Sie will sich nichts vorschreiben lassen

SVP-Gemeinderätin Susanne Brunner inszeniert sich als Kämpferin gegen die angebliche links-grüne «Gender-Polizei».

Susanne Brunner ist Gemeinderätin und hat eine Kommunikationsagentur. Sich so auszudrücken, wie es einem beliebt, hält sie für ein demokratisches Grundrecht. Foto: Keystone

Susanne Brunner ist Gemeinderätin und hat eine Kommunikationsagentur. Sich so auszudrücken, wie es einem beliebt, hält sie für ein demokratisches Grundrecht. Foto: Keystone

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Die Interpellation mit der Nummer 2019/296 hätte kaum viel Aufmerksamkeit erreicht. Die SVP-Gemeinderäte Susanne Brunner und Stephan Iten wollen darin wissen, warum die Polizei eine zweitägige Besetzung des Pfingstweidparks duldete. Ähnliche Anfragen gibt es oft von bürgerlicher Seite. Ähnlich fallen jeweils auch die Antworten des Stadtrats aus.

Nur kam diesmal alles anders. Das Büro des Gemeinderats weigerte sich, die Interpellation entgegenzunehmen. Begründung: Sie sei nicht «geschlechtergerecht» formuliert. Brunner und Iten schrieben von «Besetzern», nicht von «Besetzerinnen und Besetzern» oder «Besetzenden», wie es die Regeln vorgeben, die das Büro letztes Jahr beschlossen hat. Brunner hielt das für einen «schlechten Witz». Sie reichte die Vorlage nochmals ein, diesmal mit dem Hinweis, die männliche Form («generisches Maskulinum») umfasse auch «weibliche Individuen und solche, welche sich keinem Geschlecht zuordnen». Es nützte nichts. Das Büro blieb hart.

Brunner empörte sich öffentlich über die doppelte Rückweisung und gab dabei die Freiheitskämpferin gegen eine angeblich links-grüne Be­vormundung. So erreichte sie viel ­Aufmerksamkeit. Ihr Begriff «Gender-Polizei» wurde breit zitiert.

Beispielhafte politische Kampagne

Am Mittwochabend findet der öffentliche Showdown statt. Der Rat wird darüber streiten, ob die Rückweisung in Ordnung geht. Unmittelbar nach dem Entscheid, der wohl nicht im Sinne von Susanne Brunner ausfällt, hat sie zu einem «Point de Presse» eingeladen. Dort will sie erklären, was sie weiter unternehmen wird. Solche Ad-hoc-Pressekonferenzen kommen selten vor im städtischen Parlamentsbetrieb.

Susanne Brunner sitzt noch nicht lange im Gemeinderat. Bei den ­Kommunalwahlen vom März 2018 kandidierte sie für die Stadtregierung, wobei sie als konsequente SVP-Ver­treterin auftrat. Für den Stadtrat reichte das nicht, sie schaffte es aber ins Stadtparlament. Dort hat sie laut Beobachtern bisher kaum etwas bewegt. Was allerdings auch schwierig wäre. Im links-grün beherrschten Rat können bürgerliche Politikerinnen wenig ausrichten. «Wir haben stumpfe Waffen», sagt Brunner.

Immerhin sticht das Gender-Thema. Den Vorwurf, dass sie den Fall auf­bausche, um Aufmerksamkeit zu erhalten (Brunner kandidiert auch bei den Nationalratswahlen im Oktober), weist Brunner zurück. Sie habe sich diesen Ball nicht selber zugespielt. «Die Rückweisung bringt mein Blut zum Kochen.» Ein demokratisches Grundprinzip sehe sie gefährdet: dass sich Bürgerinnen und Politiker so ausdrücken können, wie sie es wünschten. Persönlich gebrauche sie gerne die weibliche und die männliche Form. «Ich will aber nicht dazu ge­nötigt werden.» Vor allem schriftlich sorge die ständige Verwendung beider Geschlechter für unlesbare Texte.

Die 47-Jährige arbeitete sechs Jahre lang als Lobbyistin für den Wirtschaftsverband Economiesuisse. Diesen Frühling hat sie sich selbstständig gemacht mit einer Beratungs- und Kommunikationsagentur. Egal, wie der Zürcher «Gender-Krach» ausgeht – Brunner wird ihn als ­Beispiel brauchen können für eine gelungene politische Kampagne.

Erstellt: 27.08.2019, 20:08 Uhr

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