Wien? Kein Problem!

Philippe Jordan, der gefragteste Schweizer Dirigent, kommt wieder einmal nach Zürich.

Gefragter Dirigent: Philippe Jordan.

Gefragter Dirigent: Philippe Jordan.

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Das Zürichdeutsch hat er sich ja längst abgewöhnt. Und wenn er auftaucht in der Stadt, wo er 1974 geboren wurde, dann nur auf Stippvisite, als Gastdirigent oder auf einer Tournee – wie nun wieder. Aber spätestens im Herbst 2020 wird man in Zürich wieder sehr stolz sein auf Philippe Jordan. Dann wird er den gefährlichsten Job antreten, den ein Dirigent haben kann: als Generalmusikdirektor an der Wiener Staatsoper.

Nirgends sind die Kritiker bissiger, die Feinde intriganter, die Nostalgiker präsenter als in Wien. Jeder Taxifahrer hier wisse, wie Oper gehe, heisst es. Mehr als ein Dirigent hat das nicht ausgehalten. Der letzte, der die Staatsoper Knall auf Fall verlassen hat, war Franz Welser-Möst. 2014 war das, Welser-Möst hatte sich mit dem Intendanten Dominique Meyer zerstritten, und dieser hatte danach verlauten lassen, in seiner Amtszeit gebe es keinen neuen Generalmusikdirektor mehr.

Aber 2020 beginnt nun eben alles neu. Intendant wird dann Bogdan Roscic, ein Quereinsteiger aus der Plattenbranche. Dass er den erfahrenen Jordan geholt hat, war zweifellos eine schlaue Idee – und von Jordans Seite her ein weiterer Beleg dafür, wie geradlinig er seine Karriere plant. Denn Wien wird ihn nicht erschrecken können, er kennt die Wiener ja längst. Als Chefdirigent der Wiener Symphoniker, des zweiten grossen Orchesters in der Stadt, ist er breit akzeptiert. Und dass er ein Opernhaus musikalisch leiten kann, das zeigt er seit 2009 überaus erfolgreich in Paris.

Philippe Jordan hatte schon immer hoch hinausgewollt – und deshalb ganz unten angefangen. Er hätte es sich bequem machen können, dem Sohn des Dirigenten Armin Jordan wären viele Türen offengestanden. Aber er ging erst einmal nach Deutschland, wo der Vater wenig bekannt war: um sich «einen Vornamen zu machen», wie er das einmal formuliert hat. Er tat es von der Pike auf, als Korrepetitor und Kapellmeister in Ulm. Seinen ersten Chefposten hatte er danach in Graz, also noch ziemlich weit weg von den grossen Scheinwerfern. Die grössten Schlagzeilen machte er damals mit der Absage eines Auftritts, für den andere Jungdirigenten alles getan hätten: Bei den Salzburger Festspielen hätte Jordan «Così fan tutte» dirigieren können – und tat es nicht, weil er die Rezitative nicht selbst am Cembalo hätte begleiten dürfen. Kunst kommt vor Karriere, da war er stur. Auch weil er stets daran geglaubt hat, dass die Karriere mit der Kunst dann schon kommen werde.

Die Rechnung ist aufgegangen. Und dass sie auch an der Wiener Staatsoper aufgehen wird: Darauf würde man ziemlich viel wetten.

Philippe Jordan dirigiert die Wiener Symphoniker: 9. Juni, 19.30 Uhr, Tonhalle Maag, Zürich. www.migros-kulturprozent-classics.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.06.2018, 23:48 Uhr

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