Pulitzer-Preis für Weinstein-Enthüllungen

Jodi Kantor und Megan Twohey sowie Ronan Farrow wurden mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Sie lösten mit ihrer Arbeit die #MeToo-Bewegung aus.

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Vor einem halben Jahr traten Berichte der «New York Times» und des «New Yorker» über sexuelle Belästigungen durch Hollywood-Mogul Harvey Weinstein die weltweite #MeToo-Debatte los. Jetzt haben die Journalisten dahinter den Pulitzer-Preis bekommen – und erstmals auch ein Rapper.

Die drei Journalisten hinter der Aufdeckung der Affäre um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein und der Rapper Kendrick Lamar sind mit Pulitzer-Preisen geehrt worden. Die Jury der renommierten Auszeichnungen verkündete am Montag an der Columbia Universität in New York die Preisträger in insgesamt 21 Kategorien.

Jodi Kantor und Megan Twohey für die «New York Times» sowie Ronan Farrow für den «New Yorker» hatten mit ihren Berichten im Oktober 2017 die #MeToo-Bewegung losgetreten, in der sich Opfer sexueller Übergriffe zu Wort meldeten. Die Bewegung breitete sich in den Monaten darauf auf andere Branchen und in andere Länder aus.

«Explosiver Journalismus»

Die drei Journalisten hätten mit «explosivem, wirkungsvollem Journalismus Sexualtäter enthüllt, darunter auch Vorwürfe gegen einen der einflussreichsten Produzenten Hollywoods», sagte Dana Canedy, Vorsitzende der Verwaltung der Pulitzer-Preise. Durch die Berichterstattung seien die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden für «lang unterdrückte Vorwürfe über Nötigung, Gewalt und erzwungenem Schweigen der Opfer». Die Folge sei eine «weltweite Abrechnung mit dem sexuellen Missbrauch von Frauen» gewesen.

Er sei dankbar für «jede mutige Quelle» und die Unterstützung des «New Yorker», als andere die Geschichte «begraben» wollten, twitterte Farrow kurz nach Verkündung der Preisträger. «Dieser Moment wird als Abrechnung bezeichnet, aber wir haben erst angefangen, die Wahrheit über alten Machtmissbrauch zu sagen.» Der TV-Sender NBC hatte Farrows Geschichte über Weinstein abgelehnt und war beschuldigt worden, Berichterstattung über sexuelle Übergriffe unterdrücken zu wollen.

Grosse Überraschung

Grösste Überraschung in den nicht-journalistischen Kategorien war die Auszeichnung des Rappers Kendrick Lamar für sein 2017 veröffentlichtes Album «Damn». Lamar ist der erste Rapper, der den Preis erhält, und der erste Musiker, der nicht aus der Klassik oder dem Jazz kommt.

Das Album sei eine «virtuose Liedersammlung, vereint von seiner umgangssprachlichen Authentizität und rhythmischen Dynamik», sagte Verwaltungschefin Canedy. Es biete «eindringliche Momentaufnahmen, die die Komplexität des modernen afro-amerikanischen Lebens einfangen». Der 1987 in Kalifornien geborene Lamar gilt als einer der derzeit bedeutendsten und erfolgreichsten Rapper. Er hat unter anderem auch schon mehrere Grammys gewonnen. «Damn» ist sein viertes Studioalbum.

Der Preis für den besten Roman ging an Andrew Sean Greer für sein Buch «Less», als bestes Theaterstück wurde Martyna Majoks «Cost of Living» ausgezeichnet. Jack E. Davis wurde für sein Geschichtsbuch «The Gulf» geehrt, Caroline Fraser für ihre Biografie «Prairie Fires». Frank Bidart bekommt den Pulitzer-Preis für seinen Gedichtband «Half-light», James Forman Jr. für sein Sachbuch «Locking Up Our Own».

Preis für Text über Heroin-Epidemie

In den weiteren der 14 journalistischen Pulitzer-Kategorien wurden grosse, aber auch im Ausland weniger bekannte US-Medien ausgezeichnet. Die «New York Times» gewann mit der «Washington Post» in der Sparte «National» für deren Berichterstattung zur russischen Einflussnahme im US-Wahlkampf und Verbindungen zum damaligen Kandidaten Donald Trump. Auch Berichterstattung über die geplante Mauer an der US-Grenze mit Mexiko («Arizona Republic»), die Heroin-Epidemie in Ohio («Cincinnati Enquirer») und Dylan Roof, der in einer Kirche in Charleston neun Afroamerikaner erschoss («GQ»), wurden ausgezeichnet.

Die Pulitzer-Preise gelten als die höchste Auszeichnung der Medienbranche und wurden am Montag zum 102. Mal vergeben. 14 der 21 Preiskategorien sind journalistischen Arbeiten vorbehalten, die restlichen Literatur, Musik und Theater. Die Preisträger bestimmt eine Jury, die an der New Yorker Columbia-Universität angesiedelt ist. Gestiftet wurden die Preise einst vom ungarisch-amerikanischen Zeitungsverleger Joseph Pulitzer (1847-1911). Gewinner bekommen eine Urkunde und 10'000 Dollar bei einem festlichen Mittagessen in einigen Wochen. (fur/chk/sda)

Erstellt: 16.04.2018, 23:14 Uhr

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