Abrupter Abgang

Der umstrittene Intendant des «Konzert Theater Bern», Stephan Märki, tritt per sofort zurück, wie er an einer emotionalen Medienkonferenz bekanntmachte.

Wegen einer Liaison tritt Stephan Märki per sofort zurück.

Wegen einer Liaison tritt Stephan Märki per sofort zurück. Bild: Peter Schneider/Keystone

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Stephan Märki, Intendant des Berner Stadttheaters, tritt per sofort zurück. Das gab er heute an einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz im Hotel Schweizerhof in Bern bekannt. Begründet wurde die Entscheidung mit einer privaten Beziehung, welche der 63-jährige Märki mit einer Mitarbeiterin in einer Leitungsposition am Theater geführt hatte. Dabei geht es um Sophie-Thérèse Krempl, die an Märkis Haus über längere Zeit als Leiterin der Kooperationen und Sonderprojekte verantwortlich war, zugleich aber auch eine Zeit lang als leitende Dramaturgin und zuletzt als Leiterin der Abteilung Marketing und Kommunikation am Haus arbeitete.

Medien wussten es schon länger

Sophie-Thérèse Krempl, die Philosophie, Literatur- und Theaterwissenschaften sowie Organisations- und Managementtheorie und Soziologie studiert und mit einer Arbeit über «Paradoxien der Arbeit» promoviert hat, war künstlerische Referentin des General­intendanten von Weimar gewesen. Generalintendant war: Stephan Märki. Dieser verliess Weimar nach zwölfjähriger Intendanz und wechselte im Sommer 2012 als Direktor nach Bern – und Sophie-Thérèse Krempl mit ihm.

Gemäss Stephan Märki führen er und Sophie-Thérèse Krempl erst seit Frühjahr 2017 eine Liebesbeziehung. In Berner Medien war schon seit einiger Zeit von einer Liaison zwischen den beiden die Rede. Insbesondere, weil es in der Schauspielleitung, in der auch Krempl zeitweise als leitende Dramaturgin tätig war, wiederholt zu Konflikten gekommen war.

Diese führten Ende April 2018 zur Ankündigung, dass der jetzige Leiter der Schauspielsparte seinen Vertrag nicht über die kommende Spielzeit 2018/19 hinaus verlängern werde: Cihan Inan, der während der Intendanz von Barbara Weber und Raphael Sanchez auch für ein Jahr Chefdramaturg am Theater Neumarkt in Zürich war, ist bereits der dritte Leiter der Schauspielsparte, der während der Intendanz von Stephan Märki unerwartet und frühzeitig den Betrieb verlässt.

Fragen, wieso es zu Konflikten zwischen seiner Geliebten und seinen Mitarbeitern gekommen war, wollte er nicht beantworten.

Nachdem die Gerüchte über eine persönliche Beziehung zwischen Krempl und Märki aufkamen, habe der Stiftungsrat wiederholt beim Intendanten nachgefragt, ob diese der Wahrheit entsprächen, erklärten Nadine Borter und Marcel Brülhart vom Stiftungsrat des Theaters. Aber erst diesen Dienstag habe Märki eingeräumt, dass er tatsächlich mit Krempl eine Liebesbeziehung führe. Das sagte der Rechtsanwalt Marcel Brülhart, der bis Anfang dieses Monats als Stiftungsratspräsident des Vierspartenhauses amtierte. Märki tritt per sofort zurück; mit ihm verlässt auch Sophie-Thérèse Krempl das Haus.

Stephan Märki wird aber noch bis April 2019 weiter seinen Intendantenlohn erhalten. Auch Märkis geplante «Tristan und Isolde»-Inszenierung soll noch am Berner Vierspartenhaus herauskommen. Und er soll für diese honoriert werden, wie es auch in den letzten Jahren bei Inszenierungen von Stephan Märki am eigenen Haus der Fall war.

Märki betonte in der Pressekonferenz, dass er und seine Geliebte «Berufliches und Privates» stets voneinander getrennt hätten. Nachfragen, wieso es dann trotzdem zu Konflikten zwischen seiner Geliebten und seinen Mitarbeitern gekommen war, wollte er nicht beantworten. Als er seine Erklärung vom Blatt ablas, versagte ihm die Stimme, sodass Nadine Borter weiterlesen musste. Danach verliess er den Saal mit der Erklärung, er sei jetzt privat.

Als Konsequenz aus den jüngsten Entwicklungen will der Stiftungsrat des KTB nun einen Kodex ausarbeiten, der mehr Transparenz am Haus ermöglicht, besonders bezüglich privater Beziehungen. Diese sollen in Zukunft verunmöglicht werden, sodass keine Günstlingswirtschaft entstehen kann. Ob Brülhart, der die ganze Intendanz Märki als Präsident des Stiftungsrats das Haus beriet, nun aus dem Rat zurücktritt, liess er offen. Brülhart erklärte lediglich, dass er eine vollständige Aufarbeitung der zahlreichen Konflikte und Vorgänge am Konzert Theater Bern während der Zeit von Stephan Märki unterstütze und dafür zur Verfügung stehe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.07.2018, 18:04 Uhr

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