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Wirbel um Neujahrskonzert

Das traditionsreiche Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist in Österreich zum Politikum geworden: Die Grünen fordern die Einsetzung einer unabhängigen Historikerkommission.

Hat eine lange Tradition: Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. (Foto vom 1. Januar 2009)
Hat eine lange Tradition: Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. (Foto vom 1. Januar 2009)
Keystone

Auf der Website der Philharmoniker wird die Entstehung des Neujahrskonzerts 1939 als «sublime Erinnerung» an das damals bereits in das NS-Reich eingegliederte Österreich gewürdigt – so werde das Neujahrskonzert zu einer «Art Widerstand» uminterpretiert, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Harald Walser.

Historiker hätten bereits nachgewiesen, dass es sich bei dem Konzert um das «Ergebnis nationalsozialistischer Kulturpolitik» handle, erklärte Walser am Mittwoch in einem Communiqué.

Ehrenring an Kriegsverbrecher

Der Vorarlberger Nationalrat aus Hohenems kritisierte zudem, dass den in den NS-Konzentrationslagern ermordeten Mitgliedern der Wiener Philharmoniker bisher kein ehrendes Gedenken gewidmet worden sei – und ein verurteilter Kriegsverbrecher wie der NSDAP-Politiker Baldur von Schirach noch 1966 einen Ehrenring erhalten habe.

Der studierte Historiker Walser hat nach eigenen Angaben bereits vor zwei Jahren ein Konzept zur Aufarbeitung der Geschichte der Wiener Philharmoniker erstellt. Seither ist offenbar nichts geschehen. «Jetzt müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden», schreibt Walser. Die Historikerkommission müsse 2013 ihre Arbeit aufnehmen.

Orchester-Vorstand Clemens Hellsberg wies das Ansinnen zurück: «Es kann jeder Wissenschaftler, jeder Forscher kommen und sich das anschauen. Er wird in keiner Weise behindert.» Bei der Verleihung des Ehrenrings an Schirach gehe er von einer «Einzelaktivität» aus, über die er im Archiv nichts gefunden habe. Der Webauftritt des Orchesters wiederum werde bis Mai 2013 neu gestaltet und ein eigenes Kapitel über die NS-Zeit enthalten.

SDA/dj

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