R. Kelly stellt sich der Polizei

Der Sänger wird beschuldigt, vier Opfer sexuell missbraucht zu haben, von denen drei Minderjährige waren. Nun wurde in zehn Punkten Anklage gegen ihn erhoben.

R. Kelly während eines Auftrittes in Los Angeles im Juni 2013.

R. Kelly während eines Auftrittes in Los Angeles im Juni 2013. Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der US-Sänger R. Kelly hat sich nach den neuen Anschuldigungen wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen der Polizei gestellt. Kelly, gegen den ein Haftbefehl vorlag, meldete sich am Freitagabend bei der Polizei in Chicago und wurde in Gewahrsam genommen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Kelly erschien am Samstag zu einer ersten Anhörung vor Gericht. Nach einem Bericht der Zeitung «Chicago Tribune» bezeichnete der Richter John Fitzgerald Lyke Jr. die Anschuldigungen gegen Kelly als «verstörend».

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jährigen unter anderem vor, ein minderjähriges Mädchen missbraucht zu haben, das ihn während seines Gerichtsverfahrens 2008 um ein Autogramm gebeten habe.

Die Staatsanwaltschaft ist zudem im Besitz eines Videos, das Kelly mutmasslich beim Sex mit einem Mädchen zeigen soll, das zu dem Zeitpunkt 14 Jahre alt gewesen sein soll. Von einem Video, das den R&B-Sänger beim Sex mit einem minderjährigen Mädchen zeigen soll, hatte am Freitag schon der Star-Anwalt Michael Avenatti berichtet. «Nach fortlaufendem sexuellen Missbrauch und sexuellen Übergriffen gegen minderjährige Mädchen über 25 Jahre ist der Tag der Abrechnung für R. Kelly gekommen», schrieb Avenatti am Freitag bei Twitter, bevor die Staatsanwaltschaft die Anklage verkündete. «Es ist vorbei.»

Avenatti ist einer der prominentesten Anwälte der USA und vertrat zuletzt die frühere Porno-Darstellerin Stormy Daniels bei ihrer Verleumdungsklage nach einer behaupteten Affäre mit Präsident Donald Trump. Wie er an das neue Video gelangt war, sagte Avenatti nicht.

«Der Tag der Abrechnung ist gekommen», schrieb Anwalt Avenatti auf Twitter.

Der Richter setzte die Kaution für den Sänger auf eine Million US-Dollar an. Um auf freien Fuss zu kommen, muss Kelly aber nur einen Zehntel der Kautionssumme hinterlegen. Ausserdem müsse der Sänger seinen Pass abgeben, wenn er aus der Haft frei kommen wolle.

Der Richter untersagte Kelly überdies jeglichen Kontakt zu Minderjährigen sowie zu allen mutmasslichen Opfern und Zeugen in dem Verfahren. Kelly liess alle Vorwürfe über seinen Anwalt Steve Greenberg zurückweisen. «Ich glaube, die Frauen lügen alle», sagte der Verteidiger.

Missbrauchsvorwürfe seit den 90er Jahren

Der 52-jährige Kelly («I Believe I Can Fly») sieht sich seit Jahrzehnten mit dem Vorwurf konfrontiert, minderjährige Frauen missbraucht zu haben. Im Jahr 2008 war er sechs Jahre nach Anklageerhebung aber vom Vorwurf der Kinderpornografie freigesprochen worden.

Der US-Sender «Lifetime» hatte im Januar eine sechsstündige Dokumentation ausgestrahlt, in der mehrere Frauen den Sänger beschuldigten, Sex mit Mädchen unter 16 Jahren gehabt zu haben. Andere Zeugen versichern, der durch Hits wie «I Believe I Can Fly» bekannte Musiker habe Frauen wie Sexsklavinnen gehalten. Als Konsequenz kündigte das Plattenlabel RCA die Zusammenarbeit mit Kelly auf. (SDA/AFP)

Erstellt: 22.02.2019, 20:46 Uhr

Artikel zum Thema

R. Kelly wehrt sich in neuem Song gegen Anschuldigungen

Mit «I Admit» weist der Musiker den Vorwurf zurück, er habe teils minderjährige Frauen sexuell missbraucht und sie sich in einem geheimen privaten Sexkult gefügig gemacht. Mehr...

Sektenähnliche Zustände

Der Hashtag #MuteRKelly ruft zum Boykott des R’n’B-Stars auf. Über den Sänger kursieren seit Jahren Vorwürfe wegen Missbrauchs von Minderjährigen. Mehr...

Spotify löscht Musik von R. Kelly aus seinen Playlisten

Seit Jahrzehnten werfen Frauen dem US-Popstar sexuellen Missbrauch und andere Vergehen vor. Der Streamingdienst Spotify hat nun reagiert. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...