two Moons», die er ziemlich sicher auch in Zürich spielen wird, sind melodiös und voller reicher, schnell changierender Akkorde. McCandless favorisiert die grosse Form, lange Einleitungen und Durchführungen fast wie in der Klassik. Die hat er ursprünglich studiert und durch alle Jazz-Abenteuer nie verlassen.

Konzert am Donnerstag 12. Dezember um 20 Uhr in der Zürcher Lebewohlfabrik.

Erstellt: 11.12.2019, 09:37 Uhr

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