Zum Hauptinhalt springen

«Wir starten mit 120'000 Franken»

Andreas Terwey vom Auktionshaus Koller sagt, ein Musikmanuskript sei kein Spekulationsobjekt.

Wie kam dieses Manuskript nach Zürich?

Felix Mendelssohn hat es 1830 der Familie Schubring in Quellendorf bei Dessau geschenkt, bei der er zu Besuch war – und mit der er zweifellos musiziert hat. Was danach passiert ist, lässt sich nicht lückenlos rekonstruieren; lange scheint das Heft in Familienbesitz geblieben zu sein, auch noch während DDR-Zeiten. Auf dem Innendeckel haben sich diverse Generationen von Besitzern sowie deren Angehörige und Bekannte verewigt, der jüngste Eintrag datiert von 1971. Irgendwann nach der Wende wurde das Heft in die Schweiz verkauft, an einen Sammler, mit dem wir immer wieder zusammenarbeiten.

Und der kann es weggeben?

Er trennt sich immer wieder mal von einzelnen Stücken, ja.

Wer kauft ein solches Manuskript?

Das wüsste ich auch gern! Wir haben einerseits Institutionen im Blick, andererseits gibt es überall auf der Welt Privatsammler, denen so etwas sicher auffällt. Seit man sich per Internet informieren und online mitbieten kann, sind Auktionen eine globale Angelegenheit.

Das heisst, Sie werden jetzt aus allen Ecken der Welt bestürmt?

Nein. Es haben sich einige Musikwissenschaftler und Musiker gemeldet, die sich das Heft einmal anschauen wollten – so etwas bekommt man ja nicht alle Tage in die Hände. Aber was den Markt anbelangt, sind Musikmanuskripte eine relativ kleine Nische. So wertvoll dieses Manuskript ist, es ist – etwa im Unterschied zu einer Skulptur von Jeff Koons – kein Spekulationsobjekt. Dafür interessieren sich sehr ernsthafte, fachkundige Leute, die genau wissen, was sie wollen. Dass jemand zufällig vorbeikommt, das Plakat für die Auktion sieht und spontan mitbietet, ist eher unwahrscheinlich.

Mit welchem Preis starten Sie?

Mit 120'000 Franken. Es ist das teuerste Objekt dieser Auktion. Wie weit der Preis dann steigen wird, dazu kann und soll man keine Prognosen stellen.

Weil Sie die Leute weder bremsen noch erschrecken wollen?

Auch weil es wirklich schwierig ist, die Dinge einzuschätzen. Wir werden oft überrascht, positiv oder negativ. Hier vermute ich allerdings schon, dass es ein beträchtliches Interesse gibt.

Aber Millionen werden nicht fliessen?

Im Bereich Bücher und Autografen war das teuerste Objekt, das wir je verkauft haben, eine «Cosmographia» aus Ingolstadt. Da stieg der Preis auf 660'000 Franken. Aber in solche Sphären kommt man in dieser Sparte nur sehr selten.

Der Berliner Historiker Andreas Terwey betreut beim Zürcher Auktionshaus Koller seit sechs Jahren den Bereich Bücher und Autografen. Interview: Susanne Kübler

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch